, denn ich schaffe alle Ingredienzien seiner Poesie herbei , aber ich kann das Getränk nicht zustande bringen . Du glaubst nicht , Valerius , was ich mir für Mühe gebe , poetisch zu genießen . Es weiß der Kuckuck , warum es nicht gehen will . Da ich hier nichts vernünftiges Neues und Deutsches auftreiben kann , so hab ' ich mich an ältere französische und englische Schriftsteller gemacht , wie Le Sage , Lorenz Sterne usw. Es ist merkwürdig , wie ihre Satire beinahe ganz noch auf unsere Zeit paßt . Die Menschheit muß doch viel stehende Gebrechen haben . Ihr schreibt so dürftig wie für einen Bettelmann . Gebt mir doch nicht so karge Tropfen , Ihr wißt ja , wie ich die vollen Gläser liebe . Vom Kupido gar nichts , und doch will und muß ich mit dem Kleinen in Verbindung bleiben . Bessert Euch ! - Ade . Konstantin an Hippolyt . Fähnrich , auf ein Wort ! Ihr müßt bis tief in die Nacht bei der ehrsamen Witwe von Ephesus im Promenadengäßchen gesessen haben , daß Ihr nicht dazu gekommen seid , meine Epistel zu beantworten . Ich will nicht hoffen , Pistol , daß meine Intrige so wenig Interesse für Dich gehabt hat , ich sollte doch meinen , sie müßte Deinem abenteuerlichen Sinne zusagen . Wem soll ich sie denn erzählen , wenn Du nicht hören willst . Vor Valerius hab ' ich in dieser Rücksicht eine unüberwindliche Scheu - wäre er prüde und fromm wie William , und sagte er mir wie dieser : Du bist ein unmoralischer Mensch , so würde ich lachen , und es würde mich nicht berühren : Du weißt , wie ich über objektive Moral denke . Aber ich sehe seine großen klaren Augen dabei zentnerschwer auf mich fallen und mit erdrückender Wehmut auf mir verweilen - das ertrag ' ich nicht . Ich weiß , er gestattet eine rein subjektive Sittlichkeit , aber sein wenn auch wohlwollender Blick dringt so schonungslos in alle Ritze meines Wesens , daß ich immer zu fühlen glaube , es beginne ein murmelndes Bröckeln und Lösen meiner inneren Wände . Er richtete , als ich ihm einst ein ähnliches Abenteuer erzählte , nur drei fragende Worte an mich : » Bist du froh ? « und meine phantastische Welt war auseinandergejagt wie Kosakenschwärme durch einen Kanonenschuß . Ich mag es mir nicht gern gestehen , und doch ist es so : er ist mir unbequem bei derlei Dingen . Ich halte mich dabei lieber an Dich wilden Burschen und den leichtbesohlten Kupido . Meine Schöne heißt Rosa und ist wirklich scharmant . Sie ist von der Größe , die nicht auffällt , wobei man nicht an die Größe denkt , aber in den schönsten Wellenlinien gewachsen . Die Taille schneidet sich so kühn ein , daß man daran zweifelt , und gedrängt wird , sie zu umfassen . Zu meinem großen Vergnügen ist sie frei von dem mir so verhaßten Wuchs der Weiber , welcher von der Hüfte an in einem plumpen , krummen Beine alle Leichtigkeit , Eleganz , Grazie des Ganges und der Erscheinung vernichtet . Solche Weiber sind wie die Chinesen nur zum Sitzen da , ihr Gang ist ein stetes Besiegen von Hindernissen , jeder Tritt muß erkämpft werden , - das ist mir entsetzlich lästig ; während die wohlige Freiheit in Rosas Bewegungen mich hebt und entzückt . Man findet in Abbildungen aus alter Zeit niemals eine Annäherung an jenen Knieholzwuchs des weiblichen Unterkörpers ; es scheint eine neuere schlechte Mode zu sein , die vielleicht von irgend einer übeln Angewohnheit oder Beschäftigung der Mütter herrührt . Dergleichen Dingen sollte die Medizin nachforschen , und die Polizei sollte ihr dann an die Hand , gehen - es ist eine der größten gesellschaftlichen Sünden , fehlerhaft häßlich zu sein ( eine regelmäßige Häßlichkeit ist auszunehmen ) - ich wäre überhaupt dafür , alles mangelhaft Geborene sogleich dem Chaos wiederzugeben , wie der Metallkünstler das Verunglückte wieder in die Masse wirft , und es zu ersäufen . Ich hoffe , Du weißt , Fähnrich , was ein schönes Bein ist - es ist ein Hauptvorzug der Spanierinnen , und ich gebe außerordentlich viel darauf , es ist das Motiv der Erscheinung . Rosa geht wie ein flüssiger Daktylenvers . Von der Hüfte an nämlich strebt in schönstem Schwunge die runde volle Form immer sanft nach außen , dem Schauenden sich entgegendrängend , man sieht in den sanften Linien das Weiche und Elastische ausgedrückt und ergötzt sich doch an der springenden Kühnheit des Grundzuges , welcher da , wo das Bein in die Nähe des Fußes kommt , durch den liebenswürdigsten kleinen Bogensprung die genialste Verbindung mit diesem bewerkstelligt . Zu oben gerügtem schlechten Wuchse des Unterkörpers gehört nämlich auch , daß das Bein perpendikulär auf einen horizontalen Fuß sich aufsetzt und beide zusammen das fatalste Dreieck bilden . Bein und Fuß sondern sich wie Staatsgewalten - das ist widerwärtig platt . Bei Rosa hüpft das Bein in gerundetem hohem Spann auf den Fuß , und dadurch erhält der ganze Körper jene schaukelnde über alles bestechende Grazie , welche der fliegende Poet vor dem schwerfälligen Philosophen voraus hat . Nun hat Rosa nicht die unangenehme Manier sovieler leicht und rasch gewachsenen Mädchen , daß sie in ihrem Gange tänzelte und hüpfte , eine Manier , die so unschön ist wie das Zappeln mit den Fingern - nein , sie geht , aber schön und leicht wie ein anmutiger Gedanke . Wie wenige unserer eleganten Damen wissen zu gehen ! Es muß eine Selbständigkeit , eine Unabhängigkeit im Gange sein , die ein wohltätiges Gefühl von sicherer Freiheit erweckt , der Gang muß das Zeichen des Sieges über die träge Erde sein - bei den meisten Weibern ist er das Zeichen des Kampfes . Die Straffheit der Muskeln spielt mit dem schwerfälligen Boden , wenn die Dame schön geht , sie ringt mit ihm , wenn unschön .