eine gewöhnliche , vielleicht in der Hitze oder Uebereilung gefallene Beleidigung und die Nothwendigkeit einer Genugthuung dafür . Man sah es an dem furchtbaren Ernst auf all den Gesichtern ringsum , an dem entsetzlich kleinen Raum , auf dem die Kugeln gewechselt werden sollten , vor Allem an der Haltung der beiden Gegner , daß es sich hier um Leben und Tod handelte . Sie standen abgewendet von einander , noch hatte Keiner dem Anderen einen Blick gegönnt , selbst die alte Sitte des Grußes vor dem Zweikampfe war unterblieben , die Verneigung hatte nur den beiderseitigen Begleitern gegolten . Der Rittmeister stand mit verschränkten Armen und folgte schweigend den Vorbereitungen , aber selbst diese ruhige Haltung vermochte nicht die Erregung zu verbergen , in der er sich sichtlich befand . Die Stirn war dunkelroth , die Lippen zuckten bisweilen leise , und doch bedurfte es nur eines Blickes in das Gesicht des Mannes , um zu wissen , daß die bevorstehende Gefahr keinen Antheil an dieser Erregung hatte . Der Muth , den schon sein Stand ihm zur Pflicht machte , sprach zu deutlich aus diesen kühnblitzenden Augen , aus diesem schönen lebensvollen Antlitz , das nur durch Eins entstellt ward , durch eine tiefe Falte zwischen den Augenbrauen , die erst dort stand , seit der Gegner den Kampfplatz betreten , und sich mit jeder Minute tiefer in die Stirn grub , der sie ein eigenthümlich hartes und feindseliges Gepräge lieh . Sein Gegner in bürgerlichem Anzug war bedeutend jünger als er , eine hohe schlanke Gestalt , ein blasses ernstes Gesicht , mit tiefschwarzem Haar und tiefen dunklen Augen . Die Züge redeten von angestrengter geistiger Arbeit , von Nachtwachen und dumpfer Stubenluft , vielleicht auch von Sorgen und Entbehrungen , sonst mochten sie wohl leidenschaftlich aufflammen können , jetzt lag eine starre finstere Ruhe darauf , die eisig Alles gefangen hielt , was sich vielleicht früher darunter geregt und gezuckt hatte . Er schenkte den Vorbereitungen wenig oder gar keine Aufmerksamkeit ; an den Stamm der großen Eiche gelehnt , die inmitten des Platzes stand , blickte er unbeweglich hinaus in den verschleierten Wald . Schon kämpfte die Sonne mit dem Nebel , aber noch vermochte sie nicht , ihn zu durchdringen , es lagerte noch ringsum schwer und grau wie Todesschatten . Der Morgenwind strich mit leisem Wehen über das braune Haidekraut und flüsterte in dem Wipfel der Eiche , von der die welken Blätter niedersanken ; eins davon streifte feucht und kalt die Stirn des unten Stehenden . Er blickte schweigend nieder auf das fallende Laub und dann wieder hinein in den Nebel , der vor ihm wogte . Die Vorbereitungen waren geendigt , die Gegner empfingen die Waffen und nahmen ihre Plätze ein . Zum ersten Male begegneten sich jetzt ihre Augen und vorbei war es mit der finsteren Ruhe des Jüngeren , vorbei mit all der mühsam erkämpften und bis hierher behaupteten Selbstbeherrschung . Was jetzt in seinem Antlitz aufflammte , das war eine so furchtbare Drohung , ein so wilder tödtlicher Haß , daß man wohl sah , hier galt es Tödten oder Fallen , es gab kein Drittes , aber die furchtbare Erregung drohte verhängnißvoll für ihn zu werden , die Waffe bebte in seiner Hand . Ihm gegenüber stand der Officier . Nicht die Kugel , das Auge des Gegners war es , was er gefürchtet , und unter diesem Auge stieg langsam eine flammende Röthe in seinem Gesicht auf , wo eine tödtliche Scham mit verhaltenem Ingrimm kämpfte , aber zugleich trat jener grausame Zug auf der Stirn schärfer und deutlicher hervor und die Waffe hatte fest und sicher die tödtliche Richtung , als das Zeichen gegeben ward . Der jüngere schoß zuerst , die Kugel flog dicht an dem Haupte des Officiers vorüber und riß ihm die Epaulette von der linken Schulter , er selbst stand unverletzt , in der nächsten Secunde krachte auch sein Schuß – ein halb erstickter Schrei , ein Niederstürzen , ein hervorquellender Blutstrom – das Duell war zu Ende . Der Arzt und der Secundant waren zu dem Gefallenen geeilt und Ersterer untersuchte die Wunde , auch die Officiere waren näher getreten und warteten schweigend das Resultat der Untersuchung ab ; nach einigen Minuten blickte der Arzt auf und zuckte ohne zu sprechen die Achseln . „ Tödtlich ? “ fragte der Rittmeister halblaut . „ Ja ! “ Da schlug der Verwundete noch einmal das Auge auf und heftete es auf den Fragenden . Es war nur ein einziger Blick , der brechende Blick eines Sterbenden , aber es mußte etwas Furchtbares darin stehen , der Officier zuckte zusammen , er war todtenbleich geworden und wendete sich hastig ab . „ Meine Herren , ich lasse den Verwundeten in Ihrer Obhut ! Wenn meine Cameraden Ihnen in irgend einer Weise Beistand leisten können – “ Der Arzt machte eine abwehrende Bewegung . „ Was hier noch zu thun ist , dazu reichen wir Beide allein aus . Gehen Sie , meine Herren , und überlassen Sie das Weitere uns . “ „ Dürfen wir Ihnen vielleicht unseren Wagen – ? “ fragte Saalfeld . „ Ich danke , wir haben den unsrigen gleichfalls in der Nähe . Sorgen Sie nicht , das hier noch Mögliche wird geschehen ! “ Die Officiere grüßten schweigend und entfernten sich , die Sporen klirrten , die Gebüsche rauschten , dann vernahm man den Hufschlag der Pferde , der sich weiter und weiter entfernte , endlich ward es still . Und still war es jetzt auch auf der Wiese , der Sterbende lag bewußtlos mit geschlossenen Augen , sein Secundant kniete neben ihm , mit den Armen seinen Kopf stützend , der Arzt stand an der anderen Seite und zählte die Pulsschläge , die nur seine geübte Hand noch zu finden vermochte , auf einmal fühlte er leise seinen Arm berührt , der junge Günther stand neben ihm . „ Unser Haus ist nicht weit ,