legen . « Diese Anspielung auf die Giftmischereien der Borgia preßte dem Mädchen eine Träne aus , die sie zornig von der langen Wimper schüttelte . » Eure Zunge meuchelt , Don Ferrante ! « sagte sie . Angela Borgia stammte aus einer Seitenlinie des berühmten spanischen Geschlechtes und wurde , nachdem sie , wie viele Kinder ihrer Zeit , frühe auf tragische Weise beide Eltern verloren hatte , mit anderm weiblichen Edelblut in einem Kloster des Kirchenstaates eher aufgenährt als erzogen . Als beschützte Verwandte des Papstes erfreute sie sich der Bevorzugung der Nonnen und der Führerschaft unter den Gespielinnen . Es bestand damals eine seltsame , von den grellsten Widersprüchen gepeitschte Welt , die selbst einem italienischen Mädchen , das sonst alles , was Wirklichkeit besitzt , unbefangen angreift und durchlebt , ernstlich bange machen und Kopf und Herz verwirren konnte . Der jungen Angela wurde in Bild und Predigt eine sittliche Schönheit und Vollkommenheit vorgehalten , deren irdischer Vertreter , der Greis , auf welchem , wie der gleichzeitige Sultan sich ausdrückt , das Christentum beruhte , milde gesagt , ein entsetzlicher Taugenichts war , über dessen Ruchlosigkeiten die Schwestern weinten und die schlimmsten ihrer Gespielinnen insgeheim sich lustig machten . Angela aber erschrak und brachte es nicht über sich , das Leben als einen Widerspruch zu verspotten . Sie begann nun , sich schwere Bußen und Geißelungen aufzuerlegen zugunsten ihres Verwandten , des Heiligen Vaters , und ihrer Base Lucrezia , von welcher im Kloster gleichfalls mit geheimen Seitenblicken des Abscheus geredet wurde . Von diesen Peinigungen brachten sie die verständigen Schwestern indessen bald zurück , indem sie ihr vorhielten , alle ihre Anstrengungen wären einem solchen Unmaß der Sünde gegenüber gänzlich unzureichend und vergeblich . Dafür entwickelte sich in Angela gegen die herrschende Nichtswürdigkeit ein Bedürfnis verzweifelter Gegenwehr und , mit einem zarten Flaum auf den Wangen und dem Feuer ihrer Augen , eine gewisse ritterliche Tapferkeit , nicht nach dem duldenden Vorbilde ihrer weiblichen Heiligen , sondern mehr nach dem kühnen Beispiel der geharnischten Jungfrauen , die in der damaligen Dichtung umherschweiften , jener untadeligen Prinzessinnen , die sich der Schwächen ihres Geschlechtes schämten und welche zu handeln und sich zu verteidigen wußten , ohne dabei die Grazien zu beleidigen . So erwuchs Angela kraft einer edeln Natur zu einem widerstandsfähigen und selbstbewußten Mädchen , zu dem , was das Jahrhundert in lobendem Sinne eine Virago nannte . Nun begab es sich an einem Sommertage , daß aus dem Dunkel des Eichwaldes , der den Fuß des das Kloster tragenden apeninischen Felsens umnachtete , auf weißem Zelter eine helle Waldfee mit ihren Gespielen , oder vielleicht Göttin Diana mit ihrem Jagdgefolge , oder gar die erlauchte Donna Lucrezia mit ihren Frauen emporstieg und an die Pforte klopfte . Wirklich , es war diese . Sie wurde von der Äbtissin empfangen , der sie die Hand küßte und von welcher sie gesegnet wurde . Dann ließ sie sich die Nonnen und die Klosterzöglinge vorstellen und richtete an jede holdselig das ihr nach Rang und Stand gebührende Wort mit einer wohllautenden Stimme , die noch lange nachklang , nachdem sie gesprochen hatte . Zuletzt nahm sie Angela beiseite , und , Hand in Hand mit ihr durch einen Lorbeergang des Gartens auf und nieder wandelnd , sagte sie ihr fröhlich , daß sie die Verlobte des Thronerben von Este sei , und daß sie Angela als ihre Verwandte und ihr Hoffräulein nach Ferrara mitnehmen werde . » Base « , lächelte sie , » ich will dein Glück machen . Du gefällst mir , und ich behalte dich , bis ich dich vermähle . « Ebenso vetterlich wohlwollend begrüßte sie im Vatikan , den sie mit geheimem Grauen betrat , Lucrezias furchtbarer Bruder , ein Jüngling von vornehmer Erscheinung und grün schillerndem Blick . Unbefangen mit der Base tändelnd , sagte er : » Ich werde euch beide nicht nach Ferrara begleiten , die Geschäfte verbieten es ; doch möchte ich euch Don Giulio empfehlen , den ihr dort finden werdet , einen jüngern Bruder Don Alfonsos . Er ist ein bescheidener , aber hochbegabter Jüngling , nur daß er den Sinnen noch zuviel einräumt . Er wäre es aber wert , und ich möchte es ihm gönnen , daß er sich durch eine edle Frau fesseln ließe . « Und jetzt ritt Angela hinter Madonna Lucrezia , und wiederholte Kanonenschläge verkündigten die Nähe des Tores . Don Ferrante mußte sich beeilen , wenn er noch vor dem Betreten der Stadt die Brüder in der Meinung seiner jungen Begleiterin völlig entwurzeln wollte ; er ging aber rüstig ans Werk . » Mich wundert « , sagte er , » wie Donna Lucrezia , der die öffentliche Stimme oder doch die Einbildungskraft der Männer etwas Außerordentliches und Geflügeltes verleiht , mit meinem Bruder , ihrem künftigen Eheherrn , dem Gewöhnlichsten aller Sterblichen , der von früh bis spät an Essen und Ofen Geschütz gießt , wird haushalten können ! Venus neben dem rußigen Vulkan . Doch es mag gehen , so gut es dort ging . Sie wird seine herrlichen Fayencemalereien bewundern und ihn damit glücklich machen . Aber sie hüte sich « , fuhr er fort , und seine höhnende Stimme wurde drohend , » sie hüte sich ! Don Alfonso ist der Rachsüchtigste unter uns , nur daß er seine Stunde abwartet und seine Rache das Recht heißt . Doch nein , ich tue dem Bruder Kardinal unrecht . Seine Rache ist die grausamste , da er der größere Geist ist und als der uns allen Unentbehrliche keinen Prätor zu fürchten hat . Er ist der Diplomat unseres Hauses ; die Fäden unsrer Politik laufen alle durch seine gelenken Finger , und er kennt unsere schlimmsten Geheimnisse . Fürchtet diesen Geier , junges Mädchen ! « Ebendieser Kardinal Ippolito , der Staatsmann , die hagere Gestalt im Purpur , die gleichfalls zur Freite nach Rom gekommen und jetzt noch dort war , um mit dem