und Valtins Stiefmutter , aufzusuchen . In der Tür des Nachbarhauses traf sie Valtin , der beiseite trat , um ihr Platz zu machen . Denn sie war in Staat , in hoher Stehkrause und goldner Kette . » Guten Tag , Valtin . Ist Emrentz zu Haus ? Ich meine deine Mutter . « » Ich denke , ja . Oben . « » Dann geh hinauf und sag ihr , daß ich da bin . « » Geh nur selbst . Sie hat es nicht gern , wenn ich in ihre Stube komme . « Es klang etwas spöttisch . Aber Trud , erregt wie sie war , hatte dessen nicht acht und ging , an Valtin vorüber , in den ersten Stock hinauf , dessen große Hinterstube der gewöhnliche Aufenthalt der Frau Zernitz war . Das nach vorn zu gelegene Zimmer von gleicher Größe , das keine Sonne , dafür aber viele hohe Lehnstühle und grünverhangene Familienbilder hatte , war ihr zu trist und öde . Zudem war es das Wohn- und Lieblingszimmer der ersten Frau Zernitz gewesen , einer steifen und langweiligen Frau , von der sie lachend als von ihrer » Vorgängerin im Amt « zu sprechen pflegte . Trud , ohne zu klopfen , trat ein und war überrascht von dem freundlichen Bilde , das sich ihr darbot . Alle drei Flügel des breiten Mittelfensters standen auf , die Sonne schien , und an dem offenen Fenster vorbei schossen die Schwalben . Über die Kissen des Himmelbetts , dessen hellblaue Vorhänge zurückgeschlagen waren , waren Spitzentücher gebreitet , und vom Hof herauf hörte man das Gackern der Hühner und das helle Krähen des Hahns . » Ei , Trud « , erhob sich Emrentz und schritt von ihrem Fensterplatz auf die Muhme zu , um diese zu begrüßen . » Zu so früher Stunde . Und schon in Staat ! Laß doch sehen . Ei , das ist ja das Kleid , das du den Tag nach deiner Hochzeit trugst . Wie lang ist es ? Ach , als ich dir damals gegenübersaß , und Zernitz neben mir , und die grauen Augen der guten alten Frau Zernitz immer größer und immer böser wurden , weil er mir seine Geschichten erzählte , die kein Ende hatten , und immer so herzlich lachte , daß ich zuletzt auch lachen mußte , aber über ihn , da dacht ich nicht , daß ich zwei Jahre später an diesem Fenster sitzen und auch eine Frau Zernitz sein würde . « » Aber eine andre . « » Gott sei Dank , eine andre ... Komm , setz dich ... Und ich glaube , Zernitz denkt es auch . Denn Männer in zweiter Ehe , mußt du wissen , das sind die besten . Das erst ist , daß sie die erste Frau vergessen , und das zweit ist , daß sie alles tun , was wir wollen . Und das ist die Hauptsache . Ach Trud , es ist zum Lachen ; sie schämen sich ordentlich und entschuldigen sich vor uns , schon eine erste gehabt zu haben . Andre mögen anders sein ; aber für meinen alten Zernitz bürg ich , und wäre nicht der Valtin ... « » Um den eben komm ich « , unterbrach Trud , die der Muhme nur mit halbem Ohre gefolgt war , » um eben deinen Valtin . Höre , das hat sich ja mit der Gret , als ob es Braut und Bräutigam wäre . Er muß aus dem Haus . Und ich denke , du wirst ihn missen können . « » Laß doch . Es sind ja Kinder . « » Nein ; es sind nicht Kinder mehr . Valtin ist sechzehn oder wird ' s , und Gret ist über ihre Jahre und hat ' s von der Mutter . « » Nicht doch . Ich war ebenso . « » Das ist dein Sach , Emrentz . « » Und dich verdrießt es « , lachte diese . » Ja , mich verdrießt es ; denn es gibt einen Anstoß im Haus und in der Stadt . Und ich mag ' s und will ' s nicht . Du hast einen leichten Sinn , Emrentz , und siehst es nicht , weil du zuviel in den Spiegel siehst . Lache nur ; ich weiß es wohl , er will es ; alle Alten wollen ' s , und du sollst dich putzen und seine Puppe sein . Aber ich , ich seh um mich , und was ich eben gesehen hab ... Emrentz , mir schlägt noch das Herz . Ich komme von Gigas und suche Greten und will ihr sagen , daß sie sich vorbereitet und ernst wird in ihrem Gemüt , da find ich sie ... nun rate , wo ? Im Garten zwischen den Himbeerbüschen . Und wen mit ihr ? Deinen Valtin ... « » Und er gibt ihr einen Kuß . Ach Trud , ich hab ' s ja mitangesehn , alles , hier von meinem Fenster , und mußt an alte Zeiten denken , und an den Sommer , wo ich auch dreizehn war und mit Hans Hensen Versteckens spielte und eine geschlagene Glockenstunde hinter dem Rauchfang saß , Hand in Hand und immer nur in Sorge , daß wir zu früh gefunden , zu früh in unserm Glück gestört werden könnten . Laß doch , Trud , und gönn ' s ihnen . ' s ist nichts mit alter Leute Zärtlichkeiten , und ich wollt , ich stünde wieder , wie heute die Grete stand . Es war so hübsch , und ich hatt eine Freude dran . Nun bin ich dreißig , und er ist doppelt so alt . Hätt ich noch vier Jahre gewartet , höre , Trud , ich glaube fast , ich hätte besser zu dem Jungen als zu dem Alten gepaßt . Sieh nicht so bös drein und bedenk , es trifft