sein eigenes . Glücklich wär ' es für ihn gewesen , wenn die Athener ein Gesetz hätten , vermöge dessen ihren Bürgern bei schwerer Strafe verboten wäre , in eben demselben Werke den strengen Dialektiker , den Dichter , und den Schönredner zugleich , zu machen . Vermuthlich würde Plato jedes von diesen dreien in einem hohen Grade gewesen seyn , wenn er sich auf Eines allein hätte beschränken wollen : aber da er diesen dreifachen Charakter in sich vereinigen will , und dadurch alle Redner , Dichter und Dialektiker vor und neben ihm auszulöschen glaubt , kann er neben keinem bestehen , der in einem dieser Fächer ein vorzüglicher Meister ist ; denn er ist immer nur halb was er seyn möchte . Wo er scharf räsonniren sollte , macht er den Dichter ; will er dichten , so pfuscht ihm der grübelnde Sophist in die Arbeit . Hat er uns einen strengen Beweis oder eine genau bestimmte Erklärung erwarten lassen , so werden wir mit einer Analogie oder mit einem Mährchen abgefertigt ; und was oft mit wenigem am besten gesagt wäre , webt er mit der unbarmherzigsten Redseligkeit in klafterlange , aus einer einzigen Metapher gesponnene Allegorien aus . Statt der Antwort auf eine Frage , zu welcher er uns selbst genöthigt hat , gibt er uns ein Räthsel aufzurathen ; und wo das zweckmäßigste wäre , geradezu auf die Sache loszugehen , führt er uns , für die lange Weile , in mühsamen Schlangenlinien , Berg auf Berg ab , durch Dick und Dünn , oft so weit vom Ziele , daß er selbst nicht mehr weiß wo er ist , und uns eine gute Strecke lang wieder zurückführen muß , um die Straße , die er ohne Noth verlassen hat , wieder zu finden . Das letztere begegnet ihm so oft , daß dieser Dialog , dessen ungeheure Länge die Geduld des mäßigsten und leselustigsten Lesers endlich mürbe macht , wenigstens um den vierten Theil kürzer wäre , wenn er das bereits Gesagte nicht so oft wiederholen müßte , um wieder in den Zusammenhang zu kommen . Dieß ist auch zu Anfang des neunten Buchs der Fall , worin er das Ideal des vollständigsten Bösewichts , dem er ( gegen den Sprachgebrauch ) den Namen Tyrann beilegt , mit seiner gewöhnlichen rhetorischen Ausführlichkeit vor unsern Augen entstehen läßt ; erst als bloßen Privatmann , wie er sich in der Demokratie durch den Zusammenfluß aller möglichen befördernden Umstände zum künftigen Tyrannen bildet ; sodann als wirklichen Beherrscher des Staats , von welchem er sich durch die schändlichsten Mittel zum unbeschränkten Gebieter und Eigenthumsherrn gemacht hat . Da es in diesem Buch bloß darum zu thun ist , die Lehre des Thrasymachus , welche zu dieser ganzen Unterhaltung Anlaß gegeben , bis zum Widerspruch mit sich selbst zu treiben und also in ihrer ganzen Ungereimtheit darzustellen , und dieses nicht auffallender als durch den Contrast zwischen dem Ideal eines Tyrannen mit dem Ideal eines philosophischen Königs , und zwischen dem Glück eines von diesem mit idealischer Weisheit regierten - und dem Elend eines von jenem ohne Maß und Ziel mißhandelten Staats , geschehen konnte : so wollen wir unsern philosophirenden Dichter nicht darüber anfechten , daß sogar unter den berüchtigten Dreißigen , welche in Platons früher Jugend etliche Monate lang zu Athen tyrannisirten , kein solches Ungeheuer war , wie sein idealischer Tyrann ist ; und daß er also von den sogenannten Tyrannen überhaupt und von dem jammervollen Zustand der von ihnen unterjochten Staaten manches behauptet , was sich in der wirklichen Welt ganz anders befindet . Wir würden damit nichts gegen ihn beweisen ; denn es ist ihm hier nicht um Thatsachen , sondern um einen vollständigen Charakter der Gattung zu thun , und es muß ihm eben so gut erlaubt seyn , zum Behuf seines Zwecks , alle Laster und Abscheulichkeiten , die seit dem Thracischen Diomedes 31 und dem Aegyptischen Busiris bis auf den heutigen Tag , von kleinen und großen Tyrannen begangen worden , in ein einziges phantastisches Subject zusammenzudrängen , als einem komischen Dichter erlaubt ist , die lächerlichsten Charakterzüge von hundert Geitzhälsen in einen einzigen zu verschmelzen . Freilich hätte es dieser mühsamen Auseinandersetzungen , und dieser langen Kette von Fragen und Antworten , Bildern , Gleichnissen und Inductionen nicht nöthig gehabt , um am Ende nichts mehr als eine so einleuchtende Wahrheit als diese , » vollkommene Ungerechtigkeit würde die Menschen äußerst elend , vollkommene Gerechtigkeit hingegen höchst glücklich machen , « zur Ausbeute davon zu tragen . Aber wir wollen auch so billig seyn , unsern Mann nach seinem Zwecke zu beurtheilen , der im Grunde doch wohl kein anderer war , als diesen Gegenstand als Dichter und Schönredner zu behandeln , und die Leser dadurch gewissermaßen zu dem neuen hitzigen Ausfall vorzubereiten , den er im zehnten Buch auf den guten alten Homer und überhaupt auf die nachahmenden und darstellenden Künste thut . Auch hier holt er , wie gewöhnlich , weit aus , um den ehrlichen Glaukon durch eine Reihe von Analogismen und Paralogismen und eine einseitige schiefe Ansicht der Künste , die er aus einer wohlbestellten Republik verbannt wissen will , zu seiner Meinung zu verführen , ohne ihn wirklich überzeugt zu haben ; was ihm bei einem jungen Menschen nicht schwer werden kann , der die Bescheidenheit so weit treibt , unverhohlen zu bekennen , » er werde sich in Sokrates Gegenwart nie unterstehen seine eigene Meinung von etwas zu sagen . « - Lächerlich ( dünkt mich ) würde sich einer machen , der den kraftlosen Beweis ernsthaft bestreiten wollte , welchen Plato aus seiner Theorie von den Ideen gegen die besagten Künste führt . Ich für meinen Theil finde seine Distinction der dreierlei Bettstellen , der wahren wesentlichen d.i. der idealischen , deren Naturschöpfer ( Phyturg ) Gott ist - der einzelnen , die der Drechsler macht , und welche , da sie nicht die Urbettstelle selbst ist , eigentlich nur eine Art