entgegen . » Wie schön sie ist ! « sagte er erstaunt , als sähe er sie zum erstenmal , und vergaß darüber den Kuß . Die alte Frau zog ihn an sich , so daß der Duft ihrer weichen weißen Haare ihn umschmeichelte . Dann warf sie einen raschen triumphierenden Blick auf den kleinen Kreis um sich . Die beiden glattgescheitelten Damen neben ihr , die sich glichen wie ein Ei dem anderen , - sie trugen sogar dieselben grauen , schwarz-getupften Satinkleider auf den dürren langen Gestalten , dieselben schwarzen Zwirnhandschuhe über den mageren breitkuppigen Fingern - sahen einander mit hochgezogenen Brauen an . Der alte Schulmeister , der trotz des Jahrzehnts , das er hier oben verlebt hatte , nicht anders als auf der äußersten Kante des Stuhles zu sitzen vermochte , lächelte pflichtschuldigst . » Unsere letzte Teestunde , Konrad , « hub die Gräfin an , und über ihre schwarzen noch immer lang umwimperten Augen legte es sich wie ein Schleier . Dem Knaben stieg das Blut in die Schläfen : durfte er seiner Seligkeit Ausdruck geben oder mußte er Abschiedsschmerz heucheln ? » Dummer Junge , « fuhr sie mit erhobener Stimme fort , als empfände sie seine Gedanken , und ihre Augen blickten wieder klar , » sind wir sentimental wie die Deutschen ? « Ihre Worte pfiffen wie ein Peitschenhieb über den Köpfen der anderen ; die beiden grauen Fräulein senkten die hellen blonden Scheitel . » Er ist und bleibt ein Hochseß , « sagte die eine von ihnen scharf , ohne den Blick zu erheben . Die Gräfin lachte , ein helles klingendes Mädchenlachen . » Kein Zweifel , Tante Natalie , kein Zweifel ! « Und dann mit geschürzten Lippen : » Sind wir nicht alle stolz auf die Mischung ? « Natalie räusperte sich vielsagend . Elise , ihre Schwester , setzte mit lauterem Geräusch , als es der guten Form entsprochen hätte , ihre Tasse auf den Tisch . » Kommt er nicht in eine deutsche Pension ? Hat er nicht in unserm lieben Habicht einen echten deutschen Schulmeister gehabt ? « frug die Gräfin halb spöttisch , halb gelangweilt , es war in den acht Jahren , seitdem sie Konrads Erziehung allein zu leiten hatte , nicht das erste Gespräch der Art , » und zwei deutsche Tanten , die , wenn man ' s ihnen nicht auf das bloße Ansehen hin glauben würde , ihre Reinheit von jedem Tropfen welschen Blutes bis ins zwölfte Jahrhundert hinein nachweisen können ! « » Und - - , « Tante Elisens Stimme zitterte . » Ich weiß - ich weiß , « lachte die Gräfin , » und eine italienische Großmutter , die alles wieder verdirbt ! « » Nein , o nein ! « widersprach Natalie mit betonter Höflichkeit , » aber einen italienischen Komödianten , der dem Jungen nichts als phantastische Geschichten in den Kopf gesetzt hat und seine evangelische Seele mit Heiligenlegenden vergiftet . « Konrad wurde noch einen Schein blasser . Er warf einen heißen Blick voll Haß auf die grauen Tanten . Seiner Großmutter schöne Hände , die auf der Armlehne ruhten , schlossen und öffneten sich abwechselnd , und ihre Fußspitze ging im gleichen raschen Takt auf und nieder . » Der arme Giovanni ! « Die Gräfin schien vollkommen ruhig , während ihr Blick sich ganz in der Ferne verlor . » Vergeßt ihr immer wieder , daß er meiner Lavinia letzte Freude war ? Unter den Kastanien lag sie in Decken gewickelt , ganz ausgestreckt , schon vom Tode gezeichnet und freute sich doch wie ein Kind , als der gelbe Kasten mit dem schwarzäugigen Volk in den Hof rumpelte . Die hellen Tränen liefen ihr über die blassen Wangen , als sie unsere Lieder , unsere weichen sehnsüchtigen Lieder sangen ! Was wißt ihr davon , wie das unsereinem tut - es sind gar keine Töne , es sind die Schläge unseres Herzens , die Stimme unseres Blutes ! - Und die Tänze dann ! Nicht euer stumpfsinniges Drehen mit gesenkten Lidern , sondern ein Kampf zwischen Mann und Weib - « » Aber meine Beste ! « tönten wie aus einem Munde die scharfen Stimmen der alten Fräuleins . » Ach so - das Kind ! « sagte die Gräfin ; der spöttische Ton , den sie anschlagen wollte , gelang ihr nicht . Sie erhob sich rasch . » Gehen wir , es wird kühl . « Aber schon war der Knabe , der inzwischen unruhig hin und her gerückt war , aufgesprungen und hatte sich mit beiden Händen auf den Tisch gestützt , daß die Gläser leise klirrten . » Jetzt - jetzt muß ich es sagen , « brach es mit rauher Stimme tief aus seiner Brust hervor . » Konrad ! « mahnte der Lehrer ; ein verweisender Blick der Tanten traf ihn ; nur die Großmutter schaute ihn an , eine große , heiße Erwartung in den Augen . Dann aber , als sie ihn zittern sah , legte sie ihm mit rasch aufsteigender Angst die Hand beruhigend auf den Arm . Seit der Arzt ihr gesagt hatte , daß des Enkels Herz schwach sei , verdoppelte sich ihre Sorge um ihn . » Ich muß es - weil ich morgen gehe . Weil ihr Giovanni nicht leiden könnt , weil - weil - « seine Knabenstimme überschlug sich , in den Schläfenadern pochte sichtbar das Blut , während die Wangen nur um so tiefer erblaßten , » ich leide es nicht , daß ihr ihn höhnt und zankt . Mit seinen Späßen und Kunststücken hat er die Mutter lachen gemacht . Ich hatte es nie , nie gehört . Ich horchte verwundert auf , und ich lachte mit ihr ; zum allererstenmal lachte ich mit meiner Mutter ! Dann brachte man sie in ihr Zimmer hinauf , in ihr weißes , großes , kaltes Bett , « ein Schluchzen drohte ihm die