ich auch nicht zu fürchten , ich bringe ja dich mit ... Apropos , du warst für zwei Tage verreist , wie den Leo der Herzogin sagte ? « » Ich war verreist , Verehrtester . « Diese lakonische Bestätigung klang zu ironisch und abfertigend für den kleinen Beweglichen – das » Wohin « blieb ihm hinter den Lippen sitzen ... Sie kamen eben an einer Stelle vorüber , wo das Dickicht auseinanderriß und einen Ausblick über den Teich hin gewährte . Man übersah das ganze Dörfchen . Unter den Linden standen weißgedeckte Tafeln ; zwischen diesen und einem der Häuser , durch dessen Thür man den fürstlichen Koch in weißer Mütze am Herd beschäftigt sah , liefen Lakaien hin und her – das Diner war in Vorbereitung . Die aufregende Szene , die der kleine Leo veranlaßt , war längst vergessen , man spielte ; alles was laufen konnte , spielte mit – graziöse Hofdamen und schlanke Kammerjunker , aber auch alle Kavaliere mit steifen Beinen , ja selbst die dicke , asthmatische Oberhofmeisterexzellenz watschelte händeklatschend durch den Kindertumult . Die Herzogin war so nahe an das seichte Teichufer getreten , daß man meinte , das Wasser spiele an ihre Füße heran . Wie ein Schwanengefieder schwamm ihr weißes Spiegelbild in der klaren Flut . Einige junge Damen hatten ihr einen Kranz von Waldreben und Blumenglocken gebracht ; er lag über ihrer Stirn und ließ lange , grüngefiederte Ranken über die schöne Büste und den Nacken hinab hängen . » Ophelia ! « rief Baron Mainau halblaut mit einer pathetischen Gebärde – ein unbeschreiblicher Sarkasmus lag in seiner Stimme . Sein Begleiter fuhr herum . » Nun bitte ich mir ' s aber aus – das ist doch wieder einmal die reine Komödie , Mainau ! « rief er ganz empört . » Das verfängt wohl bei den Damen , die wie die Lämmer vor dir zittern , bei mir aber nicht . « Er steckte die Hände in die Seitentaschen seines leichten Ueberziehers , zog die Schultern in die Höhe und begann verschmitzt lächelnd : » Es war einmal eine wunderschöne , aber arme Prinzessin und ein glänzender , junger Kavalier . Die beiden liebten sich , und die Prinzessin wollte die Durchlaucht an den Nagel hängen und eine Frau Baronin werden – « einen Moment hielt er inne , und sein schelmischer Seitenblick streifte den Begleiter ; er sah aber nicht , wie der schöne Mann erblaßte , wie er mit zusammengebissenen Zähnen so glühend in das Dickicht starrte , als solle das junge Laub versengen . Er fuhr harmlos fort : » Da kam der Vetter der Prinzessin , der Regierende , und begehrte ihre schöne Hand . Die schönen , schwarzen Augen vergossen bittere Thränen , schließlich siegte aber doch das stolze Fürstenblut über die Liebesleidenschaft , und die Prinzessin ließ es geschehen , daß man ihr die Herzogskrone auf die prächtigen , dunklen Locken setzte ... Hand aufs Herz , Mainau , « unterbrach er sich lebhaft , » wer mochte ihr das damals verdenken ? Höchstens die Sentimentalen ! « Mainau legte die Hand nicht aufs Herz , er erwiderte auch nichts – zornig knickte er einen jungen Zweig ab , der so keck gewesen war , seine Wange zu berühren , und schleuderte ihn von sich . » Wie mag ihr heute das Herz klopfen ! « sagte Rüdiger nach einer kurzen Pause – er wollte sichtlich das interessante Thema um keinen Preis fallen lassen . » Die Witwentrauer ist zu Ende ; dem Fürstenstolz ist genügt für alle Zeiten , denn die Herzogin ist und bleibt die Mutter des Regierenden – du bist auch deiner Ehefesseln ledig . Alles fügt sich wundervoll ... und jetzt willst du mir weismachen – na wer ' s glaubt ! ... Wir wissen , was sich heute ereignen wird – « » Schlauköpfe , die ihr seid ! « sagte Baron Mainau mit verstellter Bewunderung . Bei diesen Worten traten sie hinaus auf den freien Platz , wo die Wagen standen . Sie gerieten zwischen das Menschengetümmel und hielten sich deshalb mehr auf dem schmalen Uferweg . » He , Bursche , bist du toll ? « rief Mainau plötzlich und nahm einen halbwüchsigen , kräftigen Betteljungen , der in höchst gefährlicher Position auf einem über dem Wasserspiegel schwankenden Ast schaukelte , beim Kragen ; er schüttelte ihn einigemal tüchtig wie einen nassen Pudel und stellte ihn auf die Füße . » Eine kleine Wäsche könnte deinem Pelz nicht schaden , mein Junge , « lachte er und klopfte seine sauber behandschuhten Hände gegeneinander , » ich bezweifle aber , daß du schwimmen kannst . « » Pfui , er war sehr schmutzig , der Bengel ! « sagte Rüdiger sich schüttelnd . » Das war er . Ich kann dich auch versichern , daß ich mich auf dergleichen Berührungen durchaus nicht kapriziere – das sind so rasche , plebejische Sünden der Hand , um welche die Seele nicht weiß . – Ja , da hast du ' s nun wieder – wir haben noch manchen Schritt bis zu jenem erhabenen Moment , wo auch unsere Körpermasse so aristokratisch durchdrungen ist , daß ihr ein solcher Mißgriff unmöglich wird – wie ? Meinst du nicht ? « Rüdiger wandte sich ärgerlich ab ; er beschleunigte aber auch zugleich seine Schritte . » Deine Heldenthat ist drüben auf dem Maienfest gesehen worden , « sagte er hastig . » Vorwärts , Mainau ! Die Herzogin verläßt ihren Platz ... Und da kommt auch schon dein wilder Junge ! « Der kleine Leo umrannte den Teich und lief stürmisch auf den Papa zu . Baron Mainau bog sich einen Augenblick liebkosend über sein Kind und nahm weiterschreitend die kleine Hand in seine Linke . Während man auf dem Maienfest weiterspielte , kam die Herzogin , von mehreren Herren und Damen des Hofes begleitet , langsam wandelnd daher ... Sie hatte auch den schwebenden Gang , die unnachahmlich