mir nicht der Himmel , dem ich dafür danke , das Herz für das Poetische gegeben hätte , was , wenn es mal in einem lebt , nicht wieder auszurotten ist , so hätte ich nichts gelernt und wüßte nichts . Aber , Gott sei Dank , ich habe mich an Gedichten herangebildet , und wenn man viele davon auswendig weiß , so weiß man doch manches . Und daß es so ist , sieh , das verdanke ich nächst Gott , der es in meine Seele pflanzte , deinem Vater . Der hat das Blümlein großgezogen , das sonst drüben in dem Ladengeschäft unter all den prosaischen Menschen - und du glaubst gar nicht , wie prosaische Menschen es gibt - verkümmert wäre ... Wie geht es denn mit deinem Vater ? Es muß ein Vierteljahr sein oder länger , daß ich ihn nicht gesehen habe , den 14. Februar , an Ottos Geburtstag . Aber er ging so früh , weil soviel gesungen wurde . « » Ja , das liebt er nicht . Wenigstens dann nicht , wenn er damit überrascht wird . Es ist eine Schwäche von ihm , und manche nennen es eine Unart . « » Oh , nicht doch , Corinna , das darfst du nicht sagen . Dein Vater ist bloß ein origineller Mann . Ich bin unglücklich , daß man seiner so selten habhaft werden kann . Ich hätt ihn auch zu morgen gerne mit eingeladen , aber ich bezweifle , daß Mister Nelson ihn interessiert , und von den anderen ist nun schon gar nicht zu sprechen ; unser Freund Krola wird morgen wohl wieder singen und Assessor Goldammer seine Polizeigeschichten erzählen und sein Kunststück mit dem Hut und den zwei Talern machen . « » Oh , da freu ich mich . Aber freilich , Papa tut sich nicht gerne Zwang an , und seine Bequemlichkeit und seine Pfeife sind ihm lieber als ein junger Engländer , der vielleicht dreimal um die Welt gefahren ist . Papa ist gut , aber einseitig und eigensinnig . « » Das kann ich nicht zugeben , Corinna . Dein Papa ist ein Juwel , das weiß ich am besten . « » Er unterschätzt alles Äußerliche , Besitz und Geld , und überhaupt alles , was schmückt und schön macht . « » Nein , Corinna , sage das nicht . Er sieht das Leben von der richtigen Seite an ; er weiß , daß Geld eine Last ist und daß das Glück ganz woanders liegt . « Sie schwieg bei diesen Worten und seufzte nur leise . Dann aber fuhr sie fort : » Ach , meine liebe Corinna , glaube mir , kleine Verhältnisse , das ist das , was allein glücklich macht . « Corinna lächelte . » Das sagen alle die , die drüberstehen und die kleinen Verhältnisse nicht kennen . « » Ich kenne sie , Corinna . « » Ja , von früher her . Aber das liegt nun zurück und ist vergessen oder wohl gar verklärt . Eigentlich liegt es doch so : alles möchte reich sein , und ich verdenke es keinem . Papa freilich , der schwört noch auf die Geschichte von dem Kamel und dem Nadelöhr . Aber die junge Welt ... « » ... ist leider anders . Nur zu wahr . Aber so gewiß das ist , so ist es doch nicht so schlimm damit , wie du dir ' s denkst . Es wäre auch zu traurig , wenn der Sinn für das Ideale verlorenginge , vor allem in der Jugend . Und in der Jugend lebt er auch noch . Da ist zum Beispiel dein Vetter Marcell , den du beiläufig morgen auch treffen wirst ( er hat schon zugesagt ) und an dem ich wirklich nichts weiter zu tadeln wüßte , als daß er Wedderkopp heißt . Wie kann ein so feiner Mann einen so störrischen Namen führen ! Aber wie dem auch sein möge , wenn ich ihn bei Ottos treffe , so spreche ich immer so gern mit ihm . Und warum ? Bloß weil er die Richtung hat , die man haben soll . Selbst unser guter Krola sagte mir erst neulich , Marcell sei eine von Grund aus ethische Natur , was er noch höher stelle als das Moralische ; worin ich ihm , nach einigen Aufklärungen von seiner Seite , beistimmen mußte . Nein , Corinna , gib den Sinn , der sich nach oben richtet , nicht auf , jenen Sinn , der von dorther allein das Heil erwartet . Ich habe nur meine beiden Söhne , Geschäftsleute , die den Weg ihres Vaters gehen , und ich muß es geschehen lassen ; aber wenn mich Gott durch eine Tochter gesegnet hätte , die wäre mein gewesen , auch im Geist , und wenn sich ihr Herz einem armen , aber edlen Manne , sagen wir einem Manne wie Marcell Wedderkopp , zugeneigt hätte ... « » ... so wäre das ein Paar geworden « , lachte Corinna . » Der arme Marcell ! Da hätt er nun sein Glück machen können , und muß gerade die Tochter fehlen . « Die Kommerzienrätin nickte . » Überhaupt ist es schade , daß es so selten klappt und paßt « , fuhr Corinna fort . » Aber Gott sei Dank , gnädigste Frau haben ja noch den Leopold , jung und unverheiratet , und da Sie solche Macht über ihn haben - so wenigstens sagt er selbst , und sein Bruder Otto sagt es auch , und alle Welt sagt es - , so könnt er Ihnen , da der ideale Schwiegersohn nun mal eine Unmöglichkeit ist , wenigstens eine ideale Schwiegertochter ins Haus führen , eine reizende , junge Person , vielleicht eine Schauspielerin ... « » Ich bin nicht für Schauspielerinnen ... « » Oder eine Malerin oder eine Pastors- oder eine Professorentochter ... « Die Kommerzienrätin stutzte bei diesem