nur - « Fräulein Schulze lächelte ein wenig . » Wenn man ein einträgliches Auskommen sucht - « » Ich habe immer gehört und gelesen , daß in Geschäften angestellte Damen sehr schlechte Bezahlung erhalten . « » Das trifft nicht überall zu . Ich beziehe zum Beispiel eine jährliche Einnahme von zweitausend Mark . Das ist doch nicht übel , wie ? « » Wahrhaftig ? « rief Hildegard verwundert , » Zweitausend Mark , das ist eine hübsche Summe . Haben Sie sehr viel zu leisten ? « » Ach es geht . Die Schneiderinnen zu beaufsichtigen , einige unserer ältesten Kunden bedienen , und so weiter . « » Ich möchte am liebsten studieren , « meinte Frau Wallner , » aber ich bin wohl zu alt dazu ; auch besitze ich zu wenig Mittel , um mich etliche Jahre über Wasser halten zu können - und so lange dauerts wohl , bis man sich als Rechtsanwalt oder Doctor medicinae Geld verdient . « » Ja freilich , freilich , « sagte das Fräulein , » so lange dauerts schon . Ich habe auch einmal so hohe Träume gehabt , aber - na , man wird bescheidener . « Sie stand auf und drückte Hildegards Hand . » Für heute gute Nacht , Frau Wallner . Ich laß Sie ausschlafen . Morgen Abend erzählen Sie mir mehr , wenn Sie Lust haben . « Sie entfernte sich grüßend . Sie ist nicht hübsch aber sympathisch , dachte Hildegard . Da steckte die Andere den Kopf zur Thür herein . » Wie ists mit dem Frühstück ? Nehmen Sie es hier oder außerhalb ? « Hildegard dachte an das Gesicht der Magd . » Außerhalb , « sagte sie . » Gute Nacht . « » Gute Nacht . « 2 Als Hildegard sich zur Ruhe begeben und die Lampe auslöschen wollte , entdeckte sie , daß überhaupt keine angezündet war . Und doch war das Zimmer in taghelles Licht getaucht . Sie trat verwundert ans Fenster . Eine riesige elektrische Bogenlampe , die unter demselben hing , klärte sie auf . Sie starrte in das blendende Licht . Die Augen thaten ihr weh . Und da sollte ein Mensch schlafen können ? Zu Hause hatte ihr das Mädchen nie dunkel genug im Schlafzimmer machen können . Schon wieder das Rückwärtsschweifen ... Hier wars eben anders . Und die zwei Millionen Menschen schliefen doch , trotzdem sich an den meisten Fenstern keine Laden , sondern nur dünne Stors befanden . Gut , wenns die Andern konnten , wollte sies auch versuchen . Die » Andern « war ja immer ihr Losungswort gewesen . Sie legte sich zu Bette . Bald aber erhob sie sich wieder . Nicht die Helle trieb sie empor , der Lärm , der brausende dröhnende Straßenlärm . Sie hatte ihr Fenster offenstehen lassen , weil die Luft in der Stube so schlecht war . Sie schloß es nun und legte sich wieder hin . Aber die dünnen Glasscheiben machten das donnernde Getöne von draußen nicht leiser . Das Klingeln der Omnibusse , das Getute der Mail Coatch , das Rasseln der Wagenräder , die Stimmen der tausendköpfigen Menge , die sich eng aneinandergepreßt da unten vorüberschob , und aus der der Eine den Andern zu überschreien suchte , klang nervenzerreißend herauf . Hildegard drückte den Kopf ins Kissen . Sie wollte nicht hören , aber sie hörte doch . Sie band ihr Taschentuch über die Ohren . Nun hörte sie schwächer , aber umso beängstigender . Einige Töne klangen sogar vernehmbarer so , andere erstickten zu einem dumpfen Sausen . Furcht ergriff sie . Es schien ihr , als gehörten diese tausend und tausend Töne einem riesigen Ungeheuer an , das in jedem Augenblick die dünnen Wände des Hauses eindrücken , zu ihr hereinbrechen und sie zermalmen würde . Sie erhob sich und ging im Zimmer auf und nieder . Sie suchte sich damit zu trösten , daß all dieser Lärm doch wohl gegen Mitternacht aufhören müßte . Und dann sagte sie sich , daß sie heute übermüdet und besonders gereizt sei . Morgen würde es ihr schon besser gelingen , ihre Nerven dem Getriebe der Großstadt anzupassen . Sie nahm einen Schluck Wasser aus der Karaffe , konnte es aber nicht hinabschlingen . Es mochte wohl seine vierzehn Grad Wärme haben . Ach Gott , nein , das alles hatte sie sich anders gedacht - ganz anders . Und sie war doch kein kleines verträumtes Mädchen mehr . Aber so , gerade so hätte der Anfang nicht zu sein brauchen . Sie hatte sich unter einer Zimmervermieterin in Berlin eine schöne alte Dame mit weißem Haar vorgestellt , die sie mit den Worten empfangen würde : » Liebes Kind , ich will Sie chaperonnieren , seien Sie nur ruhig , wir werden eine gute prächtige Stellung für Sie ausfindig machen ; schlafen Sie sich indessen aus . Sehen Sie , dies ist Ihr Zimmer . « Und die Dame geleitet sie in ein kleines niedliches Zimmerchen . Ein Resedastock steht am Fenster und duftet . Die altmodischen Möbel sind mit weißen Schutzdecken geziert . In der Ecke steht ein grüner Kachelofen . An den Wänden hängen etliche gute alte Ölporträts , die Verwandte aus der Familie der braven Zimmervermieterin vorstellen . Und da kommt auch schon ein Dienstmädchen im sauberen weißen Häubchen , ein zierliches Kaffeebrett mit dem dampfenden Getränk in den Händen . Und die sagt im lieben Badener Dialekt : » Lasse Sie sichs wohlschmecke , Madamche . « Ach Gott ! Hildegard setzte sich auf den Bettrand und begann zu weinen . Das Alles hatte sie ja besessen und weggeworfen , weil sie sich als Frau des Fortschritts fühlte , der das eheliche Zusammenleben mit einem schlichten Menschen viel zu wenig bot , um ihre geistigen Fähigkeiten zu entwickeln . Das Weib muß sich selbständig machen , um beweisen zu können , daß es auch ohne Mann , ja gerade