freilich nicht größer war als ein aufgeklappter Spieltisch und augenscheinlich nur den Zweck hatte , drei auf ihn ausmündende Türen zu zeigen , von denen die links gelegene zu der verwitweten Privatsekretär Kahlbaum , die mittlere zu Polzins selbst , die rechts gelegene zu Stine führte . Diese hatte das beste Zimmer der Wohnung , hell und freundlich , mit dem Blick auf die Straße , während sich die Kahlbaum mit etwas Beleuchtung vom Hof her und die Polzinschen Eheleute mit einem schrägen Dachlicht begnügen mußten , das , wie bei photographischen Ateliers , von oben her einfiel . » Liebe Polzin « , sagte die Pittelkow , als beide Frauen sich oberflächlich begrüßt hatten , » es riecht wieder so sehr nach Petroleum bei Ihnen . Warum nehmen Sie nich Coaks ? Sie werden sich mit Ihrem ewigen Petroleumkocher noch alle Mieter aus der Wohnung kochen . Und Ihr lieber Mann ! Was sagt denn der eigentlich dazu ? Der muß doch nachgerade bei Puten un Fasanen eine feine Nase gekriegt haben . Und ich weiß nicht , wenn ich ein herrschaftlicher Lohndiener wäre , so was litt ' ich nich . In Gesellschaften immer was Delikats un zu Hause so . Na , meinetwegen . Is denn Stine drin ? « » Ich denke doch , ich habe sie nicht weggehen hören . Und denn wissen Sie ja , liebe Pittelkow , wir sehen nichts un hören nichts . « » Versteht sich , versteht sich « , lachte die Pittelkow , » sehen nichts un hören nichts . Und das ist auch immer das beste . « Sehr wahrscheinlich , daß sich dies Gespräch noch fortgesetzt hätte , wenn nicht in eben diesem Augenblick die Tür von rechts her aufgemacht und Stine herausgetreten wäre . » Jott , Stine « , sagte die Pittelkow mit einem Ausdruck von Freude . » Na , das ist recht , Kind . Ein Glück , daß du da bist . Du mußt heute noch runterkommen un helfen . « Unter diesen Worten waren die Schwestern , während sich Frau Polzin artig , aber grienend zurückzog , in Stines Zimmer eingetreten und auf ein paar kleine Stühle zugegangen , die zu beiden Seiten des Fensters auf einem Trittbrett standen . Draußen am Fenster aber war ein Dreh- und Straßenspiegel angebracht , bei dessen Anbringung der ebenso praktische wie pfiffige Polzin vor Jahr und Tag schon zu seiner Frau gesagt hatte : » Emilie , solange der da ist , so lange vermieten wir . « Die Pittelkow setzte sich gegenüber dem Drehspiegel , der denn auch heute wieder , wie zur Bestätigung der Worte Polzins , eine Quelle herzlichen Vergnügens für die hübsche Witwe wurde , nicht aus Eitelkeit ( denn sie sah sich gar nicht ) , sondern aus bloßer Neugier und Spielerei . Stine , die das alles schon kannte , lächelte vor sich hin ; auch sie trug einen gewellten Scheitel , aber ihr Haar war flachsgelb , und die Ränder der überaus freundlichen Augen zeigten sich leicht gerötet , was , aller sonst blühenden Erscheinung und einer gewissen Ähnlichkeit mit der Pittelkow unerachtet , doch auf eine zartere Gesundheit hinzudeuten schien . Und so war es auch . Die brünette Witwe war das Bild einer südlichen Schönheit , während die jüngere Schwester als Typus einer germanischen , wenn auch freilich etwas angekränkelten Blondine gelten konnte . Stine sah der immer noch mit dem Spiegel beschäftigten Schwester eine Weile zu , dann erhob sie sich , hielt ihr die Hand vor die Augen und sagte : » Nun hast du aber genug , Pauline . Du mußt doch nachgerade wissen , wie die Invalidenstraße aussieht . « » Hast recht , Kind . Aber so is der Mensch ; immer das Dummste gefällt ihm un beschäftigt ihn , un wenn ich in den Spiegel kucke und all die Menschen und Pferde drin sehe , dann denk ich , es is doch woll anders als so mit bloßen Augen . Un ein bißchen anders is es auch . Ich glaube , der Spiegel verkleinert , un verkleinern is fast ebensogut wie verhübschen . Aber du brauchst nicht kleiner zu werden , Stine , du kannst so bleiben , wie du bist . Ja , wahrhaftig . Aber , warum ich komme ... Jott , man hat doch auch keine ruhige Stunde . « » Was is denn ? « » Er kommt heute wieder . « » Nu , Pauline , das is doch kein Unglück . Bedenke doch , daß er für alles sorgt . Und so gut , wie er ist , und gar nich so . « » Na , ich wollt ihm auch . Und den alten Baron bringt er auch mit , und noch einen . « » Und noch einen ? Wen denn ? « » Lies . « Und sie reichte Stine den eben erhaltenen Brief , und diese las nun mit halblauter Stimme : » Mein lieber schwarzer Deibel . Ich komme heute , aber nicht allein ; Papageno kommt mit und ein Neffe von mir auch ; natürlich noch jung und etwas blaß . Aber bleich und blaß , ei , die Weiber lieben das . Sorge nur , daß Wanda kommt und Stine . Wein schick ich und eine Salatschüssel . Aber für alles andre mußt Du sorgen . Nichts Apartes , nichts Großes , bloß so wie immer . Dein Sarastro . « » Wer ist denn der Neffe ? « fragte Stine . » Weiß ich nich . Wer kann alle Neffens kennen . Denkst du , daß ich mich um seinen Stammbaum kümmere . Jott , wie mag es damit aussehen . Na , überhaupt Stammbäume . « » Laß ihn das nich hören . « » Oh , der hört noch ganz andres . Oder denkst du , daß ich mir wegen eine Treppe hoch mit Klavier un Diwan un wegen ' nen Schreibtisch ,