oder fünfzehn Jahre lang . Dann auf einmal erschien er wieder im Domleschg mit einem halberwachsenen Buben und wollte diesen in der Verwandtschaft unterzubringen suchen . Aber es schlossen sich alle Türen vor ihm , und keiner wollte mehr etwas von ihm wissen . Das erbitterte ihn sehr ; er sagte : ins Domleschg setze er keinen Fuß mehr , und dann kam er hierher ins Dörfli und lebte da mit dem Buben . Die Frau muß eine Bündnerin gewesen sein , die er dort unten getroffen und dann bald wieder verloren hatte . Er mußte noch etwas Geld haben , denn er ließ den Buben , den Tobias , ein Handwerk erlernen , Zimmermann , und der war ein ordentlicher Mensch und wohlgelitten bei allen Leuten im Dörfli . Aber dem Alten traute keiner , man sagte auch , er sei von Neapel desertiert , es wäre ihm sonst schlimm gegangen , denn er habe einen erschlagen , natürlich nicht im Krieg , verstehst du , sondern beim Raufhandel . Wir anerkannten aber die Verwandtschaft , da meiner Mutter Großmutter mit seiner Großmutter Geschwisterkind gewesen war . So nannten wir ihn Öhi , und da wir fast mit allen Leuten im Dörfli wieder verwandt sind vom Vater her , so nannten ihn diese alle auch Öhi , und seit er dann auf die Alm hinaufgezogen war , hieß er eben nur noch der Alm-Öhi . « » Aber wie ist es dann mit dem Tobias gegangen ? « fragte gespannt die Barbel . » Wart nur , das kommt schon , ich kann nicht alles auf einmal sagen « , erklärte Dete . » Also der Tobias war in der Lehre draußen in Mels , und sowie er fertig war , kam er heim ins Dörfli und nahm meine Schwester zur Frau , die Adelheid , denn sie hatten sich schon immer gern gehabt , und auch wie sie nun verheiratet waren , konnten sie ' s sehr gut zusammen . Aber es ging nicht lange . Schon zwei Jahre nachher , wie er an einem Hausbau mithalf , fiel ein Balken auf ihn herunter und schlug ihn tot . Und wie man den Mann so entstellt nachhause brachte , da fiel die Adelheid vor Schrecken und Leid in ein heftiges Fieber und konnte sich nicht mehr erholen , sie war sonst nicht sehr kräftig und hatte manchmal so eigene Zustände gehabt , daß man nicht recht wußte , schlief sie , oder war sie wach . Nur ein paar Wochen , nachdem der Tobias tot war , begrub man auch die Adelheid . Da sprachen alle Leute weit und breit von dem traurigen Schicksal der beiden , und leise und laut sagten sie , das sei die Strafe , die der Öhi verdient habe für sein gottloses Leben , und ihm selbst wurde es gesagt und auch der Herr Pfarrer redete ihm ins Gewissen , er sollte doch jetzt Buße tun , aber er wurde nur immer grimmiger und verstockter und redete mit niemandem mehr , es ging ihm auch jeder aus dem Wege . Auf einmal hieß es , der Öhi sei auf die Alm hinaufgezogen und komme gar nicht mehr herunter , und seither ist er dort und lebt mit Gott und Menschen im Unfrieden . Das kleine Kind der Adelheid nahmen wir zu uns , die Mutter und ich ; es war ein Jahr alt . Wie nun im letzten Sommer die Mutter starb und ich im Bad drunten etwas verdienen wollte , nahm ich es mit und gab es der alten Ursel oben im Pfäfferserdorf an die Kost . Ich konnte auch im Winter im Bad bleiben , es gab allerhand Arbeit , weil ich zu nähen und flicken verstehe , und früh im Frühling kam die Herrschaft aus Frankfurt wieder , die ich voriges Jahr bedient hatte und die mich mitnehmen will ; übermorgen reisen wir ab , und der Dienst ist gut , das kann ich dir sagen . « » Und dem Alten da droben willst du nun das Kind übergeben ? Es nimmt mich nur wunder , was du denkst , Dete « , sagte die Barbel vorwurfsvoll . » Was meinst du denn ? « gab Dete zurück . » Ich habe das Meinige an dem Kinde getan , und was sollte ich denn mit ihm machen ? Ich denke , ich kann eines , das erst fünf Jahre alt wird , nicht mit nach Frankfurt nehmen . Aber wohin gehst du eigentlich , Barbel , wir sind ja schon halbwegs auf der Alm ? « » Ich bin auch gleich da , wo ich hin muß « , entgegnete die Barbel ; » ich habe mit der Geißenpeterin zu reden , sie spinnt mir im Winter . So leb wohl , Dete ; mit Glück ! « Dete reichte der Begleiterin die Hand und blieb stehen , während diese der kleinen , dunkelbraunen Almhütte zuging , die einige Schritte seitwärts vom Pfad in einer Mulde stand , wo sie vor dem Bergwind ziemlich geschützt war . Die Hütte stand auf der halben Höhe der Alm , vom Dörfli aus gerechnet , und daß sie in einer kleinen Vertiefung des Berges stand , war gut , denn sie sah so baufällig und verfallen aus , daß es auch so noch ein gefährliches Darinwohnen sein mußte , wenn der Föhnwind so mächtig über die Berge strich , daß alles an der Hütte klapperte , Türen und Fenster , und alle die morschen Balken zitterten und krachten . Hätte die Hütte an solchen Tagen oben auf der Alm gestanden , sie wäre unverzüglich ins Tal hinabgeweht worden . Hier wohnte der Geißenpeter , der elfjährige Bube , der jeden Morgen unten im Dörfli die Geißen holte , um sie hoch auf die Alm hinaufzutreiben , um sie da die kurzen kräftigen Kräuter fressen zu lassen bis zum Abend ; dann sprang der Peter mit den leichtfüßigen Tierchen wieder herunter , tat