Hause ihrer Herren vor sich gehen , lange bevor diese dazu kommen , ihnen Mitteilung davon zu machen . Sebastian und Tinette mußten diese Gabe in hohem Grade besitzen , denn eben , als der Herr Doktor , von Sebastian begleitet , die Treppe hinunterging , trat Tinette ins Zimmer der Klara ein , die nach dem Mädchen geschellt hatte . » Holen Sie diese Schachtel voll ganz frischer , weicher Kuchen , wie wir sie zum Kaffee haben , Tinette « , sagte Klara und deutete auf die Schachtel hin , die schon lange bereit gestanden hatte . Tinette erfaßte das bezeichnete Ding an einer Ecke und ließ es verächtlich an ihrer Hand baumeln ; unter der Tür sagte sie schnippisch : » Es ist wohl der Mühe wert . « Als der Sebastian unten mit gewohnter Höflichkeit die Tür aufgemacht hatte , sagte er mit einem Bückling : » Wenn der Herr Doktor wollten so freundlich sein und dem Mamsellchen auch einen Gruß vom Sebastian bestellen . « » Ah , sieh da , Sebastian « , sagte der Herr Doktor freundlich ; » so wissen Sie denn auch schon , daß ich reise ? « Sebastian mußte ein wenig husten : » Ich bin - ich habe - ich weiß selbst nicht mehr recht - ach ja , jetzt erinnere ich mich : Ich bin eben zufällig durch das Eßzimmer gegangen , da habe ich den Namen des Mamsellchens aussprechen gehört und wie es so geht , man hängt dann so einen Gedanken an den andern an und so - und in der Weise - « » Ja wohl , ja wohl « , lächelte der Herr Doktor , » und je mehr Gedanken einer hat , je mehr wird er inne . Auf Wiedersehen , Sebastian , der Gruß wird bestellt . « Jetzt wollte der Herr Doktor rasch durch die offene Haustür enteilen , aber er traf auf ein Hindernis : der starke Wind hatte Fräulein Rottenmeier verhindert , ihre Wanderung weiter fortzusetzen ; eben war sie zurückgekehrt und wollte ihrerseits durch die offene Tür eintreten . Der Wind hatte ihr weites Tuch , in das sie sich gehüllt hatte , aber dergestalt aufgebläht , daß es gerade so anzusehen war , als habe sie die Segel aufgespannt . Der Herr Doktor wich augenblicklich zurück . Aber gegen diesen Mann hatte Fräulein Rottenmeier von jeher eine besondere Anerkennung und Zuvorkommenheit an den Tag gelegt . Auch sie wich mit ausgesuchter Höflichkeit zurück und eine Weile standen die beiden mit rücksichtsvoller Gebärde da und machten einander gegenseitig Platz . Jetzt aber kam ein so starker Windstoß , daß Fräulein Rottenmeier auf einmal mit vollen Segeln gegen den Doktor heranflog . Er konnte eben noch ausweichen ; die Dame aber wurde noch ein gutes Stück über ihn hinausgetrieben , so daß sie wieder zurückkehren mußte , um nun den Freund des Hauses mit Anstand zu begrüßen . Der gewalttätige Vorgang hatte sie ein wenig verstimmt , aber der Herr Doktor hatte eine Art und Weise , die ihr gekräuseltes Gemüt bald glättete und eine sanfte Stimmung darüber verbreitete . Er teilte ihr seinen Reiseplan mit und bat sie in der einnehmendsten Weise , ihm die Sendung an das Heidi so zu verpacken , wie nur sie zu packen verstehe . Dann empfahl sich der Herr Doktor . Klara erwartete , daß sie erst einige Kämpfe mit Fräulein Rottenmeier zu bestehen haben würde , bevor diese ihre Zustimmung zum Absenden all der Gegenstände geben werde , die Klara für das Heidi bestimmt hatte . Aber diesmal hatte sie sich getäuscht : Fräulein Rottenmeier war ausnehmend gut gelaunt . Sogleich räumte sie alles weg , was auf dem großen Tische lag , um die Dinge alle , die Klara zusammengebracht hatte , darauf auszubreiten und dann vor ihren Augen die Sendung zu verpacken . Es war keine leichte Arbeit , denn die Gegenstände , die da zusammengerollt werden sollten , waren vielgestaltig . Erst kam der kleine dicke Mantel mit der Kapuze , den Klara für das Heidi ausgesonnen hatte , damit es im kommenden Winter die Großmutter besuchen konnte , wann es wollte , und nicht warten mußte , bis der Großvater kommen konnte und es dann in den Sack eingewickelt werden mußte , damit es nicht erfriere . Dann kam ein dickes , warmes Tuch für die alte Großmutter , damit sie sich darin einhülle und nicht frieren müsse , wenn der Wind wieder so schaurig um die Hütte klappern würde . Dann kam die große Schachtel mit den Kuchen ; die war auch für die Großmutter bestimmt , daß sie zu ihrem Kaffee auch einmal etwas anderes als ein Brötchen zu essen habe . Jetzt folgte eine ungeheure Wurst ; die hatte Klara ursprünglich für den Peter bestimmt , weil er doch nie etwas anderes als Käse und Brot bekam . Aber sie hatte sich jetzt anders besonnen , denn sie fürchtete , der Peter könnte vor Freuden die ganze Wurst auf einmal aufessen . Darum sollte die Mutter Brigitte diese bekommen und erst für sich und die Großmutter einen guten Teil davon nehmen und dem Peter den seinigen in verschiedenen Lieferungen abgeben . Jetzt kam noch ein Säckchen Tabak ; der war für den Großvater , der ja so gern ein Pfeifchen rauchte , wenn er am Abend vor der Hütte saß . Zuletzt kam noch eine Anzahl geheimnisvoller Säckchen , Päckchen und Schächtelchen , welche Klara mit besonderer Freude zusammengekramt hatte , denn da sollte das Heidi allerhand Überraschungen finden , die ihm große Freude machen würden . Endlich war das Werk beendet und ein stattlicher Ballen lag reisefertig an der Erde . Fräulein Rottenmeier schaute darauf nieder , in tiefsinnige Betrachtungen über die Kunst zu packen versunken . Klara ihrerseits warf Blicke froher Erwartung darauf hin , denn sie sah das Heidi vor sich , wie es vor Überraschung in die Höhe springen und aufjauchzen würde , wenn das ungeheure Paket bei ihm