widerwillig folgte er . » Einmal Herr und Meister sein ! « stöhnte er grimmig vor sich hin , » gebieten können , strafen und belohnen dürfen , Achtung erfahren , Frieden haben , keine ungerechten Vorwürfe einstecken müssen - und wäre es auch nur auf eine einzige Stunde - oder eine halbe ! « Draußen auf dem weiten Dorfplatze im grellen Vormittagssonnenschein unterhielten sich Gruppen steifgekleideter Sonntagsbauern , das Kirchengesangbuch in der Hand . Ohne sich zu rühren , glotzten sie ihn an . » Prächtiges Kirschenwetter heute « , rief Conrad im Vorübergehen leutselig . Antwort erhielt er keine . Da runzelte er die Stirn . » Mach dich gemein , laß dich herab , sei freundlich und zuvorkommend , sofort lassen sie dichs büßen . « An der Hausecke des Pfauen , gegen die Terrasse , balgten sich unter wieherndem Gelächter der Portier und Benedikt , der Kutscher . Der Portier , die Mütze schief auf dem Hinterkopf , schlenkerte das Bein gegen Benedikt , das dieser zu packen trachtete . Beim Anblick des jungen Meisters trat der Kutscher grüßend zur Seite , der Portier dagegen , nachdem er erst unwillkürlich nach seiner Mütze gegriffen , besann sich anders , behielt sie auf dem Kopf und setzte das rohe Spiel fort . Der Leutnant bedachte ihn mit einem scharfen Blick , dann schwenkte er nach dem Seitenpförtchen neben der Küche ins Haus . Vor der Schwelle stockte er mit einem Ausruf der Entrüstung . Nämlich Taubenfedern lagen herum , und einige rote sternförmige Tropfen Blutes bedeckten die oberste Stufe . » Hat da wieder einmal so ein armes unschuldiges Täubchen sein junges Leben lassen müssen , damit irgendein verwöhnter Lecker seinen schalen Gaumen mit dem magern Bissen kitzle ! « Ehe er eintrat , schöpfte er , rund um sich blickend , einen großen Atemzug freie Luft . » Mut ! « murmelte er , während ihn Ekel durchschauderte . Hernach schritt er leise über die Schwelle in den Hausgang , wo er argwöhnisch lauschte wie auf Feindesboden . Nichts Verdächtiges in der Nähe ; Leere ringsum und Stille in den Räumen . Das Unheil schlief also irgendwo in einem entlegenen Versteck , unter einem Strohwisch . Nur von der Küche , aus verwinkelter Ferne drang der Zank der Basen an sein Ohr . Aber wenn das einen wohlmeinenden Zank bedeutete , wie lautete dann ein übelmeinender ? Ein Duett , als ob zwei tropfnasse Katzen mit verknoteten Schwänzen durch einen Affenkäfig gepeitscht würden . Belustigt , mit der Wonne des Gemaßregelten , wenn seine Zuchtmeister aneinander geraten , weidete er sich an dem Konzert . » Jetzt laßt sehen , wer wird Meister ? die Hexenbase oder die Rosinenbase ? « , und er ließ mit erhobenen Händen die Zeigefinger gegeneinander fechten , wie das Krokodil und der Teufel im Kasperletheater . Darüber flog die Küchentür auf , und Flucht und Verfolgung tanzten in den Korridor . Den erläuternden Text gewährte die grölende Stimme der Hexenbase : » Pack dich ! drück dich ! hüpp ! alehoppla , marsch ! « » Wart nur « , drohte es zurück , im greinenden Ton eines gesteinigten Propheten , » wart nur ganz ruhig , bis der Conrad einmal Meister wird . So jagt er dich aus dem Hause , wie du mich heute aus dem Hause jagst . « » Amen , es geschehe ! « betete Conrad und begab sich ins Speisezimmer . Es war noch menschenleer . Ein Gemisch von kühlem Frühling und warmem Sonnenstrahlenbad - » frappierter Sommer « , dachte er - zog durch das saubere , wohnliche Gelaß aus und ein . Freundliche Reinheit um und um . Auf den gedeckten Tischen funkelten die Gläser und Wasserflaschen wie Nebensonnen . Ein kleiner Tisch für die Familie , ein langer , etwas getrennt davon , für das Gesinde der Aufwärterinnen . Beide mit Fliedersträußen geschmückt und das Besteck so regelrecht geordnet wie mit dem Zollstab abgemessen . Da überkam ihn eine Pulswelle Lebenslust , daß er anfing , eine muntere Marschweise vor sich hin zu pfeifen . Wie er indessen an der Wohnstube vorübergeriet , zuckte er zusammen , verstummte und schlich sich verstohlen ans nächste Fenster hinüber . Er hatte durch die klaffende Lücke der nur zu Dreivierteln geschlossenen Tür die Gestalt des Vaters wahrgenommen , der drinnen in der Wohnstube im Lehnstuhl saß . Nur einen Augenblick , allein es hatte ihn wie ein Faustschlag getroffen . Und nun schwebte ihm das verhaßte Bild , von der Phantasie vergrößert , in ungeheuerlichen Umrissen nach , riesenhaft und schwarz . Dabei drehte sich etwas in ihm um , feindselige Gefühle an die Oberfläche fördernd ; und mit klopfenden Pulsen , die Stirn an eine Fensterscheibe gedrückt , starrte er auf die Terrasse hinab . Da , während er also ziellos hinbrütete , tauchte unversehens der frevelhafte Spruch seiner Schwester in seinem Gedächtnis auf . » Wer weiß denn , wie lange er überhaupt noch lebt ! « Ob er das Wort noch so heftig verbannte , es kam wieder und hüpfte unablässig in seinem Ohr . Gewiß nicht als Wunsch und Hoffnung - pfui ! - sondern einfach als eine Frage . Und schließlich , im Grunde , warum sollte er sie nicht beantworten ? Eine unbezwingbare Neugierde wuchs in ihm heran , so daß er sich eine Schrittlänge seitwärts am Fenster zurückstahl , bis sein Blick durch die Türspalte den Vater streifend erreichte , die rechte Seite des Körpers und , je nachdem jener sich bewegte , auch den Kopf . Und nun begann er ihn verhaltenen Atems zu beobachten , wie er ihn noch nie beobachtet hatte , mit dem lauernden Blicke des Spions , welcher nach des Feindes Schwächen späht . Im einzelnen prüfte er ihn , von oben bis unten , um es schließlich zusammenzurechnen : das schreckliche Antlitz , glatt und bartlos , mit braunen Flecken schauerlich getigert , die fürchterlichen , rot unterlaufenen Doggenaugen , den