sehr verschiedenartiger Intelligenz , die führende Rolle hatten Lebewesen , die auf zwei Stelzbeinen mühsam sich weiterschleppten und sich Menschen nannten . Diese Menschen waren ursprünglich Raubtiere - das heißt : Lebewesen , die mit Klaue und Zahn über andre Lebewesen herfielen , sie töteten und auffraßen . Aus diesen Raubtierinstinkten entwickelten sich nun die abscheulichsten Gewohnheiten . Die Menschen vernichteten nicht nur die weniger intelligenten Lebewesen auf der Erdrinde , sie vernichteten sich sogar gegenseitig um der Nahrung willen . Und wenn ich auch nicht gesehen habe , daß sie sich gegenseitig auffraßen , so mußte ich doch sehen , wie sie in großen Horden zu Tausenden aufeinander losgingen und sich mit Schußwaffen und scharfen Eisenstücken die entsetzlichsten Wunden beibrachten , an denen die meisten nach kurzer Zeit starben . « » Hör auf ! « schrie da der Biba plötzlich und wurde ganz blau im Gesicht , » wie kannst Du mir das vorlesen ? Du marterst mich ja . Soll ich glauben , daß auch die Bewohner der Sonnenoberfläche auf einer derartig niedrigen Entwicklungsstufe stehen ? Niemals werde ich das glauben - ich müßte es denn mit meinen eigenen Augen sehen . Und das wäre entsetzlich . Willst Du mir meine Sehnsucht nach der Sonne rauben ? « » Aber « , sagte nun der Lesabéndio , » wie kann Dich dieser Bericht so aus der Fassung bringen ? Mußt Du nicht froh sein , daß Du auf einem Sterne lebst , dessen Bewohner ein feineres Leben führen ? Sieh , lieber Biba , ich möchte Dir gerne Deine ungestüme Begierde nach dem Sonnenleben abnehmen . Es ist nicht gut , wenn man so ungestüm nach einem anderen Leben sich sehnt und dabei die Vorzüge des Lebens , in dem man sich befindet , mißachtet . Auch das Leben auf der Erdhaut muß nach dem Buche , das ich hier in Händen habe , ebenfalls Vorzüge besitzen . « » Ich bitte Dich « , sagte darauf der Biba ganz weich , » scherze nicht : Du kannst doch nicht behaupten , daß diese Erdbewohner , die sich gegenseitig in Horden vernichten , irgendwelche Lichtseiten in ihrem Leben aufweisen könnten . « Lesabéndio lachte und widersprach und las schließlich aus dem kleine Buche , das er in seinen Händen hatte , noch das Folgende vor : » So unglaublich es klingen mag , so muß doch gesagt werden , daß sich einzelne von diesen Menschen auch mit dem Leben der anderen Sterne beschäftigen und daß sie sich künstliche Glasaugen gemacht haben , mit denen sie die übrigen Sterne in vergrößertem Maßstabe sehen . Und besonders lustig war es , als ich hörte , daß die Menschen auch den Stern Pallas entdeckt hatten . Unsern Stern nennen sie nach dem Astronomen Pallas . Dieser Astronom heißt nämlich Peter Simon Pallas , und ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen . Natürlich weiß dieser Pallas nicht viel von uns , aber er wußte doch , daß unser Stern gute vierzig Meilen im Durchmesser hat . Gesehen hat er von unserm Stern allerdings nur einen Lichtpunkt . Dieser Peter Simon Pallas hat natürlich nur unsre Atmosphäre gesehen , die von der Sonne und von dem uns nächsten großen Trabanten der Sonne , den die Menschen Jupiter nennen , beleuchtet wird . Aber es ist doch unglaublich seltsam , daß der Name des irdischen Astronomen , nach dem unser Stern genannt wird , genauso klingt wie der Name , den wir unserm Sterne gegeben haben . Man sollte deswegen auch über niedriger stehende Lebewesen auf anderen Sternen niemals zu schnell ein abfälliges Urteil aussprechen . « Bibas Gesichtszüge erheiterten sich und wurden wieder hellbraun wie sonst . Dann aber wollte der Biba das ganze Buch selber lesen , und Lesabéndio liehs ihm . Nachdem der Biba das Buch an einem Faden seines Halsbandes befestigt hatte , beschlossen die Beiden , an der steilen Felswand emporzusteigen . Sie reckten sich wieder hoch auf , wurden dann blitzschnell wieder klein und stießen sich dann mit dem zusammengezogenen Saugfuß ab , sodaß sie in die Höhe flogen - wohl dreihundert Meter hoch . Sie breiteten in der Luft ihre Rückenflügel aus , sodaß sie sich wieder der Felswand näherten , an der sie dann mit dem Saugfuß abermals festen Fuß faßten . Von dort aus sprangen sie wiederum hoch empor wie vorhin und kamen so mit einigen guten Sätzen zu den Gipfeln des Gebirges , das den oberen Rand des Pallas kreisförmig abschließt . Zweites Kapitel Es wird zunächst die Tonnenform des Pallas geschildert . Dann werden die schwirrenden Bandbahnen des Nordtrichters vorgeführt . Und dann kommt Lesabéndio mit Biba zum neuen Riesenlichtturm , den sie mit Nuse , Dex und Manesi auf Seilbahnen besteigen . Auf der Spitze des Turms erleben sie das wunderbare Schauspiel des Nachtbeginns . Während Nuse auf dem von ihm erbauten Lichtturm bleibt , begeben sich die vier anderen Herren zum Mittelpunkt des Sterns - Lesabéndio fliegt hinunter und sieht sich die Beleuchtungen des Nordtrichters an , während die drei Andern eine Seilbahn benutzen , um schneller zum Mittelpunkt des Sterns zu gelangen . Das Gebirge , das den oberen Rand des Pallas kreisförmig abschließt , hat viele hohe Gipfel und viele schroff abfallende Felswände . Der Kreis , den dieses Gebirge bildet , hat einen Durchmesser von zwanzig Meilen . Der Stern Pallas sieht äußerlich so aus wie eine Tonne . Die Höhe der Tonne von oben nach unten beträgt vierzig Meilen , die Breite in der Mitte dreißig Meilen . Und dort , wo die Deckel der Tonne sind , ist der Durchmesser der runden Deckelfläche oben wie unten zwanzig Meilen groß . Aber es befinden sich keine Deckel an dieser Tonne ; im Innern der Tonne sind oben wie unten zwei leere Trichter von zwanzig Meilen Tiefe . Die beiden Trichter stoßen mit ihren Spitzen im Mittelpunkte zusammen . In diesem Mittelpunkte befindet sich ein Loch , das im engsten Teile noch eine halbe Meile breit