fürstlichen Gartens seine glühende Liebe gestand , da konnte auch sie nicht widerstehen und versprach ihm , wenn auch unter Thränen und heftigen Angstschauern , ihm in seine prächtige südliche Heimath zu folgen . Das war aber ein furchtbarer Schlag für die Seejungfer , als Magdalene ihren Entschluß aussprach und zugleich versicherte , daß sie sterben würde , wenn sie dem Geliebten nicht folgen dürfe . Suschen wollte jammern und bitten , allein infolge der letzten Drohung des jungen Mädchens verschluckte sie ihre Thränen und ließ es widerstandslos geschehen , daß eines Morgens , nach einer einfachen Trauung , der Bildhauer Beroaldo seine junge , blonde Frau in den Wagen hob und für immer der deutschen Heimath entführte . Vierzehn Jahre lang kamen regelmäßig Briefe aus Italien und berichteten wechselnd Glück und Leid , im fünfzehnten aber erschien eines Morgens ein dickes Briefpaket aus Neapel ; es war gar nicht von Magdalenens Hand , und als es geöffnet wurde , da fiel ein Brieflein der Schwester heraus , in welchem sie die Seejungfer beschwor , sich ihres einzigen Kindes anzunehmen , weil sie sich dem Tode nahe fühle . Dabei lag ein Schreiben der Behörde , welches besagte , daß der Bildhauer Giuseppe Beroaldo sammt seiner Ehehälfte an einem hitzigen Fieber und mit Hinterlassung einer achtjährigen Tochter das Zeitliche gesegnet habe . Ein Freund des Verstorbenen wolle das verwaiste Kind bis nach Wien mitnehmen , von wo es aber die Verwandte abholen müsse , sofern sie nicht wolle , daß es einer öffentlichen Anstalt übergeben werde . Zugleich wurde darauf hingewiesen , daß die Eltern völlig mittellos gewesen seien und der Kleinen auch nicht das geringste Erbe hinterlassen hätten . Anfänglich weinte die Seejungfer bitterlich , dann aber faßte sie sich wunderbar schnell und entfaltete eine ungemeine Energie und Rührigkeit . Sie nahm die Ohrringe der seligen Mutter und die , welche sie selbst an ihrem Confirmationstage als Pathengeschenk erhalten , aus dem sogenannten Heiligthum , einer alten , mit Watte gefüllten Schachtel ; dann trennte sie aus dem weißen Bürgerhäubchen , das der Mutter höchster Schmuck gewesen war , den goldgestickten Boden ; die dicke silberne Uhr des Vaters und zwölf silberne Westenknöpfe wurden auch dazu gelegt . Dies Alles trug sie zum Goldschmied und verkaufte es . Hierauf schloß sie das Glasschränkchen auf und nahm – kein Buch – sondern ein schweres Päckchen mit bebender Hand und feuchtem Auge heraus . Um das Päckchen war ein weißes Papier gelegt und darauf stand in großen , steifen Buchstaben und sehr unorthographisch geschrieben : „ Ich möchte gern für dieses Geld ein ehrliches Begräbniß [ 563 ] haben , aber auch einen Leichenstein , und darauf soll stehen : Jungfer Susanna Hartmann . “ In dem Päckchen befanden sich dreißig blanke Silberstücke , die gaben mit dem Erlös der verkauften Lachen zusammen fünfundvierzig Thaler . Eines Morgens sah man hinter den Fenstern der Seejungfer statt der weißen Kattunvorhänge festanschließende , mit blauem Papier beklebte Fenstereinsätze , und die Blumentöpfe auf den Simsen waren verschwunden . Die Seejungfer hatte sich , zum maßlosen Erstaunen der Klosterbewohner , aufgemacht , das Kind der verstorbenen Schwester zu holen . Drei Wochen blieb sie aus ; da plötzlich , an einem Sonnabend Nachmittag , trat die Seejungfer wieder in den Klosterhof , ebenso geräuschlos kommend , wie sie gegangen war . Alt und Jung stürzte aus den Thüren und um ringte die Ankommende , die , scheu und wortkarg wie immer , auf alle Fragen des andringenden Hausens nur erwiderte , daß sie in Wien gewesen sei , und als Beweis dafür auf ein kleines Mädchen zeigte , welches den Kopf ängstlich in den Rockfallen der Seejungfer zu bergen suchte . Es war aber ein merkwürdiges kleines Wesen , das die Alte da mitgebracht hatte , ein wahres „ Taternkind “ ( Zigeunerkind ) , wie die Nachbarinnen meinten , ein Wechselbalg , vor dem man sich fürchten könne – es sei ganz unmöglich , daß die schneeweiße , goldhaarige Magdalene solch ein schwarzgelbes Ding zur Welt gebracht habe . Die Seejungfer sei angeführt worden , das müsse ein Kind einsehen . Und in der That , das braune Gesicht der Kleinen , die ziemlich große Nase und der Wust pechschwarzen Haares , der auf eine niedrige Stirne fiel , dies Alles hatte auch die Seejungfer erschreckt . Trotzdem konnte sie die Zweifel der Nachbarinnen nicht theilen , denn das Mädchen trug unverkennbar die Züge ihres italienischen Vaters . Es hatte auch seine wunderbar tiefen , glänzenden Augen , deren Schönheit jedoch durch die schwarzen , zu stark entwickelten Brauen sehr beeinträchtigt wurde , welche auch dem Gesicht jede Spur von Kindlichkeit nahmen . Nach einigen Tagen der Ruhe , welche hauptsächlich dazu benutzt wurden , der Kleinen ein möglichst sauberes , gefälliges Ansehen zu geben , führte die Seejungfer ihren kleinen Fremdling in Begleitung der üblichen Zuckerdüte nach der Schule . Die erste Vorstellung fiel , wie die zaghafte Alte richtig vorausgesehen hatte , nichts weniger als glänzend aus . Das Kind hielt krampfhaft die Hand der Muhme umschlossen und fuhr mit dem Kopfe heftig unter deren Mantel , als der Lehrer es anredete . Die sanften Bitten der Seejungfer und die eindringlichen Reden des Lehrers bezweckten nichts weiter , als daß die Kleine sich nur um so tiefer in die Kleider der Alten einwühlte , bis endlich dem Lehrer die Geduld riß und er scheltend das kleine Mädchen unter dem Mantel hervorzog . Da brach aber die ganze Classe in ein schallendes Gelächter aus , denn der mittelst Pomade und Kamm mühsam gebändigte Haarwust hatte sich bei der heftigen Gegenwehr des Kindes aufgelöst und starrte nun nach allen Himmelsgegenden . Zu gleicher Zeit aber erhob die Kleine ein so schmerzliches Geschrei , daß der Lehrer sich zornroth die Ohren zuhielt und die Seejungfer vor Angst am ganzen Leibe zitterte . Von jenem Tage an war die kleine Fremde so zu sagen vogelfrei in den Augen der anderen Kinder . Die verwarfen ihren