nimmer warten , Jungfer Mutter , heut kann er nimmer kommen , dein Bub ! « » Aber schau , Göd , der Kaffee ist schon seit drei Stunden fertig . « Dann zupft sie an seinem grünen Kittel . » Du , ein ' Gugelhupf hat ihm dein Weib heimlich g ' backen , du darfst aber nichts wissen davon , hat ' s g ' sagt , weil du so schmutzig warst und ihm nur drei Packeln Tabak schenkst zum Geburtstag « , flüstert die Hanni , und die beiden nicken sich zu und lachen lustig . » Seine Frau Mutter hat ihm einen Rosenbuschen g ' schickt mit einer seidernen Einfassung ! Fuffzig Rosen beieinander auf einmal , mir scheint , man riecht ' s bis daher , gelt ? Und eine Visitenkarte steckt mittendrin , da steht drauf , sagt der einsame Spatz : Mei-nem Heim-gekehr-ten zum Geburtstage . Siehst , sie denkt halt doch an ihn . « » Mei-nem ? ! « Der Alte lacht kurz auf . » Bin ich mein Weib « , knurrt er dann , » daß ich aus allem , was die Lenerl zu heiligen Zeiten tut , ein blaues Wunder mach ? Was hat er denn von die fuffzig Rosen ? Laß anschaun ! « Sie schleppt das große kostbare Bukett zum Fenster , und der Laternenanzünder vergräbt seine lange Nase in die Blumen . » Ah ! - ah ! Schad ' , daß man ' s nicht essen kann ! - Der Wind schlägt um , wirst sehn , Hannerl , das wird ein Regen . « Gravitätisch zündet er die Laternen vor dem Fenster der alten Jungfer an . » Dem Poldl zu Ehren hab ich ' s ganz aufgedreht « , sagt er feierlich , » aber du wirst ' s sehen , er kommt heut nimmer . Denkst dran , wie sein Vater heimkommen ist von Italien aus dem Feldzug mit ein ' Arm ? - Das ist doch recht was Sonderbares , gelt ? - Dem armen Kerl sein ganzes Leben hat der Krieg verpatzt , wär er kein Krüppel worden , so wär er ein lustiger glücklicher Mensch geblieben . - Jetzt schau - der Lepold liegt am Währinger Gottesacker , und sein rechter Arm ist in Italien am Schlachtfeld verscharrt « - er wischt sich seinen großen weißen Schnurrbart ab , seufzt nachdenklich : » Wie wird er den Arm nach Wien kriegen bei der Auferstehung des Fleisches ? ! « » Hab heut viel an den Verstorbenen denkt und unsern Herrgott kniefällig dankt , daß er mir den Buben als ganzen Menschen z ' Haus schickt , g ' sund und frisch , wie er fort ist . « » Hast du ' s seiner Frau Mutter sagen lassen , daß er kommt ? « brummt der Laternenanzünder vorwurfsvoll . Die Hanni nickt nur freundlich . » Na , hörst ! Und sie ? Sie kommt nicht g ' rennt und hockt sich daher und wart ' t auf ihn , gelt ? - Da ist sie z ' nobel , sie kann ' s kommoder z ' Haus tun « , schreit der Alte entrüstet . » Weißt , ich mag mit der Meinigen nimmer streiten , jetzt sein wir schon zu alt dazu , aber den Magen dreht ' s mir um , wenn sie die Lenerl so in Himmel hebt . « » Mußt nicht ungerecht sein ! « » Laß mich aus mit ihr , seit ' s das Geschäft von der alten Blank , von der Mode-Madam , übernommen hat , tut ' s ja , als ob ' s gar nicht mehr reden könnt mit unsereiner . Warum ' s nimmer g ' heirat ' t hat , sie ist doch allerweil noch eine sehr saubere Person , und jung ausschaun tut ' s ! Von auswendig könntst du ihre Großmutter sein , und ihr seid ' s doch in ein ' Alter ? « » Nein , nein « , sagt die Hanni eifrig , » sie ist um sechs Monat jünger , und nachher hat sie sich halt pflegen können , gut essen und trinken , hat keine schwere Arbeit g ' habt , keine Sorgen und keine Kinder ! « Er lacht und lacht , daß seine hagern Glieder schlottern : » Jetzt fehlt nur noch , daß du dir einbildst , du hast ihren Buben geboren , nachher bist ganz verruckt ! - Bist und bleibst halt eine alte dumme Urschel ! « Der Laternenanzünder schlurft weiter durch den Hof , und als in dem breiten niedern Torbogen ein dünnes Flämmchen aufblitzt , das er angezündet hat , hört sie noch immer sein vergnügtes überlegenes Kichern . Die Hanni lehnt den Kopf an das Fensterkreuz und bleibt in dem finstern Zimmer einsam sitzen . Draußen hebt der Wind wieder sachte an , darum zittern und zucken die Gasflämmchen , ihr unsicheres Licht huscht in die große Stube und weckt die Schatten auf , die in allen Winkeln schlafen , sie hasten hervor , fliegen über die Zimmerdecke , rennen an den Wänden hinab , laufen über den Fußboden und flattern über das sanfte Gesicht der alten Jungfer . Die wurmstichigen Kasten krachen und stöhnen , wenn ein Windstoß durch den Ofen hereinschnaubt , und das alte Ledersofa knistert , es steht mit seinen breit ausgespreizten Beinen wie ein schwarzes Ungetüm in der dunkelsten Ecke , und die Lichter hüpfen darüber hin wie gelbe Frösche , sooft der Sturm an der knarrenden Laterne vor dem Fenster rüttelt . Ein weicher Duft zieht durch die Stube , so süß und eindringlich , daß er die Einsame fast betäubt , sie denkt nicht mehr daran , woher der Wohlgeruch kommt , sie atmet nur tief , schaut zurück in die Vergangenheit ... und es schüttelt sie ein träumerischer Schreck . Vergangenheit ! Weit , weit liegt sie dahinter mit ihrem unklaren Leid