den Tschibuk nicht aus deinem Maul haben will ; er brennt sich den Tabak selber an . « Infolge dieser Belehrung holte der Somali eine andere Pfeife und andere Kohle . Der Engländer griff zu und that einige Züge ; da machte seine Nase eine energische , sich sträubende Bewegung , worauf diese zweite Pfeife hin zur ersten flog . » Was ist ' s ? « fragte der Wirt . » Warum wirfst du auch diesen Tschibuk weg ? « » Duchan5 miserabel ! « antwortete der Gefragte . » Du sprichst vom Tabak , aber ich verstehe dich nicht . Was bedeutet das andere Wort ? « » Duchan battal ! « lautete nun der ganz arabische Bescheid . » Ich habe keinen bessern . Wenn es dir bei mir nicht schmeckt , so kannst du gehen ! « » Kahwe ! « befahl hierauf der Gast , der ruhig sitzen blieb . Der Somali ging zum stets brennenden Mangal6 , bereitete eine Tasse Kaffee und brachte sie ihm . Der Inglis roch daran , that versuchsweise einen kleinen Schluck , goß dann die Tasse aus und rief mit einer Gebärde des Abscheues : » Kahwe battal dschiddan7 ! « » Wenn er dir nicht schmeckt , so kannst du gehen ! « meinte der Wirt im orientalischen Gleichmute , fügte aber vorsichtig hinzu , » nachdem du vorher bezahlt hast ! « » Kaddaisch tamano8 ? « erkundigte sich der Engländer . » Ischrin kurusch - - zwanzig Piaster . « Das war eigentlich eine Prellerei und sollte eine Strafe für das beleidigende Verhalten des Gastes sein . Dieser zog gleichmütig ein Geldstück aus der Tasche und warf es hin ; der Somali hob es auf und brachte es dem Wirte . Als dieser Miene machte , herauszugeben , deutete der Engländer durch eine wegwerfende Handbewegung an , daß er nichts wiederhaben wolle . Den erstaunten Gesichtern der beiden andern war deutlich anzusehen , daß der zurückgewiesene Ueberschuß ein bedeutender war . Ich wunderte mich gar nicht über diese Generosität , die meinem alten , braven David Lindsay zur zweiten Natur geworden war . Lindsay - - da habe ich nun doch verraten , wer dieser graukarrierte Fremde war ! Ja , man denke sich mein und Halefs Erstaunen und unsere Freude , Lord Lindsay so unerwartet hier zu sehen ! Ich wußte , daß er jetzt jahrelang nicht in seinem Altengland gewesen war ; er hatte sich immerwährend auf Reisen befunden und mir vor vierzehn Monaten aus der Kapstadt den letzten Brief geschrieben . Wohin er sich von dort aus wenden wolle , hatte er nicht erwähnt . Nun kam er heut plötzlich hier hereingestiegen , ganz genau in demselben eigentümlichen Habitus , in welchem ich ihn damals in Maskat , und zwar auch in einem Kaffeehause9 , zum erstenmal gesehen hatte ! Und mehr noch als über diese Begegnung an sich , war ich über seine Sprache erstaunt . Wir waren damals so lange , lange Zeit durch die verschiedensten Gegenden des Orientes geritten und hatten hier und da so langen Halt gemacht , daß eine Anbequemung an die betreffenden Sprachen und Sitten doch eigentlich selbstverständlich gewesen wäre ; aber es war dem » veritablen Englishman « nicht einmal im Traume eingefallen , sich auch nur etwas von den Gewohnheiten und der Ausdrucksweise der Leute , mit denen wir zu verkehren hatten , anzueignen . Weil er Engländer war , glaubte er , in jeder Beziehung durchaus nur englisch sein zu müssen , und gab sich nicht die geringste Mühe , ein türkisches , arabisches , kurdisches oder persisches Wort im Gedächtnisse zu behalten . Daß er Deutsch verstand und sprach , wäre ein Wunder zu nennen gewesen , wenn ihm diese Kenntnis nicht schon während seiner Knabenzeit von einer deutschen Verwandten mütterlicherseits beigebracht worden wäre . Er hegte die unerschütterliche Ueberzeugung , sich selbst auf dem fernsten und unbekanntesten Erdenpunkte mit englischem Wesen und ausschließlich englischer Sprache leicht und mühelos bewegen zu können , und war der Ansicht , daß auch das geringste Abweichen von dieser Gepflogenheit eine Beleidigung seiner Nation bedeute . Diese Einseitigkeit war uns oft in hohem Grade unbequem geworden . Wenn man sich mit einem Begleiter , der die Sprache und die Sitten des Landes nicht kennt und versteht , unter fremden , vielleicht gar nur halb civilisierten Völkerschaften bewegt und dabei oft das Unglück hat , in gefährliche Lagen zu geraten , so versteht es sich ganz von selbst , daß die Anwesenheit eines solchen Gefährten , und wenn er sonst der beste Mensch der Erde wäre , nicht nur hinderlich und störend , sondern unter Umständen sogar verhängnisvoll werden kann . Das aber hatte Lindsay niemals einsehen wollen , und so kann man sich mein Erstaunen denken , als ich hier in Basra auf einmal hörte daß er plötzlich das Arabische nicht nur verstand , sondern es , freilich noch sehr fehlerhaft , auch sprach ! Er hatte sich jedenfalls jahrelang und zwar mit großem Fleiße mit dieser Sprache beschäftigt , und daß er das gethan und die darauf verwendete Mühe nicht für weggeworfen gehalten hatte , das war es , was mir an ihm vollständig fremd vorkam und mich mit Verwunderung erfüllte . Hierzu kam ein Umstand , welcher mich bewog , mich über diese seine mir so überraschende Sprachfertigkeit herzlich zu freuen : Wenn er mit uns nach Persien ritt , wo man sich ebensosehr der arabischen wie der Landessprache bedient , war es für uns , und besonders für mich , eine große Erleichterung , nicht jemanden bei uns zu haben , der aus Mangel an Sprachkenntnis keinen Eingeborenen verstehen konnte und dem ich also , wie das mit Lindsay früher ja der Fall gewesen war , jedes Gespräch zu übersetzen und alle nur einigermaßen wichtigen Vorkommnisse extra zu erklären hatte . Denn daß er mit uns reiten würde , das unterlag gar keinem Zweifel . Die Absichten , welche ihn hierher geführt hatten ,