häufig unterbrechen mußte . Der Orientale freilich ist das so gewöhnt , daß er gar nichts Auffälliges daran findet . Seit er wußte , daß ich verheiratet war , sprach er gelegentlich auch von meinem » Harem « , von meinem Frauenzelte . Emma , den Namen meiner Frau , hatte er in Emmeh umgemodelt , und es verstand sich bei ihm ganz von selbst , daß die Verhältnisse dieser meiner Emmeh ganz genau dieselben wie diejenigen seiner Hanneh seien . Mein Harem durfte nicht den geringsten Vorzug vor dem seinigen besitzen , und durch die leiseste Andeutung eines Vorteiles des meinigen vor dem seinigen konnte ich ihn , wie man sich auszudrücken pflegt , fuchsteufelswild machen . Zu erwähnen darf ich nicht vergessen , daß er sich früher alle mögliche Mühe gegeben hatte , mich zum Islam zu bekehren ; aber die von ihm damals nicht geahnte Folge davon war , daß er jetzt Isa Ben Marryam8 hoch über Muhammed stellte ; er war in seinem Innern Christ geworden und nicht nur seine Hanneh , sondern auch die meisten Haddedihn mit ihm . Unsere früheren Reisen hatten wir meist allein oder doch mit nur geringer , gelegentlicher Begleitung unternommen ; dieses Mal aber befanden wir uns in größerer Zahl beisammen , und das war folgendermaßen gekommen : Der Araber ist der Ansicht , daß die Ehre um so größer sei , je länger der Name ist ; darum pflegt er seinem Namen diejenigen seiner nächsten Vorfahren anzuhängen . So nannte sich Halef , als ich ihn kennen lernte , Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah . Sein Vater hatte also Abul Abbas und sein Großvater Dawuhd al Gossarah geheißen . Ihnen beiden und auch sich selbst gab er den Titel Hadschi , welcher einen Mohammedaner bezeichnet , der in Mekka gewesen ist . Dabei aber war weder er selbst noch sein Vater oder sein Großvater jemals dort gewesen . Später kamen wir allerdings einmal nach dieser heiligen Stadt des Islam , aber nur für kurze Zeit ; ich wurde als Christ erkannt , mußte fliehen9 und kam glücklicherweise mit dem Leben davon . Seit jener Zeit war es einer meiner größten Wünsche , noch einmal nach Mekka zu gehen . Ich war erfahrner als damals , geübter in der Sprache und bewanderter in den Umgangsformen . Ich kannte jetzt die religiösen Gebräuche und alle darauf bezüglichen Maßregeln und Aeußerlichkeiten so genau , daß ich gewiß sein konnte , für einen Mohammedaner gehalten zu werden . Erst jetzt sah ich es ein , welche Verwegenheit es damals von mir gewesen war , eine Stadt zu betreten , in welcher jeden Christen der fast sichere Tod erwartet , und um so reger wurde das Verlangen , es mit dieser Gefahr noch einmal , und zwar besser vorbereitet , aufzunehmen . Ich hatte den Islam und den größten Teil der von seinen Bekennern bewohnten Länder kennen gelernt ; ich war zweimal in Kaïrwan gewesen , der den Christen damals auch streng verbotenen heiligen tunesischen Stadt , und hatte das Wagnis glücklich überstanden ; warum sollte ich nicht wenigstens den Versuch machen , diesen meinen Wanderstudien durch einen längeren Aufenthalt in Mekka einen befriedigenden Abschluß zu geben ? Freilich wußte ich gar wohl , daß dieses Unternehmen grad für mich gefährlicher als für jeden andern war . Die mohammedanischen Gegenden und Orte , wo man mich als Christen kennen gelernt hatte , waren gar nicht herzuzählen . Ich hatte mir da viele , viele Freunde erworben , aber auch manchen Schurken zum unversöhnlichen Feind gemacht . Dazu kam , daß meine Gesichtszüge leider so charakteristisch sind , daß sie sich selbst einem gewöhnlichen Gedächtnisse für lange Zeit , wenn nicht für immer , einprägen . Durfte ich erwarten , daß während meiner Anwesenheit in Mekka keiner von den vielen Menschen , die mich kennen gelernt hatten , dort sein werde ? Also , ich wußte sehr wohl , was ich wagte ; aber die Gefahr lockte fast noch mehr als der Wunsch selbst , und so nahm der Vorsatz , diesen letzteren auszuführen , schließlich eine solche Festigkeit an , daß es weiter nichts als nur der Gelegenheit dazu bedurfte . Sie ließ nicht auf sich warten ; sie stellte sich durch meinen diesmaligen Besuch bei den Haddedihn ein . Halef war gewöhnt , daß ich stets , wenn ich zu ihm kam , einen längeren Ausflug mit ihm unternahm . Als er mich fragte , welche Gegend ich jetzt besuchen wolle , und ich ihm nur das eine aber bedeutungsvolle Wort Mekka sagte , erschrak er zunächst , fühlte sich dann aber , grad so wie ich , von der Gefahr doppelt angezogen . Für ihn war natürlich die Hauptfrage , was seine Hanneh , die » wohlthätige Pflegerin seines Erdenglückes « , dazu sagen werde . Wir besprachen darum erst alles unter vier Augen und begannen dann , hie und da eine vorsichtige Bemerkung fallen zu lassen , welche auf unsere eigentliche Attacke vorbereiten sollte . Aber die kluge » Sonne unter allen Sternen des Frauenfirmamentes « durchschaute uns schon nach den ersten , leisen Andeutungen und forderte uns auf , nicht mit ihr Versteckens zu spielen , sondern mit der Wahrheit offen hervorzutreten . Dem Hadschi erschien das doch zu gewagt ; er verschwand schleunigst aus dem Zelte , in welchem wir mit ihr saßen . Ich blieb und teilte ihr nun aufrichtig meine Absicht mit und den darauf bezüglichen Wunsch , daß Halef mich begleiten möge . Jetzt war ich voll gespannter Neugierde , was sie antworten werde . Sie sah eine Weile schweigend und überlegend vor sich nieder und sagte dann : » Er soll dich nicht allein begleiten , Effendi ; ich reite mit ! « Man mag sich mein frohes Erstaunen denken ! Sie sah es mir an und fuhr lächelnd fort : » Das hast du nicht erwartet ? Und doch ist der Grund so leicht erklärlich ! Ich