Audienz zu gewähren . Sobald die alte Dame erfuhr , um was es sich handelte , kam sie in den Hof geeilt , so rasch ihre Beine , von denen eines merklich kürzer als das andere war , es ihr erlaubten . Das scharf geschnittene Gesicht vorgestreckt , die Brille auf der Adlernase , die Ellbogen weit zurückgeschoben , humpelte sie auf die Gruppe zu , die ihrer am Tore wartete . Der Bürgermeister , ein stattlicher Mann in den besten Jahren , zog den Hut und machte einen umfänglichen Kratzfuß . » Was will Er ? « sprach die Schloßfrau , indem sie ihn mit trüben Augen anblinzelte . » Ich weiß , was Er will ; aber da wird nichts daraus ! Um die Kinder der Strolche , die einen braven Pfarrer erschlagen haben , kümm ' r ich mich nicht ... Da ist ja der Bub . Wie er ausschaut ! Ich kenn ihn : er hat mir Kirschen gestohlen . Hat Er nicht ? « wandte sie sich an Pavel , der braunrot wurde und vor Unbehagen zu schielen begann . » Warum antwortet Er nicht ? Warum nimmt Er die Mütze nicht ab ? « » Weil er keine hat « , entschuldigte der Bürgermeister . » So ? Was sitzt ihm denn da auf dem Kopf ? « » Struppiges Haar , freiherrliche Gnaden . « Ein helles Lachen erscholl , verstummte aber sofort , als die Greisin den dürren Zeigefinger drohend gegen diejenige erhob , die es ausgestoßen hatte . » Und da ist das Mädel . Komm her . « Milada näherte sich vertrauensvoll , und der Blick , den die Gutsfrau auf dem freundlichen Gesicht des Kindes ruhen ließ , verlor immer mehr von seiner Strenge . Er glitt über die kleine Gestalt und über die Lumpen , von denen sie umhangen war , und heftete sich auf die schlanken Füßchen , die der Staub grau gefärbt hatte . Einer der plötzlichen Stimmungswechsel , denen die alte Dame unterworfen war , trat ein . » Allenfalls das Mädel « , begann sie von neuem , » will ich der Gemeinde abnehmen . Obwohl ich wirklich nicht weiß , wie ich dazu komme , etwas zu tun für die Gemeinde . Aber das weiß ich , das Kind geht zugrunde bei euch , und wie kommt das Kind dazu , bei euch zugrunde zu gehen ? « Der Bürgermeister wollte sich eine bescheidene Erwiderung erlauben . » Red Er lieber nicht « , fiel die Gutsfrau ihm ins Wort , » ich weiß alles . Die Kinder , für welche die Gemeinde das Schulgeld bezahlen soll , können mit zwölf Jahren das A vom Z nicht unterscheiden . « Sie schüttelte unwillig den Kopf , sah wieder auf Miladas Füße nieder und setzte hinzu : » Und die Kinder , für welche die Gemeinde das Schuhwerk zu bestreiten hat , laufen alle barfuß . Ich kenn euch « , wies sie die abermalige Einsprache zurück , die der Bürgermeister erheben wollte , » ich hab es lang aufgegeben , an euren Einrichtungen etwas ändern zu wollen . Nehmt den Buben nur mit und sorgt für ihn nach eurer Weise ; der verdient ' s wohl , ein Gemeindekind zu sein . Das Mädel kann gleich dableiben . « Der Bürgermeister gehorchte ihrem entlassenden Wink , hocherfreut , die Hälfte der neuen , seinem Dorfe zugefallenen Last losgeworden zu sein . Pavel folgte ihm bis ans Ende des Hofes . Dort blieb er stehen und sah sich nach der Schwester um . Es war schon eine Dienerin herbeigeeilt , welcher die gnädige Frau Anordnungen in bezug auf Milada erteilte . » Baden « , hieß es , » die Lumpen verbrennen , Kleider aussuchen aus dem Vorrat für Weihnachten . « Bekommt sie auch etwas zu essen ? fuhr es Pavel durch den Sinn . Sie ist gewiß hungrig . Seitdem er dachte , war es seine wichtigste Obliegenheit gewesen , das Kind vor Hunger zu schützen . Kleider haben ist schon gut , baden auch nicht übel , besonders in großer Gesellschaft in der Pferdeschwemme . Wie oft hatte Pavel die Kleine hingetragen und sie im Wasser plätschern lassen mit Händen und Füßen ! - Aber die Hauptsache bleibt doch - nicht hungern . » Sag , daß du hungrig bist ! « rief der Junge seiner Schwester ermahnend zu . » Jetzt ist der Kerl noch da ! Wirst dich trollen ? « hallte das Echo , das seine Worte weckten , vom Schlosse herüber . Der Bürgermeister , der schon um die Ecke des Gartenzauns biegen wollte , kehrte um , faßte Pavel am Kragen und zog ihn mit sich fort . Drei Tage dauerten die Beratungen der Gemeindevorstände über Pavels Schicksal . Endlich kam ihnen ein guter Gedanke , den sie sich beeilten auszuführen . Eine Deputation begab sich ins Schloß und stellte an die Frau Baronin das untertänigste Ansuchen : weil sie schon so dobrotiva ( allergütigst ) gewesen , sich der Tochter des unglücklichen Holub anzunehmen , möge Sie sich nun auch des Sohnes desselben annehmen . Der Bescheid , den die Väter des Dorfes erhielten , lautete hoffnungslos verneinend , und die Beratungen wurden wiederaufgenommen . Was tun ? » Das in solchen Fällen Gewöhnliche « , meinte der Bürgermeister ; » der Bub geht von Haus zu Haus und findet jeden Tag bei einem andern Bauern Verköstigung und Unterstand . « Alle Bauern lehnten ab . Keiner wünschte , den Sprößling der Raubmörder zum Hausgenossen der eigenen Sprößlinge zu machen , wenn auch nur einen Tag lang in vier oder fünf Wochen . Zuletzt wurde man darüber einig : Der Junge bleibt , wo er ist - wo ja sein eigener Vater ihn hingegeben hat : bei dem Spitzbuben , dem Gemeindehirten . Freilich , wenn die Gemeinde sich den Luxus eines Gewissens gestatten dürfte , würde es gegen dieses Auskunftsmittel protestieren . Der Hirt