– so bleibe zu Hause . Hast du nun aber alle diese Punkte reichlich erwogen , hast du , wie die Engländer sagen , » Deine Seele fertig gemacht « und bist du zu dem Resultat gekommen : » ich kann es wagen « , nun denn , so wag ' es getrost . Wag ' es getrost und du wirst es nicht bereuen . Eigentümliche Freuden und Genüsse werden dich begleiten . Du wirst Entdeckungen machen , denn überall , wohin du kommst , wirst du , vom Touristenstandpunkt aus , eintreten wie in » jungfräuliches Land « . Du wirst Klosterruinen begegnen , von deren Existenz höchstens die nächste Stadt eine leise Kenntnis hatte ; du wirst inmitten alter Dorfkirchen , deren zerbröckelter Schindelturm nur auf Elend deutete , große Wandbilder oder in den treppenlosen Grüften reiche Kupfersärge mit Kruzifix und vergoldeten Wappenschildern finden ; du wirst Schlachtfelder überschreiten , Wendenkirchhöfe , Heidengräber , von denen die Menschen nichts mehr wissen , und statt der Nachschlagebuchs-und Allerweltsgeschichten , werden Sagen und Legenden und hier und da selbst die Bruchstücke verklungener Lieder zu dir sprechen . Das Beste aber , dem du begegnen wirst , das werden die Menschen sein , vorausgesetzt , daß du dich darauf verstehst , das rechte Wort für den » gemeinen Mann « zu finden . Verschmähe nicht den Strohsack neben dem Kutscher , laß dir erzählen von ihm , von seinem Haus und Hof , von seiner Stadt oder seinem Dorf , von seiner Soldaten- oder seiner Wanderzeit , und sein Geplauder wird dich mit dem Zauber des Natürlichen und Lebendigen umspinnen . Du wirst , wenn du heimkehrst , nichts Auswendiggelerntes gehört haben wie auf den großen Touren , wo alles seine Taxe hat ; der Mensch selber aber wird sich vor dir erschlossen haben . Und das bleibt doch immer das Beste . Berlin , im August 1864 . Th . F. Vorwort zur Volksausgabe Vorwort zur Volksausgabe Der erste Band der » Wanderungen « – dem die drei andern in rascher Reihenfolge folgen werden – erscheint hier in einer Volksausgabe , die , wie dies schon bei den früheren Auflagen der Fall war , abermals eine nicht unbeträchtliche Erweiterung erfahren hat . Das Kapitel Wilhelm Gentz , in dem ich zu meiner Freude viel Autobiographisches mitteilen oder doch benutzen konnte , ist neu , während das den Lebensgang von Alexander Gentz darstellende Kapitel Gentzrode , einer zugleich die mannigfachsten Verhältnisse der Stadt wie der Grafschaft behandelnden Umarbeitung unterzogen wurde . Ein weiterer Aufsatz , den ich mit Rücksicht auf die hervorragende Bedeutung des darin zu Schildernden : Geheimerat Hermann Wagener ( » Kreuzzeitungs-Wagener « , geboren am 8. März 1815 im Pfarrhause zu Segeletz ) , diesem ersten Bande gerne noch hinzugefügt hätte , mußte mit Rücksicht auf den ohnehin überschrittenen Raum zurückgestellt werden . Vielleicht daß sich später , wenn auch von anderer Hand , eine Einreihung ermöglicht . Berlin , 9. März 1892 . Th . F. Am Ruppiner See Wustrau Wustrau Da liegen wir zwei Beide Bis zum Appell im Grab . Der Ruppiner See , der fast die Form eines halben Mondes hat , scheidet sich seinen Ufern nach in zwei sehr verschiedene Hälften . Die nördliche Hälfte ist sandig und unfruchtbar und , die freundlich gelegenen Städte Alt- und Neu-Ruppin abgerechnet , ohne allen malerischen Reiz , die Südhälfte aber ist teils angebaut , teils bewaldet und seit alten Zeiten her von vier hübschen Dörfern eingefaßt . Das eine dieser Dörfer , Treskow , war bis vor kurzem ein altes Kämmereigut der Stadt Ruppin ; die drei anderen : Gnewkow , Karwe und Wustrau sind Rittergüter . Das erstere tritt aus dem Schilf- und Waldufer am deutlichsten hervor und ist mit seinem Kirchturm und seinen Bauernhäusern eine besondere Zierde des Sees . Es gehörte seit Jahrhunderten der Familie von Woldeck ; jetzt ist es in andere Hände übergegangen . Der letzte von Woldeck , der dies Erbe seiner Väter innehatte , war ein Lebemann und passionierter Tourist . Seine Exzentrizitäten hatten ihn in der Umgegend zu einer volkstümlichen Figur gemacht ; er hieß kurzweg » der Seebaron « . Das Wort war gut gewählt . Er hatte mit den alten » Seekönigen « den Wanderzug und die Abenteuer gemein . Karwe gehört den Knesebecks , Wustrau dagegen ist berühmt geworden als Wohnsitz des alten Zieten . Sein Sohn , der letzte Zieten aus der Linie Wustrau , starb hier 1854 in hohem Alter . Es gibt noch Zietens aus anderen Linien und überall , wo nachstehend vom » letzten Zieten « gesprochen wird , geschieht es in dem Sinne von : der letzte Zieten von Wustrau . Wustrau , wie viele märkische Besitzungen , bestand bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts aus vier Rittergütern , wovon zwei dem General von Dossow , eins den Zietens , und eins den Rohrs 1 gehörte . Wann die Zietens in den teilweisen Besitz von Wustrau gelangten , ist nicht mehr sicher festzustellen . Ebensowenig kennt man das Stammgut der Familie . In der Mark Brandenburg befinden sich neun Ortschaften , die den Namen Zieten , wenn auch in abweichender Schreibart , führen . Als die Hohenzollern ins Land kamen , lagen die meisten Besitzungen dieser Familie bereits in der Grafschaft Ruppin . Hans von Zieten auf Wildberg , das damals ein fester und reicher Burgflecken war , war geschworener Rat beim letzten Grafen von Ruppin , und begleitete diesen auf den Reichstag zu Worms . Die Wildberger Zieten besaßen Langen und Kränzlin ; andere Zweige der Familie hatten Lögow und Buskow inne und einen Teil von Metzelthin . Die Wustrauer Zieten , scheint es , waren nicht reich ; sie litten unter den Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges und der Schwedenzeit . Der Vater Hans Joachims lebte denn auch in noch sehr beschränkten Verhältnissen . Erst Hans Joachim selbst verstand sich auf Pflug und Wirtschaft fast so gut wie auf Krieg und Säbel und machte 1766 durch Ankauf der