schon nachsehen . « Und gelaufen ist der Junge wiederum , einen weiten Weg zu dem Meister Tischler , der nur gebrummt hat : » Hm , auch wieder ' n Geschäft ! « Dann ist er nach drei Stunden atemlos und im Schweiß nach Hause gekommen und hat die unmündige Schwester der Mutter das Gesicht waschend und die Haare kämmend gefunden , aber den Kaffee und das Brot der Nachbarn noch unangerührt draußen vor der Tür . Er hat den Topf und den schwarzen Laib mit in die Kammer gebracht , aber beides zitternd auf den Boden niedergesetzt , als er das noch unmündigere Geschöpf so am Werke erblickte . » O Paulchen ! « » Oh , Mama hat es gestern auch noch von mir gelitten . Sie hat es immer sich von mir tun lassen , seit sie krank war . « » Nun bleibe ich bei dir und helfe dir bei allem . Am Dienstag um elf Uhr kommt der Wagen für Mama , Paulchen ! « » Oh , und wir fahren mit ? « » Ja , Paulchen , und nachher in die weite Welt , von der Mama immer erzählt hat . Wie brav du gewesen bist , während ich fort war ! Aber haben sie nicht angeklopft und es durchs Schlüsselloch hereingerufen , daß sie dir zu essen und zu trinken vor die Tür setzten ? « » O doch ; aber ich mochte nicht hinausgucken , ich mochte mit Mama allein nichts essen und trinken ; aber nun bin ich hungrig . « » Mama weinte am meisten , wenn wir nichts hatten . Sie sah uns so gern essen . Und nun wollen wir Kaffee trinken . Komm , ich setze mich zu dir und Mama . Sie wird sich freuen , wenn sie sieht , daß sie uns so bei sich sitzen hat . Und des Großpapas Degen habe ich ja auch noch . Den nehme ich übermorgen mit in die Welt . Mit dem haue ich uns schon raus , und es soll uns keiner viel anhaben . « Die Kleine rückte auf dem Strohsack der Toten , und der Bruder kauerte sich neben sie . Sie hatten den schlechten irdenen Topf vor sich auf dem Fußboden und das Brot auf dem Schoß . Sie aßen und tranken , und als sie satt waren , hatten sie den ganzen Tag über nichts mehr zu tun , und ebenso den nächsten Tag , den Montag durch . Wolf Wermuth aber hielt ritterlich mit dem Degen des Leutnants Wolfram Hegewisch die Leichenwache . Zweites Kapitel In der Nacht nun von Montag auf den Dienstag waren in einem höchst anständigen bürgerlichen Hause viele Leute beieinander , das heißt , es war große Gesellschaft dort . Ihren jour fixe nannte die Hausfrau den abendlichen Zusammenlauf und war nicht ohne Grund stolz darauf ; denn es kam viel Volk zu ihr , Männlein und Fräulein , paarweise und auch einzeln , zumeist auserlesene , und zwar zum Zweck auserlesene Leute , die sich meistens wenig zum Volk , noch weniger zu den Leuten , aber sehr beträchtlich zur Welt rechneten . Wie könnte in der letzteren Beziehung die ausgiebigste Märchenphantasie dahin nachsteigen , wohin gerade der phantasiefreieste , der solideste , vernünftigste , verständigste Teil der Erdenbürger und Erdenbürgerinnen in seinen Einbildungen von seinem Verhältnis zu dem Volk und zu den Leuten und - der Welt sich verklettern kann ! Es war in einer hochachtbaren Geschäftsgegend der Stadt , wo Gastgeber und Gastgeberin sich höher als gewöhnlich und diesmal ins Ästhetische verklettert hatten und die Gäste natürlich zum größten Teil - danach waren . Die Straßen sind dort noch breit und ungemein reinlich . Es können die nobelsten Menschen in den ersten Stockwerken der Häuser da wohnen und Gesellschaften geben , in denen man sich sehen und hören lassen kann . Der bürgerliche Lebensbetrieb ist hier in dieser Hinsicht noch nicht hinderlich und verhindert vor allen Dingen noch durchaus nicht das Vorfahren in » eigener Equipage « . Letzteres freilich ist das Hauptargument fürs » Wohnenbleiben « , das dem Herrn der augenblicklich so glänzend erleuchteten und gefüllten Salons im ersten Stock über Runne & amp ; Plate seiner und ihrer Herrin gegenüber zur Verfügung steht . Ohne es würde man doch wohl schon längst in noch anständigerer Gegend die Leute aus seiner Gesellschaftssphäre bei sich sehen und nicht über den Geschäftsstuben und Familienwohnräumen der zwar sehr bekannten , sehr ehrbaren und soliden , aber durchaus nicht geist- und geldaristokratischen Firma Runne & amp ; Plate . Gottlob , das Haus hat außer seinem Geschäftstor für das Volk , die Leute und den Werkeltagslebensverkehr auch seine stattliche Privatpforte für - uns ! Wir aber , wo blieben wir mit unserem Beruf auf Erden , wenn wir uns nicht das Recht nähmen , ungeladen durch alle Türen einzugehen und uns ungerufen überall einzufinden , bei dem Volk , bei den Leuten und bei uns ? Und zwar nicht bloß beim Feste ! Und was würde dabei zutage kommen , wenn wir es nicht verstünden , unsere Zeit abzupassen und stets im richtigen Augenblick mit da zu sein ? Nichts von Bedeutung selbstverständlich . - Wenn wir nun diesmal ungeladen , ungesehen , unbelauscht von unserem Rechte Gebrauch machen , befindet sich die » Soiree « auf ihrem Höhepunkt und Hofrat Dr. Brokenkorb , einer der geladenen Gäste - und zwar aus dem Hause selbst - , in denkbar kläglichster Laune und flauester Stimmung inmitten des Glanzes und der Fülle , der feinfühligsten Freundlichkeiten der Hausfrau , der achtungsvollen Zutunlichkeiten des Kommenzienrates und der schmeichelhaften Liebenswürdigkeiten der Töchter des Hauses . Er , der sonst unter diesen Lichtern und Tönen , bei diesem Fächerrauschen und diesen Redensarten , im Fließen dieser Genüsse aus allen Künsten und im sanften Geflüster aus mehr als einer Wissenschaft heraus ganz an seiner Stelle und eine Zierde unter uns ist , hat an diesem Abend genug von sich und also