will , weil ich her aus muß , weil ich uns retten möchte . « » So , so « , sagte sie , während sie mechanisch an dem Kranze weiterflocht und vor sich hin sah , als überlege sie , was wohl zu tun sei . » Soll ich dich auf den Kirchhof begleiten ? « frug er , als ihn ihr Schweigen zu bedrücken anfing . » Ich tu ' s gern , Ursel . « Sie schüttelte den Kopf . » Warum nicht ? « » Weil , wer den Toten einen Kranz bringen will , wenigstens an sie gedacht haben muß . « Und damit erhob sie sich und verließ das Haus , um nach dem Kirchhof zu gehen . Hradscheck sah ihr nach , die Dorfstraße hinauf , auf deren roten Dächern die Herbstsonne flimmerte . Dann trat er wieder an sein Pult und blätterte . 2. Kapitel Zweites Kapitel Eine Woche war seit jenem Tage vergangen , aber das Spielglück , das sich bei Hradscheck einstellen sollte , blieb aus und das Lottoglück auch . Trotz alledem gab er das Warten nicht auf , und da gerade Lotterie-Ziehzeit war , kam das Viertellos gar nicht mehr von seinem Pult . Es stand hier auf einem Ständerchen , ganz nach Art eines Fetisch , zu dem er nicht müde wurde respektvoll und beinah mit Andacht aufzublicken . Alle Morgen sah er in der Zeitung die Gewinn-Nummern durch , aber die seine fand er nicht , trotzdem sie unter ihren fünf Zahlen drei Sieben hatte und mit sieben dividiert glatt aufging . Seine Frau , die wohl wahrnahm , daß er litt , sprach ihm nach ihrer Art zu , nüchtern , aber nicht unfreundlich , und drang in ihn , » daß er den Lotteriezettel wenigstens vom Ständer herunternehmen möge , das verdrösse den Himmel nur , und wer dergleichen täte , kriege statt Rettung und Hilfe den Teufel und seine Sippschaft ins Haus . Das Los müsse weg . Wenn er wirklich beten wolle , so habe sie was Besseres für ihn , ein Marienbild , das der Bischof von Hildesheim geweiht und ihr bei der Firmelung geschenkt habe . « Davon wollte nun aber der beständig zwischen Aber- und Unglauben hin und her schwankende Hradscheck nichts wissen . » Geh mir doch mit dem Bild , Ursel . Und wenn ich auch wollte , denke nur , welche Bescherung ich hätte , wenn ' s einer merkte . Die Bauern würden lachen von einem Dorfende bis ans andere , selbst Orth und Igel , die sonst keine Miene verziehen . Und mit der Pastor-Freundschaft wär ' s auch vorbei . Daß er zu dir hält , ist doch bloß , weil er dir den katholischen Unsinn ausgetrieben und einen Platz im Himmel , ja vielleicht an seiner Seite , gewonnen hat . Denn mit meinem Anspruch auf Himmel ist ' s nicht weit her . « Und so blieb denn das Los auf dem Ständer , und erst als die Ziehung vorüber war , zerriß es Hradscheck und streute die Schnitzel in den Wind . Er war aber auch jetzt noch , all seinem spöttisch-überlegenen Gerede zum Trotz , so schwach und abergläubisch , daß er den Schnitzeln in ihrem Fluge nachsah , und als er wahrnahm , daß einige die Straße hinauf bis an die Kirche geweht wurden und dort erst niederfielen , war er in seinem Gemüte beruhigt und sagte : » Das bringt Glück . « Zugleich hing er wieder allerlei Gedanken und Vorstellungen nach , wie sie seiner Phantasie jetzt häufiger kamen . Aber er hatte noch Kraft genug , das Netz , das ihm diese Gedanken und Vorstellungen überwerfen wollten , wieder zu zerreißen . » Es geht nicht . « Und als im selben Augenblick das Bild des Reisenden , dessen Anmeldung er jetzt täglich erwarten mußte , vor seine Seele trat , trat er erschreckt zurück und wiederholte nur so vor sich hin : » Es geht nicht . « So war Mitte Oktober herangekommen . Im Laden gab ' s viel zu tun , aber mitunter war doch ruhige Zeit , und dann ging Hradscheck abwechselnd in den Hof , um Holz zu spellen , oder in den Garten , um eine gute Sorte Tischkartoffeln aus der Erde zu nehmen . Denn er war ein Feinschmecker . Als aber die Kartoffeln heraus waren , fing er an , den schmalen Streifen Land , darauf sie gestanden , umzugraben . Überhaupt wurde Graben und Gartenarbeit mehr und mehr seine Lust , und die mit dem Spaten in der Hand verbrachten Stunden waren eigentlich seine glücklichsten . Und so beim Graben war er auch heute wieder , als die Jeschke , wie gewöhnlich , an die die beiden Gärten verbindende Heckentür kam und ihm zusah , trotzdem es noch früh am Tage war . » De Tüffeln sinn joa nu rut , Hradscheck . « » Ja , Mutter Jeschke , seit vorgestern . Und war diesmal ' ne wahre Freude ; mitunter zwanzig an einem Busch und alle groß und gesund . « » Joa , joa , wenn een ' s Glück hebben sall . Na , Se hebben ' t , Hradscheck . Se hebben Glück bi de Tüffeln un bi de Malvesieren ook . I , Se möten joa woll ' n Scheffel runnerpflückt hebb ' n. « » O mehr , Mutter Jeschke , viel mehr . « » Na , bereden Se ' t nich , Hradscheck . Nei , nei . Man sall nix bereden . Ook sien Glück nich . « Und damit ließ sie den Nachbar stehn und humpelte wieder auf ihr Haus zu . Hradscheck aber sah ihr ärgerlich und verlegen nach . Und er hatte wohl Grund dazu . War doch die Jeschke , so freundlich und zutulich sie tat , eine schlimme Nachbarschaft und quacksalberte nicht bloß , sondern machte auch sympathetische Kuren , besprach