mal her ! Kennst du den Herrn nicht ? rief die Alte . Linchen blieb unbeweglich . Er war wol bei Euerm Fritz ? Was ? Komm doch , Kindchen ! Linchen sagte immer noch nichts . Er will wol auch zu Eurem Fritz ? Was ? Ist denn die Küchenthür bei Euch auf jetzt , die in Fritzens Kammer führt ? ... Linchen war diskret und schwieg , blieb aber doch stehen . Na , der Herr will wol zu Fritzen . Komm doch ein Bischen näher , Kind ! Zeig doch ' mal deinen Korb ! Was hast du denn heute schon verdient ? Nun wollte Linchen rasch davonlaufen . Es war dem kleinen achtjährigen Kinde schon zu oft geschehen , daß die Mullrich ihr den Verdienst an der Thür abgenommen hatte und sich selbst für kleine Schulden aus Nr. 87 bezahlt machte . Die Kleine fürchtete , daß ihr heute dies Schicksal wieder begegnen würde und lief davon . Bleibst du Range ! kreischte aber die Alte jetzt aus dem Fenster , mit voller Kraft ihrer hektischen Lungen . Ihr lag daran , Bartusch etwas über Fritz Hackert berichten zu können . Bleibst du ! Willst du her ? Soll ich - Dies Soll ich ? - begleitete ein rascher Griff nach ihren eigenen Pantoffeln , von denen der des linken Fußes schon drohend zum Schaufenster hinauslangte . Linchen war wie vor Todesschreck im Hofe still gestanden und wandte sich halb neugierig , halb ängstlich um , als sie die Worte aus der Alten Munde ihr nachgekreischt hörte : Willst du her ! Hier sind ja zwei Groschen für den alten Mann . Da ! zwei Groschen ! Nimm ! Zwei Groschen für den alten Mann ? Das waren freilich verlockende Worte für das Kind . Linchen kam etwas näher . Komm , Linchen ! Komm ! Bist ja so hübsch gekämmt ! Macht dir Louischen die Locken ? Komm , Hinkelchen . Der alte Mann hat zwei Groschen zu Gute für die Uhr , die er mir gestern ausgeblasen hat . Da ! Linchen kam nun näher und hielt die Hand hin . Während die Alte unter ihre Schürze griff , an der sie eine Geldtasche befestigt hatte und mit dem Gelde klapperte , sprach sie auf dem Tritt , der zu dem Fensterchen führte und zu der Hausflur hinaus : Großväterchen hat mir die Uhr ausgeblasen - zwei Groschen - warte nur , ich suche sie eben - Sag ' einmal , kennst du den Herrn draußen ? Das Kind sah auf die Straße und schüttelte den Kopf . Zwei Groschen , fuhr die Alte immer suchend fort ; er hat die Uhr schlagen lassen , sie blieb immer stehen - sag ' s mir , es ist Louischens neuer Liebhaber ? Was ? Der ist schön ! Nicht wahr , der rothe Fritze gibt ihm wol den Hausschlüssel von Schmelzing ... Was ? Das Kind langte nach den zwei Groschen und antwortete nichts . Ja , ja , die Uhr - sie ist ein Familienstück ; aber im Keller ist ' s zu feucht , sagte der Alte mit dem Zopf ... Wo war denn Fritze dieser Tage ? Vier Tage nicht zu Hause gewesen ... Klettert er denn noch manchmal bei Nacht ? Was ? Linchen Eisold blieb diskret ... Ich schenke dir zwei Pfennige , Linchen , wenn du mir sagst , wer der Herr ist ... O Armuth ! Was ist dein Loos ! Zwei Pfennige ! Wer widerstünde da und thäte , was nicht gerade Unrecht scheint ! Ich kenn ' ihn ja nicht , Frau Mullrichen ! sagte das Kind nun beredtsam mit einem durch zwei Pfennige geöffneten Munde . Aber als ich heute das Essen für Karl ' n holte , sagte mir Riekchen , es wäre bei Fritzen ein schöner Herr zwei Stunden gewesen und er hätte auch unsere Louise gesehen und am Abend wollt ' er wieder kommen , um uns Alle zu besuchen und noch einen andern schönen , jungen Herrn mitbringen . Wie ich ' s Karl ' n sagte , war der recht neugierig und meinte , er hält Nichts von den Herren , die der Fritz Hackert kennt . Sieh ' mal an ! Sagt ' er Das ? He ? Höre Linchen ! Wenn der Herr zu Euch kommt und ... Der andere auch ; erzählst mir doch morgen , was sie gesprochen haben . Willst du ? Da schwieg nun Linchen wieder . Ich wollte dir ja zwei Groschen für den Großvater geben ! ... Und zwei Pfennige ! sagte das Kind , das seinen Vortheil festhielt . Und zwei Pfennige - Willst du mir morgen Alles sagen , was die Herren oben angegeben haben ? Linchen schwieg . Noch einen Pfennig geb ' ich dir , Linchen ! Was ? Willst du ? Linchen lachte nun ... aber sie schüttelte doch den Kopf , daß die Alte ungebehrdig wurde und schrie : Wetter ! Range ! Mach , daß du fortkommst ! Was hältst du mich hier auf ? Mit diesen zornigen Worten schlug die Alte das Fenster zu , hörte mit dem Geldklappern auf und stieg den Tritt hinab an ihren Schusterplatz . Linchen , die sich gefreut hatte , außer ihrem heutigen Verdienst , ihrem Großvater noch zwei Groschen zu bringen , blieb traurig stehen . Was willst du ? schrie die Alte , die jetzt für Bartusch ' s späten Abendbesuch schon Klatschgift genug hatte und sah wieder hinaus . Linchen zögerte noch immer ... Willst du nun gehen ! rief Frau Mullrich und sprang zum Schustersitze , um einen in der Arbeit begriffenen Pantoffel zu holen ... Was ist denn ? Was soll ' s denn ? sagte in diesem kritischen Augenblicke eine energische Stimme auf der Hausflur . Sind wir Ihnen etwas schuldig ? Nein bewahre , Musje Eisold ! antwortete die Alte demüthig und schlug rasch das schon geöffnete Fenster zu . Bitte