, daß Sie mich und meine Kameraden über Landes- und Königstreue belehren und aufklären dürfen , denn die Grundsätze , zu denen Sie sich bekennen , sind momentan obenauf . Wir stehen jetzt nach Ihrem Wunsch und allerhöchstem Willen am Tische Frankreichs und lesen die Brosamen auf , die von des Kaisers Tische fallen . Aber auf wie lange ? Der Staat Friedrichs des Großen muß sich wieder auf sich selbst besinnen . « » So er ' s nur täte « , replizierte Bülow . » Aber das versäumt er eben . Ist dies Schwanken , dies immer noch halbe Stehen zu Rußland und Österreich , das uns dem Empereur entfremdet , ist das friderizianische Politik ? Ich frage Sie ? « » Sie mißverstehen mich . « » So bitt ich , mich aus dem Mißverständnis zu reißen . « » Was ich wenigstens versuchen will ... Übrigens wollen Sie mich mißverstehen , Herr von Bülow . Ich bekämpfe nicht das französische Bündnis , weil es ein Bündnis ist , auch nicht deshalb , weil es nach Art aller Bündnisse darauf aus ist , unsere Kraft zu diesem oder jenem Zweck zu doublieren . Oh , nein ; wie könnt ich ? Allianzen sind Mittel , deren jede Politik bedarf : auch der große König hat sich dieser Mittel bedient und innerhalb dieser Mittel beständig gewechselt . Aber nicht gewechselt hat er in seinem Endzweck . Dieser war unverrückt : ein starkes und selbständiges Preußen . Und nun frag ich Sie , Herr von Bülow , ist das , was uns Graf Haugwitz heimgebracht hat und was sich Ihrer Zustimmung so sehr erfreut , ist das ein starkes und selbständiges Preußen ? Sie haben mich gefragt , nun frag ich Sie . « Zweites Kapitel » Die Weihe der Kraft « Bülow , dessen Züge den Ausdruck einer äußersten Überheblichkeit anzunehmen begannen , wollte replizieren , aber Frau von Carayon unterbrach und sagte : » Lernen wir etwas aus der Politik unserer Tage : wo nicht Friede sein kann , da sei wenigstens Waffenstillstand . Auch hier ... Und nun raten Sie , lieber Alvensleben , wer heute hier war , uns seinen Besuch zu machen ? Eine Berühmtheit . Und von der Rahel Levin uns zugewiesen . « » Also der Prinz « , sagte Alvensleben . » O nein , berühmter , oder doch wenigstens tagesberühmter . Der Prinz ist eine etablierte Zelebrität , und Zelebritäten , die zehn Jahre gedauert haben , sind keine mehr ... Ich will Ihnen übrigens zu Hilfe kommen , es geht ins Literarische hinüber , und so möcht ich denn auch annehmen , daß uns Herr Sander das Rätsel lösen wird . « » Ich will es wenigstens versuchen , gnädigste Frau , wobei mir Ihr Zutrauen vielleicht eine gewisse Weihekraft oder , sagen wir ' s lieber rundheraus , eine gewisse › Weihe der Kraft ‹ verleihen wird . « » O vorzüglich . Ja , Zacharias Werner war hier . Leider waren wir aus , und so sind wir denn um den uns zugedachten Besuch gekommen . Ich hab es sehr bedauert . « » Sie sollten sich umgekehrt beglückwünschen , einer Enttäuschung entgangen zu sein « , nahm Bülow das Wort . » Es ist selten , daß die Dichter der Vorstellung entsprechen , die wir uns von ihnen machen . Wir erwarten einen Olympier , einen Nektar- und Ambrosiamann , und sehen statt dessen einen Gourmand einen Putenbraten verzehren ; wir erwarten Mitteilungen aus seiner geheimsten Zwiesprach mit den Göttern und hören ihn von seinem letzten Orden erzählen oder wohl gar die allergnädigsten Worte zitieren , die Serenissimus über das jüngste Kind seiner Muse geäußert hat . Vielleicht auch Serenissima , was immer das denkbar Albernste bedeutet . « » Aber doch schließlich nichts Alberneres als das Urteil solcher , die den Vorzug haben , in einem Stall oder einer Scheune geboren zu sein « , sagte Schach spitz . » Ich muß Ihnen zu meinem Bedauern , mein sehr verehrter Herr von Schach , auch auf diesem Gebiete widersprechen . Der Unterschied , den Sie bezweifeln , ist wenigstens nach meinen Erfahrungen tatsächlich vorhanden , und zwar , wie Sie mir zu wiederholen gestatten wollen , zu Nichtgunsten von Serenissimus . In der Welt der kleinen Leute steht das Urteil an und für sich nicht höher , aber die verlegene Bescheidenheit , darin sich ' s kleidet , und das stotternde schlechte Gewissen , womit es zutage tritt , haben allemal etwas Versöhnendes . Und nun spricht der Fürst ! Er ist der Gesetzgeber seines Landes in all und jedem , in großem und kleinem , also natürlich auch in aestheticis . Wer über Leben und Tod entscheidet , sollte der nicht auch über ein Gedichtchen entscheiden können ? Ah , bah ! Er mag sprechen , was er will , es sind immer Tafeln direkt vom Sinai . Ich habe solche Zehn Gebote mehr als einmal verkünden hören und weiß seitdem , was es heißt : regarder dans le néant . « » Und doch stimm ich der Mama bei « , bemerkte Victoire , der daran lag , das Gespräch auf seinen Anfang , auf das Stück und seinen Dichter also , zurückzuführen . » Es wäre mir wirklich eine Freude gewesen , den › tagesberühmten Herrn ‹ , wie Mama ihn einschränkend genannt hat , kennenzulernen . Sie vergessen , Herr von Bülow , daß wir Frauen sind und daß wir als solche ein Recht haben , neugierig zu sein . An einer Berühmtheit wenig Gefallen zu finden ist schließlich immer noch besser , als sie gar nicht gesehen zu haben . « » Und wir werden ihn in der Tat nicht mehr sehen , in aller Bestimmtheit nicht « , fügte Frau von Carayon hinzu . » Er verläßt Berlin in den nächsten Tagen schon und war überhaupt nur hier , um den ersten Proben seines Stückes beizuwohnen . « »