der Vogel Bunt die Kirche von oben bis unten angeguckt und dann ernsthaft erwidert hatte , die brenne ja gar nicht , weil sie ganz aus Stein gemacht sei . - Da war dem Seefischer ein köstlicher Einfall gekommen , er hatte den Jungen bei der Hand genommen und neben die Kirche gelotst , ihm dort einen Apfelbaum und einen Birnbaum gezeigt und ihm gesagt , der eine sei der Großmast und der andere der Besansmast , und zwischen ihnen sei der Fischerewer , und rechter Hand sei Steuerbord , und linker Hand sei Backbord . » Dat brukst mi ne to vertillen , « hatte der Junge geeifert , » dat weet ik jo all lang ! « Na , dann solle er aufpassen , war des Seefischers Entgegnung gewesen , er wolle einmal ausfindig machen , ob der Junge schon etwas könne , ob er schon zu etwas zu brauchen sei : darum solle er auf dem Ewer zwischen den Bäumen eine Wache nehmen , wie auf See in der Schollenzeit , zwei Stunden hindurch . Der Kompaß läge Nordwest an : er solle darauf achten , daß er nicht aus dem Kurs komme , solle aufpassen , daß die Segel immer voll Wind seien und nicht klapperten , und guten Ausguck halten , damit er keine Haverei mit andern Fischerewern habe . Der Junge hatte wie ein Großer genickt und war von Herzen damit einverstanden gewesen , er hatte sogleich das Deck mit großen Schritten ausgemessen , hatte Großmast und Besan mit den wirklichen Masten verglichen und den Kopf in den Nacken geworfen und die Äste auf ihre Eignung zu Giekbaum und Gaffel geprüft . » Van Burd dött ik ober doch ne gohn , ne , Vadder ? « hatte er noch gefragt . » Och du Dösbattel , « war des Seefischers Erwiderung gewesen , » kannst du ok van Burd gohn ? Büst doch up See , is doch all Woter üm di rüm . « » Is ok jo wohr ! Wat is Seemann denn ? « » Seemann ? « Klaus Mewes hatte den struppigen Hund ergriffen und an den Birnbaum gesetzt . » Sitten blieben , Seemann ! Dat is dat witte Nachthus , Störtebeker , un sien Nüff , dat is de Kumpaß . « Nun wisse er wohl alles : er brauche nicht immer am Ruder zu stehen und das Helmholz festzuhalten , sondern könne geruhig auf Deck hin und her gehen , wie die Fischerleute es täten , hatte der Seefischer geschlossen und war in die Kirche getreten , während der Junge unter dem Geläut der Glocken und dem Gebraus der Orgel an seine erste Schiffswache gegangen war . Jetzt war Bodemann schon mitten in der Predigt , und der Junge ging immer noch ernst und wachsam zwischen Apfel- und Birnbaum auf und nieder , als ob er wirklich an Bord sei , denn er wollte beweisen , daß er schon groß genug wäre und allein die Wache gehen könne . Er wollte zeigen , daß er schon mit der See klar kommen könne , damit sein Vater ihn im Sommer mit auf den Ewer nähme , wie er ihm versprochen hatte . Wie nach Segeln blickte er nach den Zweigen hinauf . Einen Buchfink , der im Wipfel des Apfelbaumes saß , ließ er sich als Flögel gefallen . Er hatte die Hände nach Fischerart tief in die Hosentaschen gesteckt und pfiff gefühlvoll vor sich hin , spuckte auch einmal großartig in die See hinein , als wenn er bange sei , daß er kein Wasser genug habe und aufs Trockne komme . Es schien stürmisch zu sein , denn alle Augenblicke wehte ihm das weiße Nachthaus über Bord , sei es , weil eine Ratte über den Graben schwamm , oder weil sich eine Katze auf der Wurt des nahen Bauernhofes sonnte . Junge , was war das für ein Stück Arbeit ! Was sollte der Wachhabende tun ? Nachlaufen konnte er nicht , denn ringsherum war Wasser , das keine Balken hatte : er verlegte sich deshalb auf Rufen und Pfeifen , und wenn das nicht half , dachte er schließlich : och wat , nu jump ik eenfach ober Burd : ik kann jo swümmen - und lief nach der Wurt oder nach dem Graben , ergriff sein Nachthaus und schleppte es zurück , wobei er pustete , als wenn er wirklich im Wasser sei , stellte es wieder an den Birnbaum und sagte : » Du müß sitten blieben , Seemann , ans hebb ik keen Kumpaß ! « Dann guckte er verstohlen nach den Kirchenfenstern hinauf , denn er war sich nicht ganz sicher , ob er über Bord springen durfte . Klaus Mewes sah es wohl und högte sich über ihn , während ihm das Blut , das die Sonnenstrahlen geweckt hatten , heftig und stark in den Schläfen klopfte . Das war sein Junge , der kleine Mann mit den hellen Haaren , den blauen , nordischen Augen und dem wettergebräunten Gesicht , der eine graue , wollene Matrosenmütze aufhatte , um den Hals ein schottischbuntes Tuch trug , einen weißblauen Buscherump und eine marineblaue Büx anhatte und auf braunen Segeltuchschuhen ging , wie ein Janmaat , der auf Freiwache ist und sich landfein gemacht hat . Das war sein Junge ! Wer den so gehen und stehen sah , dem mochte wohl das Gedicht von Uhland einfallen : Jung Siegfried war ein stolzer Knab , - und durch die Brust seines Vaters brauste ein solches Lied , das die Orgel übertönte . Wieder nahm Klaus Mewes sich freudig und heilig vor , einen Fahrensmann aus ihm zu machen , einen Seefischer , einen so furchtlosen und verwegenen , wie Finkenwärder noch keinen gehabt hatte . Noch diesen Sommer wollte er ihn mit nach See nehmen , ob auch die Mutter weinte und die Leute den Kopf schüttelten . Lachend wollte er ihnen trotzen , denn er war es nicht