wäre die Uniform gutgestanden - warum haben Sie ihn nicht zum Militär gegeben ? « Pater Protus war eine Zeitlang Feldkaplan gewesen und hatte sich eine große Vorliebe für die Angehörigen des Militärs bewahrt . Die Erinnerung an die in Gesellschaft fröhlicher Offiziere zugebrachten Stunden gehörte zu seinen liebsten Erinnerungen . Zweiunddreißig Jahre alt , aufgeweckten Geistes , lern- und lebenslustig , war er von jeglichem Sektengeist , von jeglicher muckerischer Strenge weit entfernt . Als Gesellschafter war er allgemein beliebt . Er wußte ebensowohl auf Scherze einzugehen , als an wissenschaftlichen Diskussionen teilzunehmen . Natürlich hatten seine Freunde den Takt , dem Priester gegenüber bei Scherzen keinen zu frivolen , bei Diskussionen keinen glaubensverletzenden Ton anzuschlagen . Ebenso zurückhaltend war Pater Protus : im gesellschaftlichen Verkehr schlug er niemals einen lehrhaften , bekehrenden Ton an . Ob er nicht auch selber in seinem Innern mit manchen Dogmen gebrochen , das konnte aus seinen Äußerungen niemals hervorgehen , doch lag in seiner Art mit notorisch freidenkenden Menschen ein Zug stillschweigender Achtung . » Ein hübscher Junge , Ihr Sohn , « sagte er zu Doktor Bresser , » dem wäre die Uniform schön gestanden , warum haben Sie ihn nicht zum Militär gegeben ? « » Gegeben ? Ich ? Er hat sich seinen Beruf selber gewählt . Er ist Schriftsteller . « » So-o ? « machte der Oberst . » Ist denn das überhaupt ein Beruf ? « » Ich sollte meinen , einer der allerschönsten , « bemerkte Pater Protus . » Und ich denke , Schriftstellerei kann man doch nur so nebenbei betreiben ; es ist ja doch keine Karriere - mit regelmäßigem Vorrücken , mit gesichertem Erwerb . « » Das freilich nicht . Aber da mein Sohn von seiner Mutter ein genügendes , selbständiges Vermögen geerbt hat - « » Ich verstehe « , unterbrach der Oberst , » so privatisiert er . « » Im Gegenteil - er hat sich die breiteste Öffentlichkeit als Lebensweg gewählt : er ist Schriftsteller und Journalist . « » Journalist ? - Also der Beruf der Leute - ich glaube Bismarck hat ihn so genannt - die ihren Beruf verfehlt haben ? « » Ich finde den Journalismus einen sehr schönen Beruf , « fiel der Pfarrer lebhaft ein . » Ein lieber , sehr geschätzter Freund von mir schreibt die Kunst- und Musikreferate für die Neue freie Presse - « » Es nimmt mich Wunder , daß ein geistlicher Herr das bekannte Judenblatt - « » Oh , ich stehe nicht auf dem antisemitischen Standpunkt , Herr Oberst . Und für welche Zeitung arbeitet Ihr Sohn , Doktor Bresser ? « » Für zehn verschiedene . Doch vom künftigen Oktober ab wird er eine Stelle als ständiger Redakteur eines neu gegründeten politischen Blattes antreten . « » Hoffentlich ein gutgesinntes ... Einerlei : als Leutnant ... jetzt könnte er auch schon Oberleutnant sein - wäre mir Ihr Sohn doch lieber , wie als - verzeihen Sie - als Federfuchser . Hätten Sie ihn rechtzeitig in eine Militärakademie gesteckt ... Aber Sie sind ja ein alter Freund der Baronin Tilling - folglich ein geschworener Militärfeind - « » Militarismusfeind . « verbesserte Bresser . » Das bleibt sich gleich . Wenn einer eine Sache nicht mag , so fügt er ihrem Namen ein gehässiges ismus an . Nicht wahr , Herr Pfarrer , die Feinde der Kirche sagen auch beileibe nicht , daß sie etwas gegen die Religion oder gegen die Kleriker haben - nur dem Klerikalismus sind sie feind - « » Ich fühle da doch den Unterschied , « erwiderte Pater Protus . Dann an Doktor Bresser gewendet : » Ihr Sohn kommt mir heute sehr schweigsam und melancholisch vor . Ist er oft so ? « » Er ist gewöhnlich ernst ; doch ist mir es auch aufgefallen , daß er heute etwas verstimmt scheint . « Der junge Mann , von dem die Rede war , saß an einem Tisch und blätterte in illustrierten Zeitschriften . Aber sein Blick haftete nur zerstreut auf den Bildern , immer wieder irrte er in die Richtung , wo Sylvia und Denitzky nebeneinander standen . Seit Jahren schon trug Hugo Bresser eine schwärmerische Neigung für Sylvia im Herzen . In bewußter Hoffnungslosigkeit zwar , denn er maßte sich nicht an , der gefeierten , reichen Aristokratin als Freier sich zu nahen . Was ihm aber heute in Gebaren und Mienenspiel an dem Paare aufgefallen , hatte seine Eifersucht entfacht . Selber auf ein Glück verzichten , ist schon schwer genug - aber einen andern in dessen Besitz zu sehen , ist unerträglich ... Wenn ich recht erraten , sagte er sich - so werde ich dieses Haus meiden - ich könnte da nicht zusehen . Und dabei : er ist ihrer nicht wert ... Nur dem Besten , Gescheitesten , Edelsten wäre sie zu gönnen ... aber dieser Dutzendmensch ! ... Ist es nicht schon bedauerlich genug , daß der herrliche Rudolf sich ein Dutzend-Komteßchen nahm ... Indessen waren die beiden Großmütter in das Schlafzimmer der jungen Frau gegangen , ihr einen Besuch abzustatten . Beatrix Dotzky , in schleifen- und spitzengeschmücktes Nachtgewand gehüllt , lag in ihrem Bette und hielt den kleinen Fritz im Arm . Kammerfrau und Wärterin standen daneben . Gräfin Lori eilte auf ihre Tochter zu : » Also Trixi - wie geht ' s ? Gib mir das Wurm ein bissel her ... So ein lieber Schneck . Die ganze Mama - und Du siehst mir ähnlich , folglich die ganze Großmama - ich kann zwar nicht behaupten , daß mich dieser Titel entzückt ... « » Er will Dir auch gar nicht passen , liebste Mama ... « » Aber mir paßt er doch , Beatrix , nicht wahr ? « sagte Martha . » Gib mir den Kleinen , Lori . « Gräfin Griesbach ließ sich nicht bitten und legte das Kind auf Marthas Arme . » Und jetzt laß