thun habe . “ „ Die Zeit würde sich schon finden , “ warf Brunnow ein . „ Was Dir fehlt , ist die Lust . “ „ Meinetwegen auch die List ! Mein Studium ist die Praxis , und ich denke damit ebenso weit zu kommen . “ „ So weit Dein Ehrgeiz reicht , allerdings , “ in dem Tone des Vaters verrieth sich eine unverkennbare Geringschätzung . „ Du wirst Dir jedenfalls eine ausgebreitete Praxis gründen und Deinen Beruf als ein einträgliches Handwerk betrachten . Ich zweifle durchaus nicht daran . “ Max kämpfte augenscheinlich mit einer aufsteigenden Gereiztheit ; dennoch entgegnete er mit ziemlicher Ruhe : „ Ich werde mir allerdings so bald wie möglich eine eigene Praxis gründen . Du hättest das schon vor zwanzig Jahren gekonnt , zogst es aber vor , medicinische Werke zu schreiben , die Dir neben dem geringen Honorare höchstens die Anerkennung einzelner Fachgenossen eintragen . Der Geschmack ist verschieden . “ „ So verschieden wie unsere Auffassung des Lebens überhaupt . Du weißt freilich nicht , was es heißt , für die Wissenschaft zu leben und sich ihr zu opfern . “ „ Ich opfere mich für Niemand , “ sagte Max trotzig . „ Ich fülle meinen Platz im Leben gewissenhaft aus und denke damit genug zu thun . Du liebst die nutzlosen Aufopferungen , Papa – ich nicht . “ „ Lassen Sie doch den unverbesserlichen Realisten , Herr Doctor ! “ mischte sich Georg ein , den der gereizte Ton der Beiden eine Scene fürchten ließ , wie sie zwischen Vater und Sohn nicht eben selten war . „ Ich habe es längst aufgegeben , ihn zu bekehren . Jetzt aber wollen wir Beide Sie nicht länger stören . Max versprach mir schon heute Morgen , mich nach seiner Rückkehr auf einem Spaziergange nach dem Wäldchen zu begleiten . “ „ Jetzt um die Mittagsstunde ? “ fragte der Doctor befremdend . „ Weshalb nicht später ? “ In dem Gesichte des jungen Winterfeld zeigte sich eine leichte Verlegenheit , die er jedoch rasch bemeisterte . „ Ich habe später noch mit den Vorbereitungen zur Abreise zu thun und möchte gern noch einmal den Blick auf den See und die Berge genießen . Das Scheiden wird mir schwer genug . “ „ Das glaube ich , “ sagte Max mit einer eigenthümlichen , fast boshaften Betonung , brach aber ab , als er dem halb unwilligen , halb bittenden Blicken seines Freundes begegnete . Brunnow schien der Sache keine Wichtigkeit weiter beizulegen ; er winkte einen flüchtigen Abschiedsgruß und trat wieder an seinen Arbeitstisch , während die beiden jungen Männer durch den Garten schritten und , nachdem Max die Gitterthür desselben geöffnet hatte , einen Fußweg einschlugen , der dicht am See endlang führte . Eine Zeitlang schritten sie schweigend vorwärts . [ 145 ] Georg schien sehr ernst und nachdenklich , und der junge Arzt war offenbar übler Laune , an der das eben geführte Gespräch mit dem Vater und die nahe Abreise des Freundes gleichen Antheil haben mochten . „ Das wäre nun also der letzte Tag Deines Hierseins , “ begann er endlich , „ und was habe ich eigentlich davon , wie überhaupt von Deinem Besuche hier ? Den halben Tag lang declamirst Du mit meinem Papa gegen die Zustände in unserm geliebten Vaterlande im Allgemeinen und gegen die Raven ’ sche Dictatorwirthschaft im Besonderen , und wenn ich Dich endlich glücklich von der Politik entfernt habe , mißbrauchst Du meine Freundschaft in der unverantwortlichsten Weise , indem Du mich bei vierundzwanzig Grad Réaumur in der Mittagsstunde Schildwach ’ stehen läßt . Ein höchst angenehmer Posten ! “ „ Welch ein Ausdruck ! “ sagte Georg unwillig . „ Ich habe Dich nur gebeten – “ „ Dafür zu sorgen , daß Du bei Deinem , natürlich ganz zufälligen Zusammentreffen mit Fräulein von Harder ungestört bleibst . Man nennt das auf Deutsch ‚ Schildwache stehen ‘ . Wie viele solcher Zufälligkeiten habt Ihr eigentlich schon mit oder ohne meine Statistenmitwirkung in Scene gesetzt ? Nehmt Euch in Acht , daß die Frau Mama nicht hinter diese gemeinsamen Spaziergänge kommt ! “ „ Du weißt ja , daß mein Urlaub zu Ende ist und daß ich morgen fort muß , “ war die etwas kurze Antwort . Max seufzte leise vor sich hin . „ Und deshalb wird es vermuthlich heut ’ sehr lange dauern . Nimm es mir nicht übel , Georg – für Euch mag es sehr interessant sein , wenn Ihr Euch bei Sonne , Mond und Sternen ewige Treue schwört , aber für den Unbetheiligten ist das äußerst langweilig , noch dazu bei einer Temperatur wie die heutige . Es ist das heißeste Freundschaftsstück , das ich je einem Menschen geleistet habe . “ Sie hatten inzwischen das nahgelegene „ Wäldchen “ erreicht , eine Gruppe von Kastanienbäumen , die einen Wiesengrund am Ufer des Sees beschattete . Es war ein vielbesuchter und beliebter Spaziergang der Stadtbewohner , denn man genoß von hier aus eine prachtvolle Rundsicht , bei der sich der See und das Gebirge in ihrer ganzen Schönheit zeigten . Jetzt , um die Mittagsstunde , war der Ort freilich ganz einsam und verlassen . Georg , der vorausgeeilt war , blieb stehen und spähte erwartungsvoll , aber vergebens , umher . Max schlenderte langsam nach , und da er gleichfalls Niemand gewahrte , ließ er sich unter einem der mächtigen Kastanienbäume nieder , wo eine Rasenbank gerade an dem schönsten Aussichtspunkte einen natürlichen Ruhesitz bildete . Er lehnte sich in bequemster Stellung zurück und beobachtete mit einem Gemisch von Spott und Mitleiden seinen Freund , dessen fieberhafte Unruhe sich deutlich verrieth . „ Sag ’ einmal , Georg , was soll denn nun eigentlich aus Deinem Liebesroman werden ? “ begann er nach längerem Schweigen von Neuem . Der Gefragte runzelte die Stirn . „ Ich habe Dich schon öfter gebeten , nicht in solchem Tone