a Zeit schau ich mir alle Sach daraufhin an , ob s ' ihr Holz wert wär , wenn man s ' schnitzte , und dasselbe kann ich mir dann auch so leibhaftig ins Pflöckl hneindenken , daß ich mein , ich dürft nur mitm Messer nachgehn , daß ich ' s herauskrieg , aber zu eilig bin ich drauf aus , und da fallt oft da und dort a Span zviel weg , und ' s Ganz wird mir schief und schelweanket ; hab ich erst a sichere Hand , dann bin ich Meister und schneid nur Gfallsams , wofür mich ' s Holz nit reut . « Die Kleine hatte die ineinandergeschlungenen Hände auf die Schulter des Burschen gelegt und stützte sich so auf diese . » Gelt « , sagte sie , » mich tätst schnitzen ? « » Wie d ' dasitzst , von Kopf bis zun Füßen , aber lieber noch , wann d ' einmal großgwachsen bist . Verlaß dich drauf , du wirst bildsauber , Helen ; um dich werdn sich die Buben raufen . « » Muckerl ! Du Himmelsackermenter ! wo steckst denn ? « rief es von nebenan . » Gleich komm ! ' s Nachtmahl steht afm Tisch ! « » Die Mutter « , flüsterte der Junge und glitt von dem Bänkchen herab . » Gute Nacht , Helen ! ' s kann wohl sein - « » Was denn ? « » Daß ich dann auch mitrauf . « Er huschte davon . Als er in dem rein und sauber gehaltenen Stübchen bei Tische saß , keifte die Mutter : » Wie oft soll ich dir ' s noch sagen , mach dich da drüben nicht unnütz . Du bist doch wahrhaftig kein Kind mehr , und ein Bursch in deinen Jahrn vergibt sich etwas , und es ist auch ganz unschicksam , wenn er sich mit so ein halbwüchsigen Menscherl umtreibt . Verträglich bin ich gern mit alle Nachbarsleut , aber vertraulich nit mit jedem und mit den Zinshoferischen wohl zur allerletzten Letzt . Die Dirn wachst um die Alte auf , und die kenn ich noch von meiner ledigen Zeit her , die ist von der Art , die keinem ein Guts tut , sie hätt es denn dabei besser , und der nichts Übles zustoßt , ohne daß sich ' s zugleich für andere schlechter trifft . « Muckerl hatte sehr aufmerksam zugehört , jetzt schloß er den offenen Mund hinter einem Löffel Suppe . Er aß schweigend weiter . Offenbar war ihm das Gesagte so unverständlich , daß er ihm mit keiner Frage beizukommen wußte . Unter der Türe der verwahrlosten Hütte zeigte sich die schlanke , hagere Gestalt eines alten Weibes . Nichts als die blitzenden , großen , grauen Augen hatte die Alte mit dem Kinde gemein . » Komm h ' rein , essen . « » Essen ? « fragte die Kleine gedehnt . » Wieder ein Schmalzbrot ? « » Sei du froh , wenn wir Schmalz darauf haben , es schmeckt doch weniger hart wie trocken . « Gähnend trat das Kind in die Stube , schloß aber hastig den Mund und zog die Nase kraus vor der moderigen Feuchte , die in dem engen Räume gärte und ihn noch unfreundlicher machte , als er es in seiner Unwohnlichkeit ohnehin schon war . » Die Kleebinderin ärgert ' s wohl groß « , sagte die Alte , » daß dir ihr Muckerl nachschleicht ? « » Kann ja sein « , antwortete die Kleine , indem sie den Kopf zurückwarf und die Schultern hob , als wollte sie andeuten , der große Ärger der Kleebinderin sei ihr ganz gleichgültig . » Du fangst aber bissel früh an « , fuhr die Alte mit gutmütigem Spotte fort , » dir sagen zu lassen , daß du schön bist . « » Ich hab ihn nit grufen und kein Anlaß zur Red geben « , entgegnete schnippisch das Mädchen , nahm mit unwilliger Gebärde das dargereichte , mit triefendem Fett beschmierte Brot an sich und ging zur Hütte hinaus . An großen , harten Brocken kauend , stand sie dort und sah nach dem Sternsteinhof hinauf , der dort oben lag wie ein Schloß . Alle Märchen , von denen sie gehört oder gelesen hatte , vermischten sich in ihrem Kinderkopfe . - - Da war einmal eine blutjunge , bettelarme Dirne , wohl war sie bildsauber , aber das merkte ihr niemand an , denn sie hatte nur schlechte Kleider , und mit denen lag sie nachts in der Herdasche ; der war es aufgegeben , auf einer glühenden Pflugschar über ein Wasser zu schreiten , einen gläsernen Berg hinanzuklettern und in dem Schlosse dort oben einem bösen , alten Weibe , das den Schlüsselbund nicht ausfolgen wollte , den Kopf zwischen Deckel und Rand einer eisernen Truhe abzukneipen , dann aber war das Schloß entzaubert , gehörte mit allem Hab und Gut innen und allem Grund und Boden außen der armen Dirne , die nun bis an das Ende ihrer Tage herrlich und in Freuden lebte . Wahrhaftig , die kleine Zinshofer Helene war ein weltkluges , entschlossenes Kind . Sie schätzte ganz richtig , daß viel Anstrengung , Mühsal und Pein auf dem Wege nach solch einem verzauberten Schlosse liegen müsse , auf die Hilfeleistung gütiger Feen machte sie sich keine Rechnung , » schöne Prinzen « schienen ihr kein dringliches Erfordernis , und » alte Weiber « mochten sich vorsehen . II Helene erfüllte die Vorhersagung des Kleebinder Muckerl . Ja , sie übertraf , wie er sich selbst gestehen mußte , seine Erwartungen . Freilich , einige Zeit war darüber vergangen , aber wer fragte nach , wo die hingekommen ? Der Muckerl wenigstens tat es nicht , dem war sie kurzweilig genug geschwunden ; was sie gebracht hatte , war gut , was sie noch bringen konnte , wird besser sein , und