eingeprägt - immer vergeblich , obgleich ich häufig glaubte , irgend etwas wieder zu erkennen . Oefters geschah es mir , daß ich meinte , dies oder das Parkthor sei es , durch welches ich ein- und ausgefahren ; ja , und hinter ihnen sah ich oftmals Teiche und Bäche , jenen ähnlich , große Rasenplätze , alte Schlösser , ganz wie das , wo ich jene Nacht zugebracht . Doch fand ich bei näherer Besichtigung beständig irgend eine Verschiedenheit : bald fehlte die Steintreppe vor dem Portal , bald die Fenster auf den Hof hinaus , deren Form ich nicht vergessen . - Endlich aber , durch einen sonderbaren Zufall fand ich , was ich suchte ; ich hatte lange einen Park mit hohen Mauern sehnsüchtig umkreist , der Pförtner wollte dem Zigeuner keinen Einlaß gestatten , da kam ich an eine Stelle , wo ich lustige Kinderstimmen vernahm ; die Federbälle flogen in die Höhe , endlich einer zu mir herüber . - O schade ! er ist fort , rief es drinnen ; ich aber eilte mit meinem Fund zu dem Pförtner , und übergab ihm denselben . Er wollte mich beschenken , doch bat ich ihn nur um die Vergünstigung , die Gärten sehen zu dürfen ; sein Knabe begleitete mich . Ja , dies war das hohe Steinthor von Bäumen überschattet , die geschlungenen Wege , die dichten Gebüsche , zwischen welchen ich in jener Nacht den Fackelschein gesehen , als mein Vater wegritt . Wie klopfte mir das Herz , ich wäre gern nach dem Schlosse geeilt , aber ich mußte meinem kleinen Führer folgen , der zuerst den Federball abgeben sollte . Wir kamen auf einen schönen Rasenplatz mit Blumen umgeben , dort spielten zwei Kinder , ein Knabe und ein Mädchen von fünf bis sechs Jahren , die Eltern standen dabei ; eine Dame in tiefer Trauer schaute den Spielen ihrer Kinder zu . Sie dankte mir , und während sie mit mir sprach , betrachtete ich die kleinen schönen Kinder . Ich weiß nicht , es war mir so eigen zu Muth , eine unaussprechliche Wehmuth überwältigte mich , ich hätte laut aufweinen , vor die Kinder hinknieen , ihre feinen Hände , ihre blonden Haare küssen mögen . Waren es doch die Bilder meiner Vergangenheit und der meiner Schwester - oh ! dies mußte der Park meines Vaters sein . Wie hätte auch ich spielen können , froh und heiter , einer glücklichen Zukunft entgegen ! und obendrein sah das kleine Mädchen meiner armen Schwester ähnlich . - Jetzt rief die Dame die Kinder zu sich , wir schlichen uns fort , ich nicht , ohne vielmal rückwärts zu schauen . - Aber nun zum Schlosse hin ! - Ja , es war dasselbe , die Steintreppen , die Fenster , ich erkannte es wieder an dem Schlagen meines Herzens . Was hätte ich darum gegeben , sein Inneres betreten zu dürfen ! Aber dies wurde mir nicht gestattet ; ich fragte den Kleinen aus , ob droben schöne Zimmer seien . - Ja , sagte er . - Mit dunkeln Holzdecken ? fuhr ich fort , und eines , in welchem sich viele schöne Messer und Degen befinden ? - Ja , ja , entgegnete er mir ; der Vater hat es mir schon oft gezeigt , wenn die Herrschaft abwesend war . - Und die Herrschaft ? fragte ich zögernd , ist sie im jetzigen Augenblicke hier ? - Ei , meinte er , wir haben die Lady ja drunten gesehen , und auch die Kinder , die Dame in Trauer , denn der Lord K. , unser Herr - Sprich ! sprich ! rief ich . - Der Herr des Hauses also - er verunglückte vor einem Jahr auf der Jagd , er starb nach einem heftigen Sturz mit dem Pferde . - Das war mein Vater . Ohne ein Wort weiter zu sprechen , ging ich durch den Park zurück , grüßte den Pförtner und trat in ' s Freie . Welch schreckliche Räthsel umgaben mein Leben ! Ich hatte die Frau meines Vaters gesehen , die doch nicht meine Mutter war - seine Kinder - meine Geschwister und mir doch fremd . - Wir blieben die Nacht in einem benachbarten Dorfe , und da erfuhr ich die Geschichte des Schlosses und meine eigene . Vor acht Jahren , erzählte man mir , sei der junge Lord auf eine höchst liebreiche Einladung seines Vaters aus Italien zurückgekehrt , mit seiner jungen Frau und zwei Kindern . Gleich nach seiner Ankunft war indeß durch seines Vaters Einfluß seine Ehe für ungiltig erklärt und cassirt , die Mutter nach Hause geschickt und über die Kinder als uneheliche disponirt . Der Sohn schien sich , wider Erwarten , ohne viele Mühe den Ansichten seines Vaters gefügt zu haben , denn nicht lange darauf heirathete er eine reiche Erbin . So war ich also ausgestoßen , ohne Namen , ohne Familie . Meine Mutter , hieß es , sei nach Italien zurückgegangen ; wo aber war meine Schwester ? Mir schien es am gerathensten , um eine Spur der Verlorenen zu finden , meine Schritte nach Sicilien zu wenden . Doch - lachen Sie über mich - ich konnte mich nicht so schnell entschließen , meine bisherigen Freunde zu verlassen ; ich gestehe es Ihnen : ich hatte Geschmack an dem wilden Leben gefunden ; auch fehlten mir die Mittel , um mich von ihnen trennen zu können . Daß mein Herz zerrissen war , brauche ich Ihnen nicht zu sagen , auch nicht , daß ich den ganzen Leichtsinn meiner Jugend zusammen nehmen mußte , um mich zu betäuben ; ich durfte nicht zu mir selbst kommen , ich durfte nicht ruhig überlegen , was ich hätte werden können , werden müssen , und was ich geworden war . - Ah ! « rief er nach einer Pause mit schmerzlicher Stimme , » wenn diese Gedanken kamen , so