Jenem bekannt zu machen . Sie scheiterten , theils an der fast düsteren Schweigsamkeit des jungen Mannes , theils an dem Benehmen der Herren , denen er vorgestellt wurde , und die , fast durchweg den höheren Börsen- oder Finanzkreisen angehörig , es nicht der Mühe werth hielten , mit dem Vertreter eines kleinen Geschäftshauses viel Umstände zu machen . Augenblicklich stand er ganz isolirt am unteren Ende des Saales und blickte scheinbar gleichgültig auf das glänzende Gewühl , aber die Augen kehrten immer wieder zu dem einen Punkte zurück , der heute Abend der Magnet für die gesammte Herrenwelt zu sein schien . „ Nun , Herr Almbach , Sie machen ja gar keinen Versuch , sich dem eigentlichen Sonnenkreise des Salons zu nähern , “ sagte Doctor Welding , an ihn herantretend . „ Soll ich Sie dort einführen ? “ Eine leichte Röthe der Verlegenheit darüber , daß man seinen geheimen Wunsch errieth , färbte das Antlitz des jungen Mannes . „ Signora Biancona wird von allen Seiten so in Anspruch genommen , daß ich es nicht wagte , sie auch noch zu belästigen . “ Welding lachte . „ Ja , die Herren scheinen sich sämmtlich Ihrer kritischen Methode anzuschließen und gleichfalls ‚ den Genius unbedingt zu bewundern ‘ . Nun , die Kunst hat ja das Vorrecht , Jedem Begeisterung einzuflößen . Kommen Sie ! Ich werde Sie der Signora vorstellen . “ Sie schritten nach der anderen Seite des Saales , wo sich die junge Italienerin befand , aber es kostete ihnen wirklich einige Mühe , den Kreis der Bewunderer zu durchbrechen , der den gefeierten Gast umgab , und sich diesem zu nähern . Der Doctor übernahm die Vorstellung ; er nannte seinen Begleiter , der heute zum ersten Male das Glück gehabt habe , Signora auf der Bühne bewundern zu dürfen , und überließ es ihm dann , sich allein im „ Sonnenkreise “ zurecht zu finden . Die Bezeichnung war nicht so übel gewählt ; es lag wirklich etwas von der sengenden Gluth dieses Gestirns auf seiner Mittagshöhe in dem Blicke , der sich jetzt auf Almbach richtete . „ Also auch Sie waren heute Abend im Theater ? “ fragte die Sängerin leicht . „ Ja , Signora . “ Die Antwort klang kurz und düster . Kein Wort weiter , keins von jenen Complimenten , deren die Künstlerin heute bereits so viele gehört hatte – aber der Blick des jungen Mannes mußte die einsilbige Antwort wohl wieder gut machen . Zwar begegnete er nur einen Moment lang dem der Signora Biancona , aber das Aufleuchten darin war gesehen und verstanden worden ; es sagte unendlich mehr als alle die Schmeicheleien . Die übrigen Herren mochten keinen hohen Begriff von den gesellschaftlichen Talenten des neuen Ankömmlings erhalten , der es nicht einmal verstand , einer schönen Frau irgend eine Artigkeit zu sagen . Sie ignorirten ihn vollständig . Die Unterhaltung , an der sich jetzt auch der Consul betheiligte , wurde allgemeiner ; man sprach von der Musik , von einem bekannten Componisten und einem gerade epochemachenden Werke desselben , über dessen Auffassung Signora Biancona und Doctor Welding in Meinungsdifferenz geriethen . Erstere begeisterte sich dafür , während der Letztere ihm gar keinen höhern Werth beimaß . Die Signora vertheidigte ihre Ansicht mit südlicher Lebhaftigkeit und wurde dabei von sämmtlichen Herren unterstützt , die von vornherein ihre Partei nahmen ; der Doctor beharrte kühl auf der seinigen . Der Streit wurde hartnäckiger , bis sich endlich die Sängerin unmuthig und etwas gereizt von ihrem Widersacher abwandte . „ Ich bedaure sehr , daß unser Capellmeister verhindert war , die heutige Einladung anzunehmen . Er spielt gerade diese Composition meisterhaft , und ich fürchte , es bedarf eines Vortrages , um die Gesellschaft zum Richter darüber zu machen , wer von uns Beiden Recht hat . “ Die Gesellschaft war auch dieser Meinung und vermißte den Herrn Capellmeister sehr schmerzlich ; zum Ersatz erbot sich Niemand . Die sehr zur Schau getragene Begeisterung für die Musik schien bei Keinem mit der Ausübung derselben gleichen Schritt zu halten , bis auf einmal Almbach vortrat und ruhig sagte : „ Ich stelle mich Ihnen zur Verfügung , Signora . “ Diese wendete sich rasch und mit sichtlicher Genugthuung zu ihm . „ Sie sind musikalisch , Signor ? “ „ Wenn Sie und die Gesellschaft mit dem Versuche eines Dilettanten vorlieb nehmen wollen – “ er machte eine fragende Bewegung nach dem Herrn des Hauses hin , und als dieser eifrig beistimmte , trat er an den Flügel . Die in Rede stehende Composition , ein modernes Paradestück im vollsten Sinne des Wortes , verdankte ihre allgemeine Beliebtheit wohl weniger ihrem innern Gehalte – sie besaß in der That nicht allzu viel davon – als der enormen Schwierigkeit der Ausführung . Schon die bloße Möglichkeit , sie zu spielen , erforderte eine Meisterschaft in der Beherrschung des Flügels . Man war gewohnt , diesen Vortrag nur von Virtuosen ersten Ranges zu hören , und blickte daher halb überrascht , halb spöttisch auf den jungen Mann , der sich ohne Weiteres dazu erbot . Er hatte sich freilich mit seinem Dilettantismus entschuldigt , aber es war doch immerhin eine Keckheit , diesen im Salon des Consuls Erlau zu probiren , wo man schon das Spiel so mancher Berühmtheit gehört und bewundert hatte . Um so erstaunter war daher die Gesellschaft , als Almbach sich all diesen Schwierigkeiten vollkommen gewachsen zeigte , als er , ohne auch nur eine Note vor sich zu haben , sie gleichsam spielend überwand , mit einer Leichtigkeit und Sicherheit , die einem Künstler von Fach Ehre gemacht hätte . Zugleich aber wußte er in seinen Vortrag ein Feuer zu legen , das selbst die älteren und anspruchsvolleren Zuhörer mit fortriß . Das Musikstück schien unter seinen Händen eine ganz andere Gestalt anzunehmen ; er lieh ihm eine Bedeutung , die bisher noch Niemand , vielleicht der Componist selbst am