und sagte : » Streichen , Großmutter ; oder wir werden alle Freiherrn , ganz Deutschland mit Mann und Maus . Sonst seh ich keinen Rat . « Die Großmutter erwiderte nichts darauf ; sie sagte nur : » Auf meiner Hochzeit wurde nichts von Staatsgeschichten geredet ; die Unterhaltung ging ihren ebenen Tritt , und wir waren ebenso vergnügt dabei als ihr in euren neumodischen Gesellschaften . Bei Tische wurden spaßhafte Rätsel aufgegeben und Leberreime gemacht , beim Dessert wurde gesungen : › Gesundheit , Herr Nachbar , das Gläschen ist leer ! ‹ und alle die andern hübschen Lieder , die nun vergessen sind ; dein Großvater mit seiner hellen Tenorstimme war immer herauszuhören . – Die Menschen waren damals noch höflicher gegeneinander ; das Disputieren und Schreien galt in einer feinen Gesellschaft für sehr unziemlich . – Nun , das ist alles anders geworden ; – aber dein Großvater war ein sanfter friedlicher Mann . Er ist schon lange nicht mehr auf dieser Welt ; er ist mir weit vorausgegangen ; es wird wohl Zeit , daß ich nachkomme . « Die Großmutter schwieg einen Augenblick , und es sprach niemand . Nur ihre Hände fühlte sie ergriffen ; sie wollten sie alle noch behalten . Ein friedliches Lächeln glitt über das alte liebe Gesicht ; dann sah sie auf ihren Enkel und sagte : » Hier im Saal stand auch seine Leiche ; du warst damals erst sechs Jahre alt und standest am Sarg zu weinen . Dein Vater war ein strenger rücksichtsloser Mann . › Heule nicht Junge ‹ , sagte er und hob dich auf den Arm . › Sieh her , so sieht ein braver Mann aus , wenn er gestorben ist . ‹ Dann wischte er sich heimlich selbst eine Träne vom Gesicht . Er hatte immer eine große Verehrung für deinen Großvater gehabt . Jetzt sind sie alle hinüber ; – und heute hab ich hier im Saal meine Urenkelin aus der Taufe gehoben , und ihr habt ihr den Namen eurer alten Großmutter gegeben . Möge der liebe Gott sie ebenso glücklich und zufrieden zu meinen Tagen kommen lassen ! « Die junge Mutter fiel vor der Großmutter auf die Knie und küßte ihre feinen Hände . Der Enkel sagte : » Großmutter , wir wollen den alten Saal ganz umreißen und wieder einen Ziergarten pflanzen ; die kleine Barbara ist auch wieder da . Die Frauen sagen ja , sie ist dein Ebenbild ; sie soll wieder in der Schaukel sitzen , und die Sonne soll wieder auf goldene Kinderlocken scheinen ; vielleicht kommt dann auch eines Sommernachmittags der Großvater wieder die kleine chinesische Treppe herab , vielleicht – – « Die Großmutter lächelte : » Du bist ein Phantast « , sagte sie ; » dein Großvater war es auch . «