. Nicht ängstlich und nicht zornig . Die Ruhe kam über ihn ; gerade , als wäre er zufrieden damit , daß die geistliche Milde verschwunden war . Und er redete ohne Aufregung . » I geh ' scho , Herr Pfarra . Sie hamm g ' sagt , daß S ' mi kenna . I kenn Eahna ' r aa , recht guat kenn i Eahna . Und i woaß aa , warum ' s g ' rad bei mein Kind so hoakli is mit da Tauf . « Er ging zur Türe und hatte schon die Klinke in der Hand . Da drehte er sich noch einmal um . » Dös möcht ' i no sag ' n , Herr Pfarra . I bin net z ' wegen meiner da herganga . Es is g ' rad weg ' n der Bäurin g ' wen . Sinscht hätt ' n S ' mi wohl net g ' sehg ' n. « Und nach diesen Worten ging er . Als er auf den Gang hinaustrat , stand der Kooperator wenige Schritte entfernt , und Fräulein Lechner huschte eilig in ein Zimmer . Vöst merkte es nicht , weil ihm zuviel im Kopfe herumging . Und so entging ihm leider auch die Frömmigkeit des Herrn Kooperators , welcher eifrig in seinem Gebetbüchlein las und mit halblauter Stimme den Inhalt vor sich hin sagte . » Beschämung meiner selbst ... Unglückseliges Gedächtnis ! Wie viele boshafte Gedanken hast du zugelassen ! Unglückseliger Wille ! Wie viele unordentliche Begierden hast du ausgekocht ! O Sünde ! Wie lieblich scheinest du , da man dich begeht ! Wie bitter und abscheulich bist du , nachdem du geschehen ... Ja ... ich schäme mich ... « Den anderen Tag in aller Frühe wurde das Heidenkind begraben . Keine Glocke läutete , und kein Priester sprach ein Gebet . Die Hebamme trug den kleinen Sarg ; hinterdrein gingen der Schullerbauer , der alte Weiß und der Haberlschneider . Sonst war niemand dabei . Der Totengräber Kaspar legte den Sarg ohne viele Umstände in die Grube und warf Erde und Gras darauf . » Koa Kreuz derf ma net hi ' stecken ? « fragte der Schuller . » Na , « sagte der Kaspar , » dös geht gar it . Was moanst denn ? « » Nacha net . Jetzt is scho gleich . Geath ' s zua ! Mi hamm da nix mehr z ' toa . « Vöß drehte sich um und ging . Die anderen , folgten ihm . In Erlbach redete man ohne große Aufregung über die Begebenheit . Die Weiber hatten Bedauernis mit der Schullerin , weil ihr das Kind so unversehens weggestorben war , und bloß ein paar recht Fromme wußten es zu tadeln . Am ärgsten die Bäcker Ulrich Marie ; aber die konnte sich nie genug tun mit der Frömmigkeit . Sie war bei der Bruderschaft vom blauen Skapulier und beim Verein der heiligen Kindheit , und machte jeden Montag den heldenmütigen Liebesakt für die armen Seelen . Da mußte ihr das Heidnische weh tun . Die Männer in der Gemeinde dachten nicht viel darüber nach , wie es mit dem Kinde im Jenseits bestellt sei . Ihnen lag das Weltliche im Sinn , und sie meinten , daß es zuwider sei für einen achtbaren Mann , wenn eines so ohne Sang und Klang und neben hinaus begraben wird . Mancher glaubte , der Pfarrer hätte es nicht mit jedem so streng gemacht . Man wußte , daß er eine heimliche Feindschaft gegen den Schuller hatte . Die stammte von der Zeit her , wo der Pfarrer einen neuen Kirchturm bauen wollte . Er hatte den alten Linnersteffel und den Hanrieder überredet , daß sie etliche tausend Mark für den Bau ins Testament einsetzten . Aber es langte nicht , und da wollte er die Gemeinde überreden , daß sie Geld für den Bau hergebe . Selbiges Mal redete der Schuller dagegen ; er sagte auch , dem Linnersteffel sein Sohn hätte das Geld wohl brauchen können , das der Alte auf dem Sterbbett herschenkte . Der Pfarrer wurde rot über das ganze Gesicht und wieder schneeweiß . Er sagte , daß es schlecht aussehen müsse in dem Herzen eines Mannes , der den Priesterstand verunehre . Aber er wolle es verzeihen , wenn nur das gute Werk gelinge . Das gelang jedoch nicht , denn durch den Einfluß des Schuller fiel der Antrag durch . Hernach probierte es der Pfarrer auf andere Weise . Er ließ keine Glocke mehr läuten , und schrieb an das Bezirksamt , daß er auf dem Verbot bestehen müsse , weil der alte Turm so baufällig wäre . Es gab eine lange Streiterei hin und her . Die Gemeinde blieb fest , und der Schuller führte das Wort . Er sagte , bei Lebzeiten des alten Pfarrers Held , der doch erst ein Jahr vorher gestorben sei , da habe nie etwas verlautet von der Baufälligkeit . Weil man aber einen neuen Turm wolle und die Mittel nicht gutwillig kriege , wäre der alte Turm auf einmal wacklig geworden . Wenn es jedem recht traurig vorkomme , daß keine Glocke mehr auf Mittag und Abend läute , wäre die Gemeinde leichter bereit , das viele Geld herzugeben . So meinte der Herr Pfarrer , aber die Erlbacher meinten es anders . Nach langen Schreibereien entschied das Bezirksamt , daß der alte Turm keinen Schaden aufweise und das Läuten ertragen könne . Der Pfarrer war geschlagen und mußte seine Angst überwinden . Er ließ sich den Zorn nicht ankennen , aber im geheimen hatte er sich seine Feinde gemerkt , und dem Schuller trug er es nach und freute sich , daß er Gelegenheit hatte , ihm eines auszuwischen . Zweites Kapitel Den Sonntag vor Michaelis fand wie alle Jahre in Webling der Ball der freiwilligen Feuerwehr statt . Von Erlbach gingen viele hinüber ; die jungen Leute schon bald nach