gewiß nicht . So was kommt überhaupt bloß selten vor . « Ja , auf seinen See war Dubslav stolz , aber desto weniger stolz war er auf sein Schloß , weshalb es ihn auch verdroß , wenn es überhaupt so genannt wurde . Von den armen Leuten ließ er sich ' s gefallen : » Für die ist es ein Schloß , aber sonst ist es ein alter Kasten und weiter nichts . « Und so sprach er denn lieber von seinem » Haus « , und wenn er einen Brief schrieb , so stand darüber » Haus Stechlin « . Er war sich auch bewußt , daß es kein Schloßleben war , das er führte . Vordem , als der alte Backsteinbau noch stand , mit seinen dicken Türmen und seinem Luginsland , von dem aus man , über die Kronen der Bäume weg , weit ins Land hinaussah , ja , damals war hier ein Schloßleben gewesen , und die derzeitigen alten Stechline hatten teilgenommen an allen Festlichkeiten , wie sie die Ruppiner Grafen und die mecklenburgischen Herzöge gaben , und waren mit den Boitzenburgern und den Bassewitzens verschwägert gewesen . Aber heute waren die Stechline Leute von schwachen Mitteln , die sich nur eben noch hielten und beständig bemüht waren , durch eine » gute Partie « sich wieder leidlich in die Höhe zu bringen . Auch Dubslavs Vater war auf die Weise zu seinen drei Frauen gekommen , unter denen freilich nur die erste das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt hatte . Für den jetzigen Schloßherrn , der von der zweiten Frau stammte , hatte sich daraus leider kein unmittelbarer Vorteil ergeben , und Dubslav von Stechlin wäre kleiner und großer Sorgen und Verlegenheiten nie los und ledig geworden , wenn er nicht in dem benachbarten Gransee seinen alten Freund Baruch Hirschfeld gehabt hätte . Dieser Alte , der den großen Tuchladen am Markt und außerdem die Modesachen und Damenhüte hatte , hinsichtlich deren es immer hieß , » Gerson schicke ihm alles zuerst « - dieser alte Baruch , ohne das » Geschäftliche « darüber zu vergessen , hing in der Tat mit einer Art Zärtlichkeit an dem Stechliner Schloßherrn , was , wenn es sich mal wieder um eine neue Schuldverschreibung handelte , regelmäßig zu heikeln Auseinandersetzungen zwischen Hirschfeld Vater und Hirschfeld Sohn führte . » Gott , Isidor , ich weiß , du bist fürs Neue . Aber was ist das Neue ? Das Neue versammelt sich immer auf unserm Markt , und mal stürmt es uns den Laden und nimmt uns die Hüte , Stück für Stück , und die Reiherfedern und die Straußenfedern . Ich bin fürs Alte und für den guten alten Herrn von Stechlin . Is doch der Vater von seinem Großvater gefallen in der großen Schlacht bei Prag und hat gezahlt mit seinem Leben . « » Ja , der hat gezahlt ; wenigstens hat er gezahlt mit seinem Leben . Aber der von heute ... « » Der zahlt auch , wenn er kann und wenn er hat . Und wenn er nicht hat und ich sage : Herr von Stechlin , ich werde schreiben siebeneinhalb , dann feilscht er nicht und dann zwackt er nicht . Und wenn er kippt , nu , da haben wir das Objekt : Mittelboden und Wald und Jagd und viel Fischfang . Ich seh es immer so ganz klein in der Perspektiv , und ich seh auch schon den Kirchturm . « » Aber , Vaterleben , was sollen wir mit ' m Kirchturm ? « In dieser Richtung gingen öfters die Gespräche zwischen Vater und Sohn , und was der Alte vorläufig noch in der » Perspektive « sah , das wäre vielleicht schon Wirklichkeit geworden , wenn nicht des alten Dubslav um zehn Jahre ältere Schwester mit ihrem von der Mutter her ererbten Vermögen gewesen wäre : Schwester Adelheid , Domina zu Kloster Wutz . Die half und sagte gut , wenn es schlecht stand oder gar zum Äußersten zu kommen schien . Aber sie half nicht aus Liebe zu dem Bruder - gegen den sie , ganz im Gegenteil , viel einzuwenden hatte - , sondern lediglich aus einem allgemeinen Stechlinschen Familiengefühl . Preußen war was und die Mark Brandenburg auch ; aber das Wichtigste waren doch die Stechlins , und der Gedanke , das alte Schloß in andern Besitz und nun gar in einen solchen übergehen zu sehen , war ihr unerträglich . Und über all dies hinaus war ja noch ihr Patenkind da , ihr Neffe Woldemar , für den sie all die Liebe hegte , die sie dem Bruder versagte . Ja , die Domina half , aber solcher Hilfen unerachtet wuchs das Gefühl der Entfremdung zwischen den Geschwistern , und so kam es denn , daß der alte Dubslav , der die Schwester in Kloster Wutz weder gern besuchte noch auch ihren Besuch gern empfing , nichts von Umgang besaß als seinen Pastor Lorenzen ( den früheren Erzieher Woldemars ) und seinen Küster und Dorfschullehrer Krippenstapel , zu denen sich allenfalls noch Oberförster Katzler gesellte , Katzler , der Feldjäger gewesen war und ein gut Stück Welt gesehen hatte . Doch auch diese drei kamen nur , wenn sie gerufen wurden , und so war eigentlich nur einer da , der in jedem Augenblicke Red und Antwort stand . Das war Engelke , sein alter Diener , der seit beinahe fünfzig Jahren alles mit seinem Herrn durchlebt hatte , seine glücklichen Leutnantstage , seine kurze Ehe und seine lange Einsamkeit . Engelke , noch um ein Jahr älter als sein Herr , war dessen Vertrauter geworden , aber ohne Vertraulichkeit . Dubslav verstand es , die Scheidewand zu ziehen . Übrigens wär es auch ohne diese Kunst gegangen . Denn Engelke war einer von den guten Menschen , die nicht aus Berechnung oder Klugheit , sondern von Natur hingebend und demütig sind und in einem treuen Dienen ihr Genüge finden . Alltags