Saul konnte nicht so sehr in Ungehorsam verfallen , und David nach Unrecht dürsten , als aufrichtig hernach ihre Bekehrung war . So viele Tropfen Blut in meinen Adern fließen , so viele sollen es Zeuge seyn , der neuen Treue und Gehorsams , die Dero Gnade und Huld würket ; Gottes Gnade und Liebe lässet mich auch seiner Gnade hoffen ; so verzweifle denn auch nicht , der darum flehet und bittet , als Ew . Majestät ungehorsam gewesener , nunmehr aber durch Reu und Leid zu seiner Pflicht getriebener Vasall und Unterthan . Katt . « So der Brief an den König . Gleichzeitig schrieb er an seinen Großvater mütterlicherseits , den Generalfeldmarschall von Wartensleben . In diesem Briefe bezieht er sich auf sein eben an den König gerichtetes Gnadengesuch und schreibt wörtlich : » Ihm ( Gott ) ist nichts unmöglich , es sind ihm noch Mittel genug bekannt , um zu helfen ; denn er kann das Herz des Königs noch regieren und lenken , daß er sich so zur Gnade wiederum kehrt , als er sich zur Schärfe bezeiget . Ist es sein Wille nicht , so sei er auch dafür gelobet ; denn er kann es nicht anders , als gut mit uns meynen ; darum gebe mich in Geduld und erwarte , was Dero und anderer Vorsprache bei Ihro Majestät für Würkung thun werden « . Aber alle » Vorsprache « war umsonst , das Gnadengesuch selbst blieb unbeantwortet , und am 3. November früh erschien Maior von Schack von den Gensdarmes mit einem starken Kommando selbigen Regiments vor dem Wachtlokal , um den Delinquenten nach Küstrin zu schaffen , wo derselbe » vor den Augen des Kronprinzen « enthauptet werden sollte . Von Schack war tief erschüttert . » Ich habe Befehl von Sr. Majestät « , so wandte er sich an Katte , » bei Ihrer Hinrichtung zugegen zu sein . Zweimal habe ich mich geweigert , aber ich habe zu gehorchen , Gott weiß es , was es mich kostet . Gebe der Himmel , daß das Herz des Königs sich noch wenden und ich in letzter Stunde noch die Freude haben möchte , Ihnen Ihre Begnadigung anzukündigen . « » Sie sind zu gütig « , antwortete Katte , » aber ich bin mit meinem Schicksal zufrieden . Ich sterbe für einen Herrn , den ich liebe , und habe den Trost , ihm durch meinen Tod den stärksten Beweis der Anhänglichkeit zu geben . « Und danach bestieg er den Wagen , der vor dem Wachtlokale hielt , und der Zug setzte sich , durch das Landsberger Tor hin , auf Küstrin zu in Bewegung . Kattes Überführung nach Küstrin Das Kommando unter Major von Schack bestand aus dreißig Pferden , einem Rittmeister , einem Leutnant und zwei Unteroffizieren , die den Wagen in ihre Mitte nahmen . In diesem selbst saßen außer Katte der Major von Schack , der Feldprediger Müller vom Regiment Gensdarmes und ein Unteroffizier . Als sie bis an den Wasserlauf der » Landwehr « gekommen , begann der Feldprediger ein Singen und Beten , und besonders war es das Lied : » Weg , mein Herz , mit den Gedanken « , was eines Eindrucks auf Katte nicht verfehlte . Zu guter Stunde kamen sie ins Quartier ( nur Dörfer wurden gewählt ) , und hier sprach Katte den Wunsch aus , einen Abschiedsbrief an seinen » Herrn Vater schreiben zu dürfen , den er so sehr betrübet habe « . Dies wurde ihm bewilligt , und man ließ ihn allein , um sich zu sammeln . Aber es wollte ihm nicht gelingen , und als Major von Schack nach einiger Zeit wieder bei ihm eintrat , fand er ihn noch auf- und abgehend . Und dabei klagte er , daß es so diffizil wäre , und daß er vor Betrübnis keinen Anfang finden könne « . Von Schack sprach ihm zu , und er setzte sich nun hin und schrieb . Dieser Brief aber war folgenden Inhalts : » In Thränen , mein Vater , möcht ' ich zerrinnen , wenn ich daran gedenke , daß dieses Blatt Ihnen die größte Betrübniß , so ein treues Vaterherze empfinden kann , verursachen soll ; daß die gehabte Hoffnung meiner zeitlichen Wohlfahrt und ihres Trostes im Alter mit einmal verschwinden muß , daß Ihre angewendete Mühe und Fleiß in meiner Erziehung zu der Reife des gewünschten Glücks sogar umsonst gewesen , ja daß ich schon in der Blüthe meiner Jahre mich neigen muß , ohne vorher Ihnen in der Welt die Früchte ihrer Bemühungen und meiner erlangten Wissenschaften zeigen zu können . Wie dachte ich nicht , mich in der Welt empor zu schwingen , und Ihrer gefaßten Hoffnung ein Genüge zu leisten ; wie glaubte ich nicht , daß es mir an meinem zeitlichen Glück und Wohlfahrt nicht fehlen könnte ; wie war ich nicht eingenommen von der Gewißheit meines großen Ansehens ! Aber alles umsonst ! wie nichtig sind nicht der Menschen Gedanken : mit einmal fällt alles über einen Hauffen , und wie traurig endiget sich nicht die Scene meines Lebens , und wie gar unterschieden ist mein jetziger Stand von dem , womit meine Gedanken schwanger gegangen ; ich muß , anstatt den Weg zu Ehren und Ansehen , den Weg der Schmach und eines schändlichen Todes wandeln . Aber wie unbegreiflich , o Herr , sind Deine Wege , und unerforschlich Deine Gerichte . Wohl recht heisset es : Gottes Wege sind nicht der Menschen Wege , und der Menschen Wege sind nicht Gottes Wege . Würd ' ich nicht etwan in der Sicherheit fortgegangen , bey allem Glück und Wohlleben Gott vergessen und ihn hintenan gesetzt haben ? Würd ' ich nicht bey den guten Tagen den Weg des Fleisches , der Sünden und der Wollust dem Wege zu Gott vorgezogen haben ? Ja gewiß hätte mich solches vielmehr von Gott abals zu ihm geführt . Die verdammte