vorzügliche Frau wünschte . Früher war dies alles nur stiller Wunsch gewesen , kaum zugestanden , seit einiger Zeit aber hatte der Wunsch doch auch sprechen gelernt ; es kam zu Auseinandersetzungen , und wenn Julie Dobschütz , die geschickt zu diplomatisieren verstand , auch meist leichtes Spiel bei Begleichung derartiger Streitigkeiten hatte , so blieb doch das eine nicht aus , daß Christine , die das alles geahnt , mit einer Art Wehmut der Tage im alten Schloß gedachte , wo dergleichen nicht vorgekommen war oder doch jedenfalls viel , viel seltener . Nun war Ende September 1859 und die Ernte längst herein . Die ringsherum unter dem Säulengange nistenden Schwalben waren fort , eine Brise ging , und das Flaggentuch oben auf dem Flachdache schlug träge hin und her . Man saß unter der Fronthalle , den Blick aufs Meer , den großen Eßsaal , dessen hohe Glastür aufstand , im Rücken , während die Dobschütz den Kaffee bereitete . Neben der Dobschütz , an einem anderen Tisch , hatte die Gräfin Platz genommen im Gespräch mit dem Seminardirektor Schwarzkoppen , der vor einer halben Stunde mit Baron Arne von Arnewiek herübergekommen war , um des schönen Tages in dem gastlichen Holkschen Hause zu genießen . Arne selbst schritt mit seinem Schwager Holk auf den Steinfliesen auf und ab und blieb mitunter stehen , weil das Bild vor ihm ihn fesselte : Fischerboote fuhren zum Fange hinaus , das Meer kräuselte sich leis , und der Himmel hing blau darüber . Keine Wolke war sichtbar , und nichts sah man als die schwarz am Horizont hinziehende Rauchfahne eines Dampfers . » Du hattest doch recht , Schwager « , sagte Arne , » als du hier hinaufzogst und dir deinen Tempel an dieser Stelle bautest . Ich war damals dagegen , weil mir Ausziehen und Wohnungswechsel als etwas Ungehöriges erschien , als etwas Modernes , das sich ... « » ... das sich nur für Proletarier und Beamte schicke , so sagtest du damals . « » Ja , so was Ähnliches wird es wohl gewesen sein . Aber ich habe mich inzwischen in manchem bekehrt und auch darin . Indessen es sei , wie ' s sei , soviel steht mir fest , wenn ich auch politisch und kirchlich , und selbst landwirtschaftlich , was für unsereinen doch eigentlich immer die Hauptsache bleibt , derselbe geblieben wäre , das müßt ich doch einräumen , es ist entzückend hier oben und so windfrisch und gesund . Ich glaube , Holk , als du hier einzogst , hast du dir fünfzehn Jahre Leben zugelegt . « In diesem Augenblicke ward ihm von einem alten Diener in Gamaschen , der noch vom Vater des Grafen her mit übernommen war , der Kaffee präsentiert , und beide nahmen und tranken . » Deliziös « , sagte Arne . » Freilich etwas zu gut , besonders für dich , Holk ; solcher Kaffee wie der zieht wieder fünf Jahre von den fünfzehn ab , die ich dir eben zugesprochen , und die philiströse , wenn auch höchst bemerkenswerte Homöopathie , die , wie du weißt , von Mokka und Java nichts wissen will , würde vielleicht noch stärker subtrahieren . Apropos Homöopathie . Hast du denn schon von dem homöopathischen Veterinärarzt gehört , den wir seit ein paar Wochen in Lille-Grimsby haben ... ? « Und langsam auf und ab schreitend , fuhren beide Schwäger in ihrem Gespräche fort . Ein sehr anderes Thema behandelte mittlerweile die Gräfin in ihrer Unterredung mit Seminardirektor Schwarzkoppen , der vor Jahr und Tag erst aus seiner Wernigeroder Pfarre hierher nach Schleswig-Holstein verschlagen und an das Arnewieker Seminar berufen worden war . Er hatte den Ruf und das Ansehen einer positiven kirchlichen Richtung , was der Gräfin aber fast mehr bedeutete , war das , daß Schwarzkoppen zugleich Autorität in Schul- und Erziehungsfragen war , in Fragen also , die sich seit kurzem zu brennenden Fragen für die Gräfin gestaltet hatten . Denn Asta war sechzehn , Axel beinahe fünfzehn Jahre . Schwarzkoppen , auch eben jetzt wieder in dieser diffizilen Frage zu Rate gezogen , antwortete sehr vorsichtig , und als die Gräfin merkte , daß er , vielleicht mit Rücksicht auf Holk , nicht unbedingt auf ihre Seite treten wollte , ließ sie das Gespräch wieder fallen , wenn auch ungern , und wandte sich einem anderen schon öfter mit dem Direktor verhandelten Lieblingsplane zu , der Errichtung einer Familiengruft . » Nun , wie steht es damit ? « sagte Schwarzkoppen , der froh war , aus der Erziehungsfrage heraus zu sein . » Ich habe « , sagte Christine , » die Sache noch immer nicht besprechen mögen , weil ich mich vor einer Ablehnung von seiten Holks fürchte . « » Das ist nicht gut , gnädigste Gräfin . Solche Furcht ist immer vom Übel , sie will dem Frieden dienen , aber eigentlich dient sie nur der Verstimmung und dem Kriege . Und zu beidem ist kein Grund . Sie müssen , wenn bessere Beweggründe nicht zu haben sind , auf seine Liebhabereien rechnen . Hat er doch , wie Sie mir selber oft versichert , die Baupassion . « » Ja , die hat er « , bestätigte die Gräfin . » Dies Schloß ist dessen ein Zeugnis und Beweis , denn es war eigentlich unnötig ; ein Umbau hätte dasselbe getan . Aber so gerne er baut , so bevorzugt er doch das eine vor dem anderen , und was ich vorhabe , wird seinen Beifall kaum haben . Ich wette , daß er lieber eine Halle bauen würde , darin man Federball spielen kann oder , wie das jetzt Mode ist , auf Rollschuhen Schlittschuh laufen , jedenfalls alles lieber als irgendwas , was mit Kirche zusammenhängt . Und nun gar eine Gruft bauen . Er denkt nicht gern an Sterben und schiebt das , was man so schön und sinnig sein Haus bestellen heißt , gerne