die Leute , die mir gehörten , freigegeben hat , seit die Willkür des Königs ihnen Ansprüche an mein Eigenthum zuerkannt hat , seit ich es nicht mehr bin , der mein Verhältniß zu ihnen nach meiner Einsicht und nach meinem Ermessen ordnet . Es ist nicht erfreulich , mit denjenigen rechten zu sollen , die nicht unseres Gleichen sind , und noch weniger erfreulich , am Fuße seines alten Stammes ein Geschlecht heranwachsen zu sehen , das wie die Schwämme wuchert und sich breit macht . Seine Stirn hatte sich gerunzelt , seine buschigen Augenbrauen hingen ihm tief herab . Er versenkte sich eine Weile in seine eigenen Gedanken , der Sohn wagte es nicht , ihn darin zu stören . Wir sind nicht mehr die Herren ! hob er nach einer Weile abermals an . Nicht die Herren in unserem Lande , nicht Herren auf unseren Gütern mehr . Der gewaltige Napoleon hat seinen Fuß auf den Nacken der Könige gestellt und sich zu ihrem Gebieter gemacht , und der Geist des Umsturzes , dessen Verkörperung er ist , ist auch in unsere neue Gesetzgebung eingedrungen und hat sie verdorben bis in ihre Tiefe . Wir sind rechtlos geworden . Das Wort : » Stehe auf , damit ich mich setze ! « ist der Grundsatz , der jetzt die Welt beherrscht . Jeder für sich und Niemand für den Andern ! Er nahm eine Prise und öffnete das Wagenfenster , sich Luft zu verschaffen , denn von diesen Angelegenheiten konnte er nicht sprechen , ohne daß es ihm das Blut zu Kopfe trieb . Renatus , der ihn eben deshalb von dem Gegenstande abzuleiten wünschte , erlaubte sich die Bemerkung , daß die Zeit vielleicht eine Ausgleichung der augenblicklichen Uebelstände mit sich bringen werde , und wie er diese Zuversicht von verschiedenen Seiten habe äußern hören . Ausgleichungen bringen ? fuhr der Freiherr lebhaft auf - wie soll das zugehen , wo von beiden Seiten die Kräfte so überspannt werden müssen , daß sie sich erschöpfen ! Er war ja so glücklich gewählt , der Augenblick für die neue Gesetzgebung , setzte er spottend hinzu , so glücklich gewählt am Ende eines schweren Krieges , in Tagen , in denen die ganze Welt in Flammen stand ! Frage die sogenannten freien Leute , ob sie jetzt besser daran sind , als zu jenen Zeiten , da sie mir gehörten ! Frage sie , ob sie nicht heute , wo die schwere Last der Einquartierung wieder auf uns niederzufallen droht , lieber meine Leibeigenen und Hörigen sein wollten ; ob sie besser daran sind , wenn man ihnen jetzt das Brod aus dem Hause und die Kuh aus dem Stalle nimmt ! Und was uns anbetrifft - unser Besitz hat schwer gelitten , unser Vermögen ist sehr zusammengeschmolzen ! Er warf einen schnellen , prüfenden Blick auf seinen Sohn , aber obschon die Niedergeschlagenheit in dessen Zügen nicht zu verkennen war , schien der Freiherr durch die Haltung desselben sich beruhigter zu fühlen . Dennoch gewann er es nur mit großer Mühe über sich , dem Sohne von seinen Angelegenheiten weiter Auskunft zu ertheilen . Er sagte wie der Krieg und die ihm folgenden , fast unerschwinglichen Kriegssteuern ihn genöthigt hätten , die Güter , eines nach dem andern , mit Hypotheken zu belasten , wie die allgemeine Geldnoth den Werth des Geldes von Jahr zu Jahr gesteigert und den Zinsfuß so erhöht habe , daß es immer schwerer geworden sei , den Gläubigern gerecht zu werden ; wie er sich oftmals und gerade dann in peinlichen Geldverlegenheiten befunden habe , wenn es darauf angekommen sei , die Würde des Hauses zu behaupten und nicht durch eine zur Schau getragene falsche Sparsamkeit den unentbehrlichen Credit zu schwächen . Er erzählte das mit jener Klarheit , welche aus einer genauen Uebersicht der Verhältnisse entspringt , aber er hatte nicht mehr die leicht abfertigende Weise , die ihm sonst allen Geschäften gegenüber eigenthümlich gewesen war . Nur die Unlust des großen Herrn , der sich widerwillig dazu bequemt , den obwaltenden Zuständen sein freies Belieben unterzuordnen , war noch die alte in ihm , und Renatus fühlte ihm diese in ihrem ganzen Umfange nach . Wenn Sie es wüßten , mein Vater , rief er , was ich dabei empfinde , Sie unter dem Drucke so unwürdiger Sorgen zu sehen ! Ich weiß es , ich weiß es ! fiel ihm der Freiherr mit scheuer Hastigkeit in die Rede , und eben deßhalb habe ich beschlossen , Dich mündig sprechen zu lassen , denn Du erhältst dadurch die Möglichkeit , mir in einer vorübergehenden Verlegenheit zu helfen ! Er hielt inne und schien von seinem Sohne eine Antwort zu erwarten ; aber Renatus war so betroffen , es stürmten so verschiedene Gedanken und Empfindungen auf einmal auf ihn ein , daß er nicht im Stande war , gleich den Ausdruck für sie zu finden . Seines Vaters Lage mußte sehr übel sein , wenn er sich herbei ließ , Beistand von seinem Sohne zu verlangen , selbst auf Kosten der Herrschaft und Gewalt über denselben , auf die er stets so eifersüchtig gewesen war . Renatus wagte es nicht , das Auge zu erheben , er mochte nicht sehen , wie sein Vater in dem Momente aussah . Des Freiherrn leise bebende Stimme durchschnitt des Sohnes Herz , und ohne sich zu fragen , was er damit für die eigene Zukunft aus den Händen gebe und auf sich nehme , sagte er : Wenn mein mütterliches Erbe Sie aus einer Verlegenheit befreien kann , so werde ich glücklich sein , mein Vater , wenn Sie darüber ganz verfügen wollen ! « Der Freiherr holte tief Athem , aber er erwiederte nichts . Sie hatten Beide die Farbe gewechselt , denn ohne daß sie es aussprachen , fühlten sie es , daß ihr Verhältniß zu einander von diesem Augenblicke ab nicht mehr dasselbe sei . Renatus hatte , gerührt von seines