auch in ihre Ideenwelt zurück ; mit bittrer Reue nimmt sie oft den Reichtum zurück , womit sie sonst die Welt verherrlichte , wird stolz , haßt und verachtet nun ; oft tötet sie der Schmerz der ersten Täuschung ganz , dann irrt der Mensch ohne Heimat umher , müd und hoffnungslos , und scheint ruhig , denn er lebt nicht mehr . Sie sind unendlich , die Verirrungen der Liebe . Doch überall möcht ich ihr sagen : verstehe das Gefühl der Dürftigkeit , und denke , daß der Adel deines Wesens im Schmerze nur sich offenbaren kann ! Kein Handeln , kein Gedanke reicht , so weit du willst . Das ist die Herrlichkeit des Menschen , daß ihm ewig nichts genügt . In deiner Unmacht tut sie dir sich kund . Denke dieser Herrlichkeit ! Denn wer nur seiner Unmacht denkt , muß immer mit Angst nach fremder Stütze sich umsehn , und wer sich beredet , er habe nichts zu geben , will immer nur aus fremder Hand empfangen , und wird nie genug haben . Denn würd ihm auch alles gegeben , es müßte doch mangelhaft vor ihm erscheinen . Auf dem schmalen Wege des Empfangens wird auch der Reichtum für uns zur Dürftigkeit . Wer umspannt den Olymp mit seinen Armen ? Wer faßt den Ozean in eine Schale ? Und welchem Auge stellte sich ein Gott in unverhüllter Glorie dar ? Es ist so unmöglich für uns , das Mangellose ins Bewußtsein aufzunehmen , als es unmöglich ist , daß wir es hervorbringen . Was blieb ' uns auch zum Tagewerk noch übrig , wenn die Natur sich überwunden gäbe , und der Geist den letzten Sieg feierte ? Doch soll es werden , das Vollkommene ! Es soll ! so kündet die geheime Kraft in dir sich an , woraus , vom heißen Strahle genährt , dein ewig Wachstum sich entwickelt . Laß deine Blüte fallen , wenn sie fällt , und deine Zweige dürre werden ! Du trägst den Keim zur Unendlichkeit in dir ! Erhalt ihn in der Dürftigkeit des Lebens ! Dein freier Geist verübe sein Recht unüberwindlich am Widerstande der Natur ! Wenn sie uns zum Kampfe fordert , will sie nicht , daß wir um Gnade rufen , sie schützt die Feigen nicht , sie straft den Schmeichler , wenn er im Hochgefühle seines Adels und seiner Macht der alten Kämpferin begegnen sollte , und wimmernd zu ihr spricht : Du meinst es gut , meine Freundin ! Ich gebe mich und meine Waffen dir . Den stößt des Schicksals eherner Wagen um , der seinen Rossen nicht mit Mut in die Zügel fällt . - Auch will die Natur nicht , daß man vor ihren Stürmen sich ins Gedankenreich flüchte , zufrieden , daß man der Wirklichkeit vergessen könne im stillen Reiche des Möglichen . Ergründe sie , die Tiefen deines Wesens , doch nur , um unüberwindlicher aus ihnen in den Kampf hervorzutreten , wie Achill , da er im Styx sich gebadet . Vollbringe , was du denkst ! - Wenn aber die Natur dir freundlich entgegenkömmt , im Gewande des Friedens , und lächelnd dir zu deinem Tagewerke die Hände reicht , wenn , freudig überrascht , im Sinnenlande dein Geist , wie in einem Spiegel , sein Ebenbild beschaut , die Formen der Natur zum einsamen Gedanken sich schwesterlich gesellen , so freue dich , und liebe , doch vergiß dich nie ! Verlaß dein Steuer nicht , wenn eine fröhliche Luft in deine Segel weht ! Entehre nicht des Schicksals gute Göttin ! du machst sie zur Sirene , wenn sie dich mit ihren Melodien in den Schlummer wiegt . Es ist das beste , frei und froh zu sein ; doch ist es auch das schwerste , lieber Fremdling ! - In seinen Höhn den Geist emporzuhalten , im stillen Reiche der Unvergänglichkeit , und heiter doch hinab ins wechselnde Leben der Menschen , auch ins eigne Herz zu blicken , und liebend aufzunehmen , was von ferne dem reinen Geiste gleicht , und menschlich auch dem Kleinsten die fröhliche Verwandtschaft mit dem , was göttlich ist , zu gönnen ! Gewaffnet zu stehn vor den feindlichen Bewegungen der Natur , daß ihre Pfeile stumpf vom unverwundbaren Geschmeide fallen , doch ihre friedlichen Erscheinungen mit friedlichem Gemüte zu empfangen , den düstern Helm vor ihnen abzunehmen , wie Hektor , als er sein Knäblein herzte ! Des Lebens Nächte mit dem Rosenlichte der Hoffnung und des Glaubens zu beleuchten , doch die Hände nicht müßig fromm zu falten ! was wahr und edel ist , aus fesselfreier Seele den Dürftigen mitzuteilen , doch nie der eignen Dürftigkeit zu vergessen , dankbar aufzunehmen , was ein reines Wesen gibt und der brüderlichen Gabe sich zu freuen ! Dies ist das Beste ! so lehrte mich - ich ehre sie - die Schule meines Lebens . - Der seltne Mann erschien vor meinem Innern so sanft und groß . Froh bot ich ihm die Hand , und dankte , und sagt ihm meinen Irrtum . Nur zu lange , rief er , irrt auch ich , und die Geschichte meiner Jugend ist ein Wechsel widersprechender Extreme ; ich kenne das , wo wir traurend und verarmt des hohen Eigentums nicht gedenken und alles ferne wähnen , was wir doch in uns finden sollten , und das verlorne in der Zukunft suchen und in der Gegenwart , im ganzen Labyrinthe der Welt , in allen Zeiten und ihrem Ende ; ich kenn auch das , wo das feindliche verhärtete Gemüt jede Hülfe verschmäht , jedes Glaubens lacht in seiner Bitterkeit , auch die Empfänglichkeit für unsre Wünsche der guten Natur mißgönnt , und lieber seine Kraft an ihrem Widerstande mißt . Doch auch diesen Verirrungen gönn ich itzt oft einen freundlichen Blick , wenn sie mir erscheinen . Wie sollt ich sie noch mit Strenge bekämpfen ? Sie schlummern friedlich in ihrem Grabe