eine Meldung hinterbracht hatte ; » die Vorstellung soll beginnen , wie mir unser Direktor meldet , die junge Künstlerin wird gleich erscheinen . « Dabei geleitete er die Herzogin zu einem eleganten Sessel in der vorderen Reihe der aufgestellten Sitze , lud mit ausgesuchter Höflichkeit den Prinzen ein , neben ihr Platz zu nehmen und ließ sich selbst auf der anderen Seite der Dame nieder . Auf der etwas erhabenen Tribüne , auf der die Vortragenden in der Akademie ihren Sitz hatten , erschien in dem Augenblick ein junges Mädchen , von einem der Herren des Vorstandes , einem Monsignore , geführt , verbeugte sich einfach vor dem zahlreichen Publikum und ließ sich an dem für sie bereiteten Tisch nieder , auf dem eine zierliche Urne stand und eine Menge Papierstreifen lagen für die aufzuschreibenden Aufgaben zur Improvisation . Die ältere Dame , die wir im Wagen schon neben dem Mädchen gesehen hatten , trat auch herein , setzte sich aber etwas in den Hintergrund zu den Herren des Vorstandes , die dort ihre Sitze hatten . » Sie ist anmutig , dieses junge Mädchen , « sagte die Herzogin , die ihre dunklen Glutaugen auf die eingetretene Künstlerin geheftet hatte ; » aber es ist kein italienischer Typus , man könnte sie für eine Deutsche halten . « » Sie ist auch halb deutsch , « versetzte der Kardinal ; » ihr Vater war ein Deutscher , wie es scheint ein gelehrter Mann , der die Tochter selbst unterrichtete und ihre geistigen Fähigkeiten zu einem hohen Grad von Bildung entwickelte . Die Mutter aber war eine echte Italienerin , in den Bergen bei Pistoja heimisch , wo die Gabe der Improvisation ganz besonders ihren Sitz hat . Und so haben wir hier das Produkt einer Mischehe , das nicht übel zu sein scheint , « setzte er mit schlauem Lächeln hinzu . Der Direktor des Vorstandes , der die Zeit über bei der jungen Künstlerin gestanden und mit ihr besprochen hatte , wie sie alles wünsche , trat in dem Augenblick vor und bat das Publikum , dem Fräulein Rosa Todei , die er die Ehre habe , hier vorzustellen , Aufgaben zu geben , an denen sie ihr wunderbares Talent betätigen könne . Zugleich kam er nun selbst mit einer Schale , auf der die Papierstreifen und Bleistifte lagen , verbeugte sich vor der Herzogin , vor dem Prinzen und dem Kardinal , und nachdem sie sich versehen hatten , übergab er einem der unteren Priester das Geschäft , das übrige Publikum zu versorgen und blieb bei dem Kardinal stehen , der ihn verschiedenes fragte , dann aber wandte sich der Prinz an ihn und sagte : » Ja , was schreibt man denn für solche Aufgaben ? Ich bin ein Neuling in der Sache und weiß mich noch nicht zu benehmen ; wo ist die junge Dame denn zu Hause ? Es gäbe doch einige Anhaltspunkte , das zu wissen . « » Sie ist in Venedig geboren und erzogen , ihr Vater war dort österreichischer Beamter und sie hat eine fanatische Liebe für das ganze Cadore , seine herrlichen Dolomiten und die großen Künstler , deren Heimat es war , « erwiderte der Direktor . » O , danke sehr , das hilft schon , « sagte der Prinz lächelnd und schrieb etwas auf seinen Papierstreifen , den er zusammenfaltete und dem Direktor übergab , der ihn nebst denen der Herzogin und des Kardinals entgegennahm und an den Tisch der Improvisatrice trug , wohin inzwischen eine Menge anderer beschriebener Blätter gebracht worden waren . Die junge Künstlerin , die wir fortan kurzweg mit dem Namen Rosa bezeichnen wollen , erhob sich jetzt von dem Sessel , auf dem sie sich niedergelassen hatte und richtete ihre Augen zum erstenmal ruhig und forschend auf das unbekannte Publikum , gleich als wollte sie sehen , wes Geistes Kind es sei und mit wem sie es zu tun habe . Erst nachdem sie die größere Masse überschaut hatte , streifte ihr Blick die vordere Reihe , blieb einen Augenblick wie gefesselt auf der Herzogin haften , deren Augen auch an ihr voller Spannung hingen und folgte unwillkürlich der Wendung , die die Herzogin dem Prinzen zu machte , dem sie in ihrer lebhaften italienischen Art ziemlich laut sagte : » O , wirklich , sie ist ganz reizend , diese junge Dichterin , finden Sie nicht , Prinz ? « Rosa hatte offenbar die Worte gehört , denn ein zartes Erröten flog über ihr Antlitz und unwillkürlich fiel ihr Blick nun auch auf den Prinzen und begegnete dessen sich nach den Worten der Herzogin zu ihr wendendem Auge , dessen freundlicher Ausdruck sie sympathisch berührte . Dies alles war jedoch nur der Vorgang einer Minute ; nun , ernst und voll Würde sich zu ihrer Aufgabe wendend , stand die schlanke , feine , jugendliche Gestalt , in einfachem weißen Kleide , das sie nach damaliger Sitte noch in schönen Falten umschloß , etwas nach vorn gebeugt und schaute auf die Schale , gleich als ob sie das Schicksal bitten wollte , ihr eine günstige Aufgabe zuzuführen . » Sie sieht aus wie eine Priesterin , wie eine Vestalin , « sagte der Prinz ; » gewiß , ihre Seele hütet noch das heilige Feuer wahrer Idealität , so rein und edel ist der Ausdruck ihrer sanften , liebenswürdigen Züge . « » O , Hoheit schwärmen schon vor der Leistung , was wird es nun erst nachher sein ! « versetzte der Kardinal mit ironischem Lächeln . » Ja , die Eroberung ist etwas schnell gegangen , « bemerkte die Herzogin nicht ohne einen Anflug von Gereiztheit , der ihr schönes Antlitz mit einer Wolke überzog . » Aber sehen wir , was sie uns zu hören geben wird , sie zieht eben einen Zettel hervor . « Die Improvisatrice hatte einen Zettel aus den vielen herausgezogen , entfaltete ihn und las mit wohltönender Stimme laut und deutlich