dem Ritter und als er nahe daran war , zu siegen , zog jener ein elfenbeinernes Kruzifix heraus und hielt es dem Bösen hin . Der Satan stieß ein schreckliches Geheul aus und sprang in großen Sätzen davon . Da trat aus einer Lücke in dem Kreis der Zuschauer der alte Jude , stieg über die niedrige Planke hinweg und sein langer Kaftan flatterte im Abendwind , als er auf das blasse Mädchen zuschritt . Sie schlug ihre Augen zu ihm auf und schüttelte sich plötzlich wie im Fieberfrost ; seine Blicke bohrten sich gleich Nadeln in sie ein und sie las etwas in dem flackernden Feuer dieser Augen , das lange schon ihre Seele mit grüblerischer Furcht erfüllt hatte . Es war , als ob ihre Seele auf einmal von frühen Erinnerungen der Kindheit ergriffen würde und darüber erschüttert wäre . Der rotbärtige Jude hatte seine Finger um ihren Arm gelegt , daß sie wie Spangen sich schlossen , und er blickte sie unverwandt an , als ob er einen Wunsch , einen unwiderstehlichen Befehl tief in ihr Herz zu senken wisse , so daß kein Wesen daran zu rühren vermochte . Die Musik schwieg , der Lärm in der nahen Runde dämpfte sich zum Gemurmel , viele empfanden ein zielloses Grauen , viele nur Neugier und Erwartung . Den Fluß hörte man rauschen , der Wind strich durch die Bäume ; er warf gelbe Blätter herab und eine leichte Kühlnis ging herbstahnend über den Anger . Der Jude beugte sich nieder und murmelte in des Mädchens Ohr : » Gedenkst du noch an den Feuerbrand in deiner Heimat , Zirle ? An den Vater , an die Mutter , an die Brüder und an alle andern , die tot sind ? Zirle , denkst dus noch ? « Tränen flossen über des Mädchens Wangen und es schaute völlig verloren in eine vergangene Nacht . Und der Alte fuhr fort : » Um die Mitternacht des nächsten Vollmondes mußt du zu mir kommen ; du wirst Zacharias Naar zufinden wissen , wo es auch sei . Den Messias verkündige ich , dem die geheimnisvollen Tiefen der Wesenheiten offenbar geworden sind . « Ein unwilliges Murren erhob sich über die Störung des Festes und der Fröhlichkeit . Zacharias Naar wandte sich ab von dem Mädchen und schritt bald darauf langsam dem Ausgang des Angers zu . Niemand kannte ihn , alle wichen ihm aus und schnell lief ein Wort von Mund zu Mund : Ahasverus . » Ja ja , er laufft umher wie der tolle Judt , « sagte ein verschrumpftes Weiblein und schnüffelte mit der dünnen Nase in der Luft umher . Sie wisse einen Spruch , erzählte sie mit klirrender Stimme den jungen Leuten , die sie umstanden : Der Jud ' Ahasverus weit und breit vor alters und vor dieser Zeit bekannt , geht nun durch alle Welt , red ' t alle Sprachen , veracht ' das Geld Was er von Christo reden tut , kannst hören hie , doch mit Unmut . Veracht ' ihn nicht , laßt wandern ihn , weil Gott ihm geben solchen Sinn : daß er von Christo , seinem Sohn , red ' t alles Guts und ohne Hohn Ihn zehret ungemessne Pein , es ängstet ihn der Sonnenschein , dein Urtel , wie es auch mag sein , laß Gott , der kennt das Herz allein . Zacharias Naar schritt durch die dunklen Straßen des Orts zum Tempel der Juden . Dort war noch Gottesdienst , denn es war der Vorabend des Versöhnungsfestes . Bald stand er unbeachtet unter der Menge der Gebete Murmelnden , den Tallis um die Schultern , und starrte mit glühenden Augen gegen den Altar . Keine friedliche Feststimmung herrschte in diesem Raum . Jeder schien seinem Gott für sich zu dienen , und bisweilen entstand ein unbestimmter Lärm , in dem sich eine schreiende oder keifende Stimme abhob . Ein dumpfer Höhlengeruch erfüllte das Gotteshaus ; es roch nach altem Leder , nach alten Gewändern , nach Rauch und faulem Holz . Kinder standen umher und glotzten mit stumpfsinniger Andacht in Bücher mit gebräunten Blättern . Der Raum glich einem unterirdischen Gemach für Verschwörer , einer Büßerklause für Asketen ; nichts von Lebensfreude und nichts von Gottesfreude war hier zu finden . Die Lichter qualmten und wer aus freier Luft hereinkam , glaubte alsbald in eine schwül-qualmende Schlucht zu versinken . Das letzte Kaddisch war beendet ; alle rüsteten sich zum Aufbruch . Da schritt Zacharias Naar dem Altar zu und erhob die Hand : ein Zeichen , daß er zu reden wünsche . Es wurde still und aller Augen wandten sich dem Fremdling zu . Der begann , - nicht laut und scheinbar mehr für sich selbst . Er sprach zuerst in hastig hingeworfenen Worten von der Niedrigkeit und Erbärmlichkeit des jüdischen Volkes ; von der Unterdrückung , die es erlitten , und von der Zerstreuung in alle Teile der Welt . Dann , als er gewiß war , daß alle aufmerksam lauschten , wurde seine Stimme lauter , sie verlor den belanglosen Ton und seine Augen begannen zu blitzen . Er rief den alten Gott der Juden an , der Verheißung auf Verheißung gehäuft und die Armut über sein erwähltes Volk geschüttet habe und die Qualen der Heimsuchung , ärger als zur Zeit der ägyptischen Plagen . Es wurde totenstill . Selbst die Mauern schienen zu lauschen und die Worte mit Begierde einzusaugen . Der Redner fuhr fort : » Der Zorn des Herrn ist entbrannt wider sein Volk , und er streckt seine Hand aus und er schlägt es , so daß die Berge erzittern und ihre Leichen wie Kehricht auf den Straßen liegen . Haben sie uns nicht beschuldigt : ihr vergiftet unsere Brunnen ? haben sie nicht unsere Brüder hingeschlachtet zu Tausenden ? Haben sie nicht geschrien : ihr nehmt das Blut unserer Kinder zum Opfer beim Passahfeste ? Ihr nehmt das Blut und braucht es für euere