über . Das verbitterte schon Deine Kinderseele . Und als dann auch Dein Stiefbruder starb , wolltest Du von seiner Witwe , die ihn beerbte , keinen Heller mehr nehmen . Du , selbst noch unerzogen , gingst schon in die Welt , andere zu erziehen . So fehlten Deinem Wesen überall die letzten weiblichen Abrundungen . Es war meine Pflicht , Dich darauf aufmerksam zu machen . « » Ja , « sagte Adrienne mit jener plötzlichen Selbsterniedrigung , die zuweilen weiblichem Trotz folgt und niemals wahrhaftig gemeint ist , » ja , ich bin viel zu dumm und zu jung für Dich , und undankbar obenein . « Er schüttelte wie in Ungeduld verzagend den Kopf . » Vielleicht wird Dir in der langen Trennung begreiflich , « sprach er , » daß wir doch besser für einander passen und glücklicher mit einander sein können , als es jetzt scheinen will . « Beide Gatten schwiegen einige Minuten , dann fragte Adrienne mit ermüdeter und gleichgiltiger Stimme , bis wann Arnold sein Gepäck an Bord haben müsse und ob Joachim vorher noch kommen solle . » Nein , « entschied der Kapitän nach kurzem Bedenken , » abgesehen davon , daß wir in diesem Augenblick unnütze Ausgaben vermeiden müssen , weil ich für Dich und das Kind Umsiedlungspläne habe , zu denen Du Geld brauchst , abgesehen also davon , würde dem guten Jungen nur das Herz schwer werden , wenn er ... « Es wollte nicht heraus , dies : » Wenn er sähe , wie frostig mein Weib mich eine Reise um die Erde antreten läßt . « Adrienne verstand aber die unausgesprochenen Gedanken ihres Gatten . Sie wußte , daß Arnold an seinem jüngeren Bruder mit großer Liebe hing , die dieser mit abgöttischer Verehrung erwiderte . Demütig sagte sie : » Du solltest ihn doch kommen lassen . Wenn Du fort bist , kann ich mich leicht noch mehr einschränken und so das Geld , was die Reise kosten wird , schnell wieder sparen . « » Nein , « meinte der Kapitän bedrückt , » lassen wir das ! Es ist mein Wunsch , daß Du während meiner Abwesenheit etwas mehr vom Leben siehst , als es bisher geschehen konnte . Du wirst meine Gage wie jetzt regelmäßig empfangen , die Kommandozulagen , welche wir auf Reisen beziehen , werden für meine Bedürfnisse genügen , Dir bleibt also , nach dem üblichen Abzug für Joachim , mein ganzer Gehalt , was sonst für mich , Dich und Baby reichen mußte , für euch allein , Du kannst Dich einigermaßen rühren . « » O Arnold , « sagte sie traurig , » dann wollen wir doch lieber das , was jetzt weniger gebraucht wird , für Baby zurücklegen . « » Wie Du willst , « sprach er gütig , » aber erinnere Dich , wenn Dir Wünsche erwachen , meiner Einwilligung . « Adrienne brach zum zweitenmal in Thränen aus . » Mir sind ja doch keine Freuden bestimmt , « sagte diese heftige Thränenflut . Arnold glaubte alles gesagt zu haben , was in dieser neuen Wendung ihres Lebens ihren Sinn zufrieden und gerecht machen konnte , und mit einem Seufzer verließ er das Zimmer . Er nahm wieder seinen vorherigen Platz an seinem Schreibtisch ein , legte sich Briefpapier zurecht und begann mit der Unverzüglichkeit , welche vielschreibenden Leuten eigen ist , einen Brief an seinen Bruder ; kaum daß er die Unterschrift darunter gesetzt , schob er den Bogen zurück und setzte die sichere , rasche Feder auf ein zweites Blatt , zu der Anrede » Hochverehrte Frau ! « Der Brief an seinen Bruder lautete : » Mein guter Joachim ! Was wir seit einiger Zeit erwarteten , wird Thatsache werden : in acht Tagen gehe ich mit der Maria nach den neuen Kolonien , wahrscheinlich auf zwei Jahre . Ich lade Dich nicht ein , vorher um Urlaub zu bitten , so sehr ich auch wünschte , persönlich von Dir Abschied nehmen zu können . Du verstehst meine Gründe ohne weiteres , wenn ich Dir sage , es ist mein Wunsch , daß Adrienne eine Reise mache . Leider Gottes , mein Junge , haben wir von Jugend auf gelernt , lernen müssen , uns in alles zu finden , was unsere Armut uns verbot . Freilich weigert Adrienne sich vorderhand und zeigt Neigung , in ihrer einem gewissen Trotz gegen die Verhältnisse entsprungenen Apathie zu verharren . Aber dennoch hoffe ich , daß sie , wenn nicht früher , im kommenden Sommer Fanny Förster aufsuchen wird . Du weißt , ich habe die Stiefschwägerin meiner Frau nur ein einzigesmal , gelegentlich meiner Hochzeit , gesehen , allein einen so bleibenden und bedeutenden Eindruck von ihr empfangen , daß ich von dem Verkehr mit dieser Frau eine tiefgehende Wirkung auf Adrienne erhoffe . Um Dir die Wahrheit zu sagen , ist meine Frau nach der Geburt unseres Jungen etwas trübselig geblieben ; Blutarmut und Nervosität haben die ohnehin an ihrem Gemüt hängenden Schwergewichte noch herabziehender gemacht , und ich bin sicherlich zu ernst und zu beschäftigt , um einer so jungen , gedrückten Frauenseele die Munterkeit zurück zu geben . Ich lasse sie so allein zurück , daß mir bangt . Was kannst Du ihr schließlich sein ? Ich bitte Dich wenigstens , schreibe ihr jede Woche und wirke auf sie ein , daß sie zu Fanny Förster geht , der ich noch heute in dieser Angelegenheit schreibe . Ohne allen Zweifel würde , wenn Adrienne nach Mittelbach geht , Fanny Förster Dich einladen , Deinen sonst bei uns zugebrachten Urlaub bei ihr zu verleben . Nimm das ohne Zögern an , Du kannst es , denn auf Mittelbach wird eine so große Gastfreundschaft geübt , daß ein Besuch mehr oder weniger im Jahr nicht ins Gewicht fällt . Adrienne hat in ihrem Herzen jene unpersönliche und doch so persönlich wirkende Verstimmung gegen Fanny Förster , wie