zu rauchen begann und verloren schien Da ließ die mächtig fromme Kusterin , Frau Berta , die eben zu gegen war , durch den Meier und seine Söhne den schweren Schiefertisch vor das Haus schleppen , zog eine Kreide aus der Tasche und schrieb mit armlangen Buchstaben auf die Platte : Sancte Thoma , steh uns bei ! Was geschah ? Blickte der Heilige vom Himmel herunter und las ? Dem sei wie ihm wolle , der Wind wandte sich augenblicklich , das Scheuerlein fiel in erlöschenden Schutt zusammen und die Meierei war gerettet . Jetzt langte die Hilfe aus der Stadt an . Hier stand der Tisch , dort verkohlte der Trümmerhaufen – das Wunder und der Heilige waren nicht weiter anzufechten . So ist es gekommen , daß wir heute sein Fest feiern , den Tag , daß ich ' s zu sagen nicht vergesse , des heiligen Thomas von Canterbury . « Nach dieser ausgiebigen Rede ergriff der Chorherr seinen Pokal , tat ein paar kleine Züge , und die Kanne ergreifend , sah er sich nach seinem Zuhörer um , dessen Becher er auffüllen wollte . Hans , der auf einem Holzschemel am Feuer saß , gab keinen Laut von sich . Etwas Seltsames war mit ihm vorgegangen . Im Anfang war er , die Ellenbogen auf die Kniee stützend und das gesenkte Haupt in die Hände gelegt , der Erzählung des Chorherrn mit Aufmerksamkeit gefolgt . Herr Burkhard hatte den Namen des Heiligen absichtlich bis zuletzt verschwiegen , doch der Armbruster mochte ihn schon früher erraten haben . Er blieb jetzt unbeweglich , wie in sich selbst zusammengebrochen und es war , als schüttle ein Schauder seine Glieder . Der Chorherr schenkte ihm den Becher voll und betrachtete ihn mit Blicken der Teilnahme und etwas durchschimmernder Schadenfreude . » Halt ich dich endlich , schlauer Mann ! « begann er wieder . » Bei den blutigen Zöpfen der heiligen Regula , heute , Armbruster , trittst du mir nicht über die Schwelle zurück , ohne mir von St. Thomas von Canterbury erzählt zu haben , was du weißt , und ganz andere Dinge , als der Luzernerpfaffe unserer gnädigen Frau drüben im Stift aufbindet oder als in dem Pergamente stehen , das mir die edle Herrin zur Gesundung meiner Seele geliehen hat . Du bist dem Heiligen zu seinen Lebzeiten begegnet , das wirst du mir nicht leugnen ! Ich habe es selbst gehört , wie du meinen Brüdern , den Chorherren , es mag sich jetzt gerade verjähren , in unserer Trinkstube mit lauter Stimme – denn sie hatten dir mit dem Becher stark zugesetzt – und gewaltigen Gebärden dartatest , daß du an König Heinrich gehaftet habest wie der Knopf am Wamse , ja wie die Haut am Leibe . Du gerietest in lodernden Eifer ; denn die Herren hatten in Zweifel gezogen , daß König Heinrich bei jener unseligen Krönung seines ältesten Sohnes Tränen der Freude vergossen habe . Du riefest : › Ich habe sie rieseln sehen ! ‹ und verschwurest dich bei deiner Seelen Seligkeit . Ich , der gerade eintreten wollte , um einen geselligen Becher zu trinken , denn ich war noch um das jünger , und dich deine Geschichte beteuern hörte , ich glaubte dir , denn du bist kein Prahler . Bist du aber immerdar um König Heinrich gewesen , hast ihm Gewand und Becher gereicht , sein Lachen und Weinen gekannt , wie du versichertest , so mußt du auch den Mann gekannt haben , der ihm Leib und Seele zerstört hat , sei es , während er als Kanzler ihm zu Diensten war , sei es später , da er als heiliger Bischof , sein Feind und sein Opfer , ihn zur Verzweiflung und ins Verderben trieb . Am Ende , Unglücklicher , warest auch du unter jenen , die dem Heiligen zu seinem Martertode geholfen haben . Doch nein ! In dem Pergamente der Äbtissin steht geschrieben , wie die Mörder des Heiligen durch ihre Sünde dergestalt entmenscht wurden , daß es der ganzen Schöpfung vor ihnen graute und selbst ihre Leibhunde den Bissen aus ihrer Hand verabscheuten . Tapp aber « – er wies auf den zwischen den Knieen des Armbrusters sich aufmerksam hervordrängenden Pudelkopf – » nimmt , wie ich gesehen habe , alles , was du ihm reichst . « » Der gnädige Gott hat mich davor behütet « , murmelte Hans ; » aber den Heiligen – ja – ich habe ihn gekannt , so gut als ich Euch kenne , Herr Burkhard . Und dabei bin ich auch gewesen , wenn Ihr es doch wissen wollt , als ihm der Wilhelm Tracy vor dem Hochaltare den Schädel einschlug . Und sein Lächeln sehe ich noch , das – Gott genade mir – heilige Hohnlächeln , mit dem er verschied , als erwiesen ihm seine Henker gerade einen Liebesdienst . O Herr , das sind schwere , unerforschliche Geschichten ! « » Erzähle Hans « , rief der Chorherr mit zitternder Lebendigkeit , und richtete sich , die alten Hände auf die Armlehnen stützend , begierig in seinem Stuhl in die Höhe . Der Armbruster schürte schweigend das Feuer und faßte seine Gedanken zusammen . Seine festen eckigen Züge waren finster geworden und seine funkelnden Augen sannen . Offenbar schien ihm billig , den Wunsch seines Gastfreundes zu erfüllen ; aber ungerne tat er es . Denn jene Ereignisse , staunenswert und unbegreiflich nicht nur für die Fernstehenden , sondern auch für die Mithandelnden , waren der wichtigste Teil seiner eigenen Geschichte , die es dem verschlossenen Manne zu erzählen schwer wurde , und griffen in Tiefen seiner Seele hinunter , wo sein Empfinden zwiespältig wurde und seine Gedanken wie vor einem Abgrunde stehenblieben . Er äußerte sich mit behutsamen Worten : » Ihr mögt leichtlich besser Bescheid wissen , Herr Burkhard , in dem was meines Herrn Königs Fürstenhändel und Taten im Weltlauf betrifft ; was aber den