von Schattenbild derselben oder eine Quasi-Bettstelle vorstellt , und der gemalten , die , als eine bloße Nachahmung der gedrechselten , im Grunde gar keine Bettstelle , und also , Platonisch zu reden , gar nichts ist , - ich finde das alles sowohl , als die Anwendung , die er davon gegen die gesammten nachahmenden Künste macht , ungemein lustig zu lesen ; und würde mich am Ende nur verwundern , wie eben derselbe Mann , der , so oft er sich vergißt und gleich andern natürlichen Menschen von menschlichen Dingen menschlich spricht , so verständig räsonnirt , sich auf einmal wieder in solchen Unsinn versteigen kann ; es würde mich wundern , sag ' ich , wenn ich nicht aus so vielen Beispielen wüßte , daß eine einzige Vorstellung , die sich zur Tyrannin aller andern in einem phantasiereichen Kopf aufgeworfen hat , sobald sie angeregt wird , die Wirkungen der Verrücktheit und des Wahnsinns hervorzubringen fähig ist . Wenn übrigens unsre Dichter , Maler , Schauspieler und wer sonst hierher gehört , anstatt aus der Fehde , die er ihnen in diesem Dialog mit so großem Gebraus ankündigt , Ernst zu machen , sich begnügen über ihn zu lachen , so werden sie alle Vernünftigen auf ihrer Seite haben ; denn das Unglück aus seiner Republik ausgeschlossen zu seyn , ist doch wohl der einzige Schade , der ihnen aus allem , was er ihnen Böses nachsagt , zuwachsen kann ; und diese Republik hat für ihres gleichen so wenig Anziehendes , daß sich schwerlich auch nur ein Tischmacher in ganz Athen finden wird , welcher Lust haben könnte um das Bürgerrecht in derselben anzuhalten . Alles in der Welt muß endlich ein Ende nehmen ; und so erinnert sich auch unser Sokrates , dem der Gaumen vermuthlich trocken zu werden anfängt , daß die Rede in diesem Gespräch eigentlich nicht von Dichtern und nachahmenden Künstlern , sondern von dem wahren Charakter der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit habe seyn sollen , und von den Wirkungen , welche die eine und die andre in einer von ihr beherrschten Seele hervorbringt . Er lenkt also mit einer ziemlich raschen Wendung wieder in den Weg ein , aus dem er schon so oft ausgetreten ist ; und sobald er sich und seine Zuhörer orientirt hat , zeigt sich ' s , daß ihm , nachdem er den Beweis , » daß die Gerechtigkeit an und durch sich selbst das beste und edelste Besitzthum der an und in sich selbst betrachteten Seele sey , und daß man also , ohne alle Rücksicht auf Vortheil und Lohn , immer gerecht handeln müsse , man besitze den Ring des Gyges oder nicht , « gegen die Behauptungen des von Glaukon und Adimanth unterstützten Thrasymachus , aufs vollständigste und bündigste geführt zu haben vermeint , nun nichts übrig sey , als der Gerechtigkeit selbst - Gerechtigkeit widerfahren zu lassen , » ihr alles , was er ihr zum Behuf jenes Beweises nehmen müssen , wiederzugeben , und sie wieder in den vollen Besitz aller Belohnungen einzusetzen , welche die Tugend einer Seele bei Göttern und Menschen im Leben und nach dem Tode verschaffe . « Dieß ist es nun , womit er sich im Rest dieses letzten Buchs beschäftigt . Nachdem er nämlich die unendlichen Vortheile des Gerechten oder Tugendhaften vor dem Lasterhaften oder Ungerechten , selbst in bloßer Rücksicht auf die Belohnungen , welche jener , und die Strafen , welche dieser von Göttern und Menschen schon in diesem Leben zu gewarten habe , mit beständiger Rücksicht auf die gegentheiligen Behauptungen des Thrasymachus und seiner Gehülfen , kürzlich dargethan hat , und Glaukon von der Menge und Größe jener Vortheile des Gerechten überzeugt zu seyn versichert , fährt Sokrates fort : das alles sey doch nichts gegen das , was auf beide nach ihrem Tode warte , und es werde zur Vollständigkeit seiner Ueberzeugung nöthig seyn zu hören , was er ihm hiervon zu sagen bereit sey . Glaukon , der sich nach einer solchen Aeußerung auf wundervolle Dinge gefaßt macht , versichert , daß er , wie lang ' es auch währen möchte , mit Vergnügen zuhören werde ; und so folgt denn eine sehr umständliche Erzählung des Berichts , den ein gewisser Armenier Namens Er , als er am zwölften Tage nach seinem Tode , auf dem Scheiterhaufen worauf sein unversehrt gebliebener Leichnam verbrannt werden sollte , wieder ins Leben zurückgekehrt , von den erstaunlichen Dingen , die er in der andern Welt gesehen und gehört , öffentlich abgestattet habe . Da diese Erzählung , über deren Quelle uns Plato in gänzlicher Unwissenheit läßt , keinen Auszug gestattet , und ich nicht zweifle , daß sie eines von den einzelnen Stücken dieses Dialogs ist , die du mit gebührender Aufmerksamkeit gelesen hast , so begnüge ich mich , bloß ein paar Anmerkungen beizufügen , welche nicht sowohl dem Mährchen selbst , als dem erhabenen Dichter , der uns damit beschenkt hat , gelten sollen . Natürlicherweise können uns aus der andern Welt keine Nachrichten zugehen , als durch Personen , welche dort gewesen und wieder zurückgekommen sind . Die fabelhafte Geschichte nennt , meines Wissens , außer Theseus , Peirithous , Hercules und dem Homerischen Odysseus , welche lebendig in den Hades hinabgestiegen und wieder heraufgekommen , nur drei Todte - den zwischen Aphrodite und Persephone getheilten Adonis , die Alcestis , und den schönen Protesilaus - denen ins Leben zurückzukehren erlaubt worden , wiewohl dem letzten nur auf einen einzigen Tag . Plato dichtet also nichts Unerhörtes , indem er den Armenier Er aus der andern Welt zurückkommen läßt ; aber da dieser Er von den Richtern , welche am Eingang den neuangekommenen Seelen ihr Urtheil sprechen , ausdrücklich deßwegen ins Leben zurückgeschickt wird , um uns andern Bewohnern der Oberwelt von den Belohnungen und Strafen , die uns nach dem Tode erwarten , zuverlässige Nachrichten zu geben ; so erforderte , sollte man denken , ein so wichtiger Zweck ,