in einen Feldweg einbiegen , der ihn in kürzester Frist nach Haus geführt hätte , da hörte er seinen Namen rufen . Er wandte sich . Katschners Pauline war nur wenige Schritte hinter ihm . Sie keuchte , beinahe atemlos vom schnellen Laufen . Er nahm eine finstere Miene an und fragte in barschem Tone , was sie von ihm wolle . » Gustav ! « rief sie und streckte ihm die Hand entgegen . » Bis doch nicht so ! Du tust ja gerade , als kennt ' st de mich am Ende gar nich . « » Ich hab keine Zeit ! « sagte er , wandte sich und wollte an ihr vorbei . Aber sie vertrat ihm den Weg . » Ne , Gustav ! Aber , Gustav , bis doch nicht so mit mir ! « Sie stand da mit fliegendem Busen und sah ihm voll in die Augen . Er hielt ihren Blick nicht aus , mußte wegsehen . Sie griff nach seiner Hand und meinte : » Ene Hand hättst de mir immer geben kennen , Gustav ! « Das sei gar keine Manier , ihm so nachzulaufen und ihn am hellen lichten Tage anzureden , sagte er , und sie solle sich wegscheren . Er gab sich alle Mühe , entrüstet zu erscheinen . Pauline schien keine Furcht vor ihm zu haben . Sie stand dicht vor ihm . Eine Bewegung seines Armes hätte genügt , sie beiseite zu schieben . Aber er hob die Hand nicht . » Iber Johr und Tog is es nu schon , Gustav , daß mer uns niche gesehn haben ! Und geontwortet hast du och nich , suviel ich dir och geschrieben habe . Du tust doch gerade , als wär ' ch a schlechtes Madel , Gustav ! « - die Augen standen ihr auf einmal ganz voll Tränen . Heulen ! das hatte gerade noch gefehlt ! Weibertränen waren für ihn etwas Entsetzliches . Er war ja sowieso schon halb gewonnen durch ihren bloßen Anblick , durch den vertrauten Klang ihrer Stimme . Was für Erinnerungen rief ihm dieses Gesicht zurück ! Er hatte so glücklich mit ihr gelebt wie noch mit keiner anderen . Sie war doch seine Erste gewesen . Es lag in dem Gefühle so etwas ganz Besonderes , so etwas wie Heimweh , wie Dankbarkeit für ihre Güte gegen ihn . - Daß sie jetzt weinte , war schlimm ! Er kam sich schlecht vor und grausam . Das verdroß ihn . Nun würde er das Mädel schwer wieder los werden , fürchtete er . Sie wischte sich die Tränen mit einer Ecke ihrer schwarzen Schürze ab und fragte : » Was hast de denn egentlich gegen mich , Gustav ? Sag mersch nur a enzigstes Mal , was de hast , daß de so bist ! - « Er kaute an seinem Schnurrbarte mit verdüsterter Miene . Es wäre ein leichtes gewesen , ihr auf den Kopf zuzusagen , sie habe es inzwischen mit einem anderen getrieben . Aber in diesem Augenblick , unter den Blicken ihrer treuen Augen , fühlte er mit einem Male , auf wie schwachen Füßen dieser Verdacht eigentlich stehe . Er hatte ja die ganze Geschichte , die ihm von anderen hinterbracht worden war , nie recht geglaubt . Das war ja nur ein willkommener Vorwand für ihn gewesen , auf gute Art von ihr los zu kommen . Als sie nun jetzt so vor ihm stand , einen Kopf kleiner als er , frisch und gesund wie ein Apfel , mit ihren guten , großen Augen und den leuchtenden Zähnchen , da befand er sich wieder ganz unter ihrem Banne . » Ich habe mich su ärgern missen über dich ! « sagte sie leise und schluchzte auf einmal auf . Die Tränen saßen sehr locker bei ihr . Zwischen dem Weinen durch konnte sie so lieb und schmeichelnd dreinblicken wie eine zahme Taube . Niemand hatte dem Mädchen diese Künste gelehrt , aber die raffinierteste Kokette hatte keine wirksameren Mittel , das Herz eines Mannes zu bestricken als dieses schlichte Naturkind . Plötzlich senkte sie den Kopf , errötend und noch leiser als vorher meinte sie : » Willst de dir nich deinen Jungen ansehn , Gustav ? Er is nu bald een Jahr ! « Der junge Mann stand unschlüssig , im Innersten bestürzt . Er fühlte sehr deutlich , daß dieser Augenblick für ihn die Entscheidung bedeute . Wenn er ihr jetzt den Willen tat , mit ihr ging und sich den Jungen ansah , dann bekannte er sich zur Vaterschaft . Bisher hatte er das Kind nicht als das seine anerkannt , sich hinter der Ausflucht verschanzend , daß man ja gar nicht wissen könne , von wem es sei . Pauline hatte den Kopf wieder aufgerichtet und bat ihn mit den Augen . Dann mit ihrer weichen Mädchenstimme : » Ich ha dem Jungen nu schun su viel vun dir vorderzahlt . Er kann noch ne raden . Aber , Papa ! das kann er duch schun sagen . - Komm ack , Gustav , sieh der ' n wen ' gsten a mal an ! « - Sie nahm ihn an der Hand und zog ihn nach der Richtung , wohin sie ihn haben wollte . » Komm ack , Gustav , komm ack mitte ! « so ermunterte sie den immer noch Zaudernden . Er folgte ihr schließlich . Dabei ärgerte er sich über sich selbst , daß er so nachgiebig war . Er verstand sich darin selbst nicht . Es gab in der ganzen Unteroffiziersabteilung keinen schneidigeren Reiter als ihn . » Remonte dressieren « , das war seine Lust . Und dabei konnte er so weich sein , daß ihn der Wachtmeister schon mal einen » nassen Waschlappen « genannt hatte . Das war damals gewesen , als seine Charge , die » Kastanie « , den Spat bekommen und zum Roßschlächter gemußt .