, sich ironisch tief verbeugend . Also , adieu , Schatz , bis heute abend ! Au revoir , Herr Hauptmann ! Und , wenn ich Ihnen raten darf , gehen Sie heute abend mit Ihren Galanterien etwas sparsamer um : die Konkurrenz ist zu groß . Wenn alle Damen mir durch ihre Liebenswürdigkeit die Galanterie so leicht machten ! Adele , Dein Mann ist positiv gemeingefährlich . Du mußt ihn kürzer in den Zügel nehmen ! Ist schlechterdings unmöglich , gnädige Frau . So sagt Ihr Männer stets . Übrigens das » gnädige Frau « darf ich mir wohl verbitten . Ich denke , wir nennen uns einfach bei unsern Vornamen , wenn wir unter uns , und meinetwegen : lieber Cousin und liebe Cousine , wenn wir unter Leuten sind . Seien Sie versichert , daß ich diese Erlaubnis wie einen höchsten Orden tragen werde . Nun mach aber , daß Du fortkommst ! rief Adele , Du verdrehst mir ihm ja völlig den Kopf . Aber Schatz , von Zeit zu Zeit einem Manne den Kopf zu verdrehen , das ist doch noch der einzige Spaß , den wir im Leben haben . Sie war zur Flurthür hinausgeschlüpft , Adele hatte sich in den Arm ihres Gatten gehängt , während sie über den dunklen Korridor nach dem Wohnzimmer gingen . Sie meint es gewiß nicht so , sagte Adele , den untergefaßten Arm zärtlich drückend . Ich weiß nicht , erwiderte Elimar ; ihre Augen schienen mir das Programm zu bestätigen . Ja , was ist das nur mit ihren Augen ? rief Adele . Es ist mir auch aufgefallen . Die sind gar nicht mehr wie vor vier Jahren . Hast Du nicht auch die Empfindung , daß sie in ihrer Ehe nicht glücklich ist ? Möglich wäre es schon . In der Ehe , wie überall , stoßen gleichnamige Pole einander ab . Was heißt das : gleichnamige Pole ? Das heißt erstens , daß Du mein höchst ungleichnamiger Pol bist ; und zweitens , daß ich in Ohnmacht falle , wenn nicht in fünf Minuten die Suppe auf dem Tisch steht . Mit Dir ist doch kein vernünftiges Wort zu sprechen , Du Ungeheuer ! Wenn ich nur wüßte , weshalb ich Schaf das Ungeheuer so lieb habe ! Sie hatte , sich auf die Zehen stellend , Elimar ein paar herzhafte Küsse auf die Lippen gedrückt und war zu Thür hinaus . Elimar war aus dem Wohnzimmer in sein kleines Arbeitskabinett nebenan getreten , legte die Mütze und eine dünne schwarze Mappe , die er noch immer unter dem linken Arme geklemmt hielt , auf den Tisch , schnallte seinen Säbel ab , den er in die Ecke stellte , und begann , langsam die Handschuhe ausziehend , nachdenklich auf und ab zu gehen . Ja , ich habe sie sehr geliebt , das schöne , schlanke , braunäugige Mädchen . Und sie hat es gewußt ! Wann wüßte ein Mädchen das nicht ! Aber damals spielte die Geschichte mit Baron Platow , der dann abschnappte . Und dann heiratet man Hals über Kopf den ersten Besten , der einem in den Weg läuft und macht sich Zeit seines Lebens unglücklich . - Pah ! Er warf die ausgezogenen Handschuhe in die Mütze . Unglücklich ! Wer ist denn glücklich ? Wer zu resignieren gelernt hat . Niemand sonst ! Elimar ! rief Adelens helle Stimme aus dem Speisezimmerchen neben der Wohnstube . Ich komme , Kind ! rief Elimar zurück . Zweites Kapitel Klotilde schritt die Mauerstraße , in welcher die Wohnung der Meerheims lag , nach der Leipziger Straße zu . In dem Putzladen an der Ecke hatte sie nach einem Fächer zu fragen , der repariert werden sollte . Der Fächer war noch nicht fertig . Während sie vor dem Ladentische wartend saß und eine der Verkäuferinnen die gnädige Frau zu unterhalten sich bemühte , dachte sie an Adelens Kleid für heute abend . Sie hätte ihr doch eigentlich sagen sollen , daß das Kleid für die große Gesellschaft unmöglich war . Sie wird darum doch riesig gefallen . Ich kenne das . Eine neue Erscheinung - danach schnappen sie alle . Und die lachenden Augen , die weißen Zähne , die frischen , roten Lippen - Furore wird sie machen . Daß in dem kleinen , hohlen Schädel auch nicht ein einziger Gedanke steckt - was thut denn das ? Wer fragt danach ? Der Fächer wurde gebracht . Klotilde griff nach dem Portemonnaie . Aber gnädige Frau , lassen Sie doch ! sagte die Verkäuferin . Wir schreiben es zu dem übrigen . Wie Sie wollen . Der Pferdebahnwagen nach dem Lützowplatz kam nicht gleich . An der Ecke standen nur Droschken zweiter Klasse , die sie grundsätzlich nicht benutzte . So fing sie an , die Leipziger Straße hinabzugehen , die im Laden angesponnene Gedankenkette weiter spinnend . Wie er sie nur hat heiraten können ! Ein so geistvoller Mensch ! Darüber ist doch nur eine Stimme . Sie hätten ihn auch sicher sonst nicht in das Kriegsministerium genommen ! Und dieses Gänschen ! Diese richtige Gans ! Ihre paar Groschen können es auch nicht gewesen sein - die hätte er bei mir ebenfalls gehabt . Und was kann ihm der Schwiegerpapa-Oberst a.D. für seine Carriere nützen ? Also das hübsche Mäskchen und die Langweile - die grauenhafte Magdeburger Langeweile ! Ein bißchen amüsanter ist es hier doch . Doch wenigstens die Möglichkeit einer interessanten Begegnung , eines pikanten Zufalls . Klotilde war bis zur nächsten Haltestelle , gekommen , gerade als der erwartete Wagen sie einholte . Sie stieg ein . Der Wagen war nur mäßig besetzt , was sie durchaus in der Ordnung fand : ein sehr gefüllter erschien ihr stets als eine persönliche Beleidigung . Wer mag denn mit Krethi und Plethi in dem engen Kasten eingepfercht sein ! Nichtsdestoweniger musterten ihre scharfen Augen gewohnheitsmäßig die Insassen und blieben auf einem Herrn in der