eben ableiert , Frau , kann ich in seiner Richtigkeit für mehr als einen Axthieb in persona bezeugen . Wo kommt Ihr denn her , Frau ? « » Von Gronau im Fürstentum Hildesheim . Da ist meiner Schwester Sohn gestorben . Er war der letzte Mann in meinem Hause . Ich hab ' ihn sterben sehen und mir die Erbschaft geholt nach Höxter . « » Hm ! « murmelte der Bruder Henricus und sah auf das Bündel , auf dem die Alte zusammengekauert hockte und von dem aus sie scheu und furchtsam zu ihm seitwärts aufblickte . II » Um einen Mönch und ein altes Weib tu ' ich keinen Zug am Seil « , brummte Hans Vogedes , der Fährmann , und rekelte sich auf seiner Bank von der linken auf die rechte Seite ; und die Bürgerwacht unter dem Torbogen lachte in choro und stimmte ihm ganz und gar bei . Es war eine wunderliche Wachtmannschaft , in deren Zusammensetzung sich die ganze Verwirrung des Gemeinwesens aussprach . Zwei Münsterisch-Corvey ' sche Infanteristen schulterten da ihre Musketen ; ein Schuster , ein Zimmermann und zwei Schneider aus dem überwiegenden lutherischen Teile der Stadtbevölkerung vom Rat aufgeboten , hatten sich sonderlich gewappnet mit Helm und Harnisch aus der Liguisten- und Schwedenzeit und lehnten martialisch an ihren Spießen und Stangen . Den Oberkommandanten des Ganzen aber , Korporal Bertold Polhenne , hatte die katholische Bürgerschaft aus ihrer Mitte unter Beistand des Stiftes und der Minoritenbrüder in der Stadt gestellt : die Ordnung , die er hielt , und die Autorität , deren er sich anmaßen durfte , waren denn auch danach . Niedergetreten vom schweren Stiefelabsatz des Herrn von Turenne , mit Kontributionen bis zum letzten ausgesogen vom Herrn von Fougerais ; von der welschen Besatzung in den Häusern und auf den Gassen bis zum äußersten in alles Elend und alle Wut hineingequält – widerspenstige Untertanen Seiner Bischöflichen Gnaden von Münster , hungrige Bürger der guten » Munizipalstadt Höxar « – kurz , armes , notdürftiges , geplagtes , verwirrtes deutsches Volkswesen , wie es aus dem Trümmerschutt des Religionskrieges aufwuchs gleich den Wurzelsprossen um einen gefällten Baum – es sah eben böse aus in Höxter nach dem Abmarsch der hohen französischen Alliierten ! – – – Drüben am rechten Ufer der Weser stand der Mönch bewegungslos auf seinen Stock gelehnt , und Kröppel-Leah saß auf dem Bündel mit dem Nachlaß des Schwestersohnes . Sie warteten ruhig ab , daß das Schicksal ihnen den dritten Mann sende , um den Hans Vogedes vielleicht wohl fahren mochte ; und dieser dritte Mann erschien jetzt wirklich . Er kam durch das niedere Feld und die Allerwiese vom Dorfe Boffzen her , – auch ein alter Mensch , hochgewachsen , dürr , im schwarzen Rock und Untergewand , weitbeinig und energisch-eilig – Ehrn Helmrich Vollbort , der Pfarrherr der lutherischen Kilianikirche zu Höxter . Es schien ihm gut zu dünken , bald nach Hause zu kommen ; denn die Witterung wurde nicht freundlicher , und die Dämmerung nahm immer mehr zu . Ob der Pastor auch noch andere Gründe für seine Hast hatte , werden wir ja wohl erfahren ; fürs erste , als er die stattliche Gestalt des Benediktiners an der Fährstelle zu Gesichte bekam , mäßigte er seinen Schritt ; jedoch nur für die kürzeste Weile , denn sofort trat er um so kräftiger auf und heran und grüßte kurz und schweigend . Höflich erwiderte der Bruder Henricus den Gruß ; die Judenfrau erhob sich mühsam von ihrem Sitze und knickste . Es war eine seltsame Gruppe , die unter dem stürmischen , dunkeln Himmel , vor den gelben , grollenden , wild hinstürzenden Wassern auf das Höxter ' sche Fährschiff zu warten hatte ; der Mönch von Corvey aber war der erste , dem das Schweigen peinlich wurde und der also auch zuerst den Mund auftat . Wahrhaftig , es ist zweihundert Jahre her , aber auch der Bruder Heinrich von Herstelle begann mit einer Bemerkung über das Wetter , und sie hatte die selbige Wirkung wie heutzutage . » Es ist freilich ein rauher Tag « , erwiderte Ehrn Helmrich Vollbort , der Pfarrherr zu Sankt Kilian , nach der Stadt hinüber und auf die zertrümmerte Brücke sehend . » Ein Tag oder Abend , wie er wohl für Ort und Zeit paßt . « » Sie haben das richtige Wort gesprochen , Herr Pastore « , sagte der Mönch . » Obgleich ich vom Hause abwesend war , so nehme ich gern jede Anmerkung , die hier und heute tempora et mores in ein Gleichnis bringt , vollgeltend hin . « Die jüdische Greisin , die sich wieder auf ihr Bündel niedergekauert hatte , bedeckte das Gesicht mit der rechten Hand und seufzte schwer und nickte verstohlen gleichfalls . » Sie befanden sich nicht beim französischen Abmarsch im Stift , mein Pater ? « fragte der Pfarrherr . » Ich trug einen Brief zum Herrn Herzog Rudolfus Augustus – nämlich ich traf ihn mit Heeresmacht zu Wickensen auf seinem Amtshause – ich traf ihn mit Heeresmacht dort im Walde , im Solling . « » Ei ! « murmelte der Prediger von Sankt Kilian hoch aufhorchend . » Die Herren zu Corvey waren sich dessen vermutend ? Hat der welsche Holofer – « Er brach ab und schloß – seinerseits mit einem schweren Seufzer : » Es ist gleich ; wir bleiben , wie wir sind , in der Not . Der Wille des Herrn geschehe , jetzt und immerdar . « » Amen ! « sagte der Bruder Henricus . – Das Fährschiff ließ noch immer auf sich warten ; aber das Gespräch auf dem rechten Weserufer war in Gang gekommen . Der Mönch fragte höflich , und der lutherische geistliche Hirt antwortete ebenso höflich , wenngleich viel finsterer oder sozusagen verdrossener . Sie erfuhren beide mancherlei voneinander , was ihnen wissenswert sein mußte . Was den Bruder Henricus im besondern anbetraf , so erfuhr