der Oheim und fuhr dann fort : » Es gibt keine Torheit , deren sie mich nicht für fähig hält . Sie würde schließlich jede verzeihen , aber die tollste hält sie für möglich . Sie sieht in mir einen ewigen Jüngling und beweist mir , daß mein Leben eine Kette von Jugendtorheiten sei , ja , sie hat sich , glaub ich , in den Kopf gesetzt , eine Jugendtorheit werde auch mein Leben beschließen . Zuletzt wär es nicht das schlimmste . Jedenfalls gut ungarisch , und am Ende stirbt sich ' s besser jugendlich als ältlich . « In diesem Augenblick hörte man Militärmusik , und der alte Graf erhob sich . » Ein Uhr . Es ist die höchste Zeit . Und nun mache der Tante drüben deinen Besuch und sondiere . Du mußt sehen , aus des Fräuleins Namen einigen Nutzen zu ziehen . Franziska Franz - man kann kaum österreichischer aus der Taufe gehoben sein . Ist es nicht , als flattere der Doppeladler direkt über einem ? Ich vertraue ganz deiner Klugheit . Und erzähl ihr auch , vielleicht käme Liszt ; das macht sie guter Laune . Alles , was Pio Nono mit der Hand gestreift hat , ist gesegnet ein für allemal . Ich persönlich ziehe die Wolter vor . « Und so sprechend , gingen sie den Korridor hinunter bis an die Marmortreppe , wo man sich rasch trennte , der alte Graf , um dem Fräulein , Graf Egon aber , um der Tante seinen Besuch zu machen . Alles , was er eben gehört hatte , ging ihm durch den Kopf , ohne daß es ihn geradezu verstimmt hätte , denn er liebte den Oheim wirklich und verzieh ihm gern und leicht seinen dann und wann etwas exzentrisch auftretenden Theaterenthusiasmus . Aber wenn dieser Enthusiasmus auch noch größer und seine Liebe zum Oheim geringer gewesen wäre - der Onkel war eben ein » Erbonkel « und mußte daraufhin um so vorsichtiger behandelt werden , als das durch die Tante repräsentierte Gundolskirchensche Vermögen ohnehin in einer steten Gefahr war , von der Familie fort - und irgendeinem kirchlichen Orden , sehr wahrscheinlich dem der Liguorianer , zuzufallen . Drittes Kapitel So verging der Vormittag . Am Abend war das Fest , die junge Schauspielerin erschien und wurde der Gräfin Judith vorgestellt . Aber ehe diese Vorstellung stattfinden konnte , hatte sich ein Zwischenfall ereignet , der , wenn nicht das Fest selbst , so doch die Stimmung desselben ernsthaft in Frage gestellt hatte . Zu neun Uhr war geladen worden , und der alte Graf wartete schon der ersten Gäste , namentlich aber Judiths , als Egon in Begleitung zweier Freunde , der Grafen Pejevics und Coronini , erzherzogliche Adjutanten wie er , im Festsaal erschien und in sichtlicher Erregung auf den Oheim zuschritt . Dieser begrüßte die Herren mit der ihm eigenen Artigkeit , nahm aber an ihrer Haltung sehr bald wahr , daß etwas geschehen sein müsse . » Was gibt es , Egon ? « » Gablenz ... « Er stockte . » Nur heraus . Ich ahne . « » Hat sich erschossen . Eben hatten wir das Telegramm . Ich wollte nicht , daß dir unvorbereitet und inmitten deiner Gäste die Nachricht käme . « Die beiden jungen Grafen bestätigten die Mitteilung . Es war in einer kleinen , aus Lorbeer und Palmen arrangierten Nische , wo man das kurze Gespräch geführt hatte . Der alte Graf antwortete nicht , stützte sich nur auf einen Marmortisch , der hier samt ein paar Stühlen stand , und machte dann eine Handbewegung , in der er die Herren aufforderte , sich zu setzen . Gleich darnach aber nahm er selber Platz und sah , während er an seinem weißen Bart drehte , stumm vor sich hin . Es war augenscheinlich , daß er mit seinen Gedanken abwesend war und momentan seiner Besucher vergaß . » Er war dir lieb und wert « , nahm Egon , dem die Situation peinlich zu werden anfing , endlich das Wort . Aber der Graf verharrte noch immer in seinem Schweigen . Erst nach einer Weile war es , als ob er erwache . » Lieb und wert , sagtest du , wohl , aber das sagt nicht genug . Er war mein Freund , das sagt mehr . « Und dabei flogen ihm die Lippen . » Ich weiß , es wird viel gegen ihn gesagt werden , und es ist viel gegen ihn zu sagen , oder doch manches . Aber gegen wen nicht ? Er war ein vollkommener Kavalier und hielt es mit dem Wort : Ich marchandiere nicht . Und an dem Festhalten an diesem Wort ist er zugrunde gegangen . Hätt er mit dem Ehrenpunkte marchandieren können , er lebe noch . « » Unter allen Umständen ein beklagenswerter Ausgang « , antwortete Graf Coronini , dem die Verteidigung in ihrem Überschwang und zum Teil auch in einer Verkennung des Tatsächlichen offenbar mißfiel . » Ein beklagenswerter Ausgang , und um so beklagenswerter , als der Zweck , um dessentwillen so gehandelt wurde , nicht erreicht wird . In gewollter Wahrung seiner Ehre hat er sie nur aufs neue bloßgestellt . « Ein scharfer Blick , der den jungen Grafen traf und in nicht geringe Verlegenheit brachte , schoß in diesem Augenblick aus dem von Natur schon etwas geröteten Auge des alten Petöfy . Zugleich aber nahm dieser wieder das Wort und sagte : » Graf Coronini , Pardon , aber dem Ernste solcher Fragen ist mit Alltagsbetrachtungen und einer landläufigen Moral nicht beizukommen . Ich bin mit Ihrem Vater , dem Grafen , jung gewesen , ein halb Jahrhundert liegt dazwischen , und so müssen Sie mir , einem alten Grognard , diese Sprache zugute halten . Es ist ein tiefes und schönes Wort , das Wort von der süßen Gewohnheit des Daseins ; alles , was lebt , hängt auch am Leben ,