schwarzen Wüstengeister , die auf feurigen Hengsten nachts durch die Wüste jagen , um die Karawanen zu verfolgen . An die Tarub dachte plötzlich der leicht erregbare Dichter ganz und gar nicht mehr ; aber vom König Saiduk , jenem Geisterkönig , der nur die Dschinnen - niemals einen Menschen sehen durfte , konnte Safur nicht genug erzählen . » Mir geht es « , fuhr er mit brennenden Augen fort , » fast genauso wie dem König Saiduk . Mir ist immer so , als müßt ich wie Saiduk beim Anblick eines Menschen sterben . Nur die Dschinnen kann ich ohne Furcht sehen . Die Gespenster sind meine Freunde ; die erregen mein Blut . Oh , ich liebe die Dschinnen und möchte nur Verse machen , in denen heiß und toll die rasenden Wüstengeister herumsprengen auf ihren feurigen Hengsten . Meine Verse müssen so heftig werden , daß Jeder , der sie hört , zittern soll vor Erregung . Das ganze Gespensterreich der Wüste möcht ich nach Bagdad bringen , damit Bagdads faule Dickbäuche mal aufgerüttelt werden . Aber wie die Geschichten anfangen und enden sollen , das ist mir leider noch ganz unklar . Das ist häßlich ! Das macht mich recht besorgt . Wer weiß , ob ich was fertigbringe ! Eigentlich bin ich ja noch niemals zu was gekommen . Jeden Tag will ich was Andres , denn jeden Tag soll und muß ich auch was Andres . Ich hör jetzt allerdings jeden Abend ein so seltsames Gesumm , als wenn die Dschinnen in der Nähe sind . « Und er horcht aufmerksam in die Nachtluft hinein , in der Käfer zirpen und Nachtfalter herumflattern . Der alte Suleiman wird ganz still ; er fühlt , daß er dem jüngeren Freunde nicht zu folgen vermag . Er lebte zu allen Zeiten in der Märchenwelt , die vor achtzig Jahren unter Haruns Regierung die Dichter beschäftigte . Suleiman liebt das Liebliche ; er träumt nicht gern von Gespenstern ; Märchenprinzen und lustige Zaubrer sind ihm viel angenehmer . Die Wüstengeister sind dem alten Dichter ganz fremde Wesen , die er nicht leiden kann , da sie ihn erschrecken . Das Jähe , Stürmische , Gespensterhafte ist nichts für Suleiman ; dessen Träume sind still und sanft . Doch jetzt kommen die Beiden in die breiteren Straßen ; da ist es lauter . Man hört überall Singen , Lachen und Lärmen . Lustige Zecher schwanken Arm in Arm wie vom Winde verwehte Papyrusrollen in Zickzacklinien vorüber . Vor der großen Moschee prügeln sich ein paar betrunkne Kameltreiber - ihre Kamele sehen verwundert zu , alte Frauen schreien , und das Volk , das gemächlich daneben steht , lacht . Safur und Suleiman biegen rechts ab in einen schmalen Gang , der Erstere voran . Sie gehn hintereinander schweigend einher an einem niedrigen Bretterzaun entlang , über den sie hinüberblicken können . Es liegt ein großer Garten hinter dem Bretterzaun . Neben den mit bunten spiegelglatten Fliesen gepflasterten Fußwegen des Gartens sind über den Erdboden kurz geschorene Rasen gebettet , auf denen einzeln große rote Tulpen blühen . Weiterhin plätschern kleine Springbrunnen in großen Teichen , die vom Sternenlicht durchstrahlt mit ihren kleinen Wellen glitzern und funkeln wie ein Heer arabischer Krieger mit blanken Helmen und blitzenden Damascenerklingen . Lorbeeralleen verdunkeln die weiter hinten gelegenen Parkanlagen . Neben den Teichen ragen hohe Palmen in den Sternenhimmel hinauf . Die Dichter gehen noch an Myrtengebüschen vorbei und gelangen dann durch eine offne Tür in den großen Park . Still wandeln sie hier auf den bunten Fliesen der Fußpfade weiter . Safur denkt an seine Wüstengeister , und Suleiman sucht nach einem feinen Ausdruck für tiefe Gartenstille , in den Vers soll sich gleich Erwartungsstimmung mit hineinweben . In der Mitte des Parks steht ein leicht gebautes Sommerhaus mit weiten indischen Galerieen ; in deren zierlichen Spitzbögen schaukeln sich Papier-Ampeln , die ganz mit grellbunten Vögeln bemalt sind . Vor der großen Hallenpforte kauern verdrossen ein paar nubische Sklaven mit krausem Wollhaar . Der alte Suleiman sagt zu einem der jüngeren Nubier : » Geh hinein und sage dem dicken Kodama , er möchte hinauskommen , wir müßten zur Sternwarte , der Mond wär schon aufgegangen , und die Mondfinsternis wär auch bald da . Geh schnell ! « Und der Dichter zeigt dem Nubier den Halbmond , der jetzt über die dunklen Lorbeeralleen im Osten in den Garten schaut . Der Sklave rennt eilig von dannen . Aus den inneren Gemächern des leicht gebauten Sommerhauses dringen jetzt reine volle Saitentöne heraus . Weiche Frauenstimmen schallen hell und wonnig dazwischen . Die Töne schwellen an und säuseln dann wieder , dann hüpfen sie , trällern , locken und girren wie Tauben , klagen auch sehnenvoll wie verlassene Geliebte , murren und necken , reizen und beruhigen ... Es sind die Sängerinnen der alten Dschellabany . Die singen vor den reichen Jünglingen Bagdads und trinken mit ihnen feurigen Wein . Ein wildes indisches Freudenlied jubelt durch die üppigen Säle . Die Dichter warten draußen . Plötzlich wirds still . Und von zwei Fackelträgern grell beleuchtet , schreitet eilig eine stattliche schöne Negerin durch die mit herrlich durchbrochenen Zierleisten umrahmte Hallenpforte hindurch . Die schwarze Schöne streckt den beiden Dichtern die vollen schwarzen Arme entgegen . Ihre goldenen Armspangen glühen im grellen Fackelschein . Ein Perlendiadem schmückt ihr schwarzes Haar . Ihre Brust hebt sich in raschen Atemzügen unter schneeweißem Linnenzeug . Die Schwarze bittet die Dichter , sehr erregt mit den Armen herumfuchtelnd , ihr zu folgen ; sie meint , Kodama komme ja sofort mit und bis zur Sternwarte seis doch nicht so weit . Sie deutet dabei auf ihren breiten grünen Lendengurt , der an Alis grünen Schimmel gemahnen soll . Das Grün des seidenen faltigen Gürtels unter dem weißen lockeren Busentuche hebt sich prächtig von den weiten rotseidenen Beinkleidern ab , die unten am schwarzen Fußknöchel zusammengeschnürt sind , sodaß die rote Seide in bauschigen Falten überhängt und