Alter nirgends einen Schluck hinter seinen Flicken und Lappen verborgen ? « » Branntwein ? « fragte Robert , » den trinkt er nie . « » Welch ein Muster von einem Mann . « Robert erhob sich , etwas schwankend , aus dem Heu . » Bier haben wir « , sagte er . » Ich will dir eine Flasche holen . « » Du ! « rief ihm Georg nach , » bring auch einen Bissen Brot mit und ein Stück Speck oder dergleichen . Deine Alte hat ja natürlich die Speisekammer voll . « Robert winkte ihm . » Pst , - laß es doch niemand hören . « Dann aber schlich er fort und gelangte durch eine zerbrochene Scheibe in den kleinen Vorratskeller . Sein Herz klopfte zum Zerspringen , als er eine Bierflasche und ein tüchtiges Stück Schinken an sich nahm . Das war gestohlen , sein Gewissen sagte es ihm laut genug . Jeden Augenblick glaubte er den schlürfenden Schritt des Vaters zu hören . Und nannte nicht dort jemand seinen Namen - » Robert ! « Er horchte ; aber alles blieb still . Leise wie ein Dieb kroch Robert wieder durch das Fenster in den Hof hinauf und brachte seinem Freund das Verlangte . » Da , nun iß « , sagte er , » und dann erzähle . Warum bist du überhaupt für immer an Land gegangen ? « Der Seiler setzte die Flasche erst wieder auf den Fußboden , als sich kein Tropfen mehr darin befand . » Warum ? « wiederholte er . » Hm , ich habe einmal das Bein gebrochen , - bin aus dem Mast gefallen und kann daher nicht mehr klettern . « » Aus dem Mast gefallen ? « wiederholte Robert . » Binden sich denn die Seeleute nicht fest da oben ? « Der Seiler wollte sich ausschütten vor Lachen . » Festbinden ! « rief er , » das ist köstlich . Nein , du , sie machen sich ' s noch bequemer , will ich dir sagen . Die Mutter muß mit an Bord und an Deck die Schürze ausbreiten , dahinein fällt der Junge , wenn er das Gleichgewicht verliert . « Robert errötete . Das und so vieles andere waren Anspielungen auf seine abhängige Lage und auf den strengen Gehorsam , den der Vater von ihm forderte . » Du bist glücklich « , sagte er , » kannst tun und lassen , was du willst . Aber ich muß Schneider werden , weil mein Vater durchaus will . Wenn er nur erfährt , daß ich einmal auf dem Mühlenteich gefahren bin , so gibt es schon - « » Ohrfeigen ! « ergänzte gleichmütig der andere . » Kann ich mir genau denken . Aber warum fährst du nicht in der Nacht ? Eben jetzt haben wir die günstigste Jahreszeit dazu . Wahrhaftig , ich möchte einmal an des Müllers Segelboot meine Kunst wieder üben . « Roberts Herz klopfte . Wie mutig war Georg , wie leicht schien das alles , wenn man ihn so sprechen hörte . An das Segelboot des reichen Müllers hatte er selbst noch nicht einmal zu denken gewagt . Das lag ja mit einer Kette und einem Schloß fest an dem zierlichen , über das Wasser hinausgebauten Gartenhaus , es war das Eigentum fremder Leute , wie konnte man also davon sprechen , als dürfte es der erste beste zu seinem Vergnügen besteigen ? » Ja « , sagte er ganz verwirrt , » aber das ist nicht erlaubt ! « » Ach , dummes Zeug . Was schadet es den Planken , wenn wir einmal darauf herumtrampeln ? Du glaubst gar nicht , wie angenehm es ist , bei stillem Wetter im Boot zu liegen und sich von den Wellen schaukeln zu lassen . « » Das weiß ich ! « rief mit glänzenden Augen der Junge . » Oh , es ist ein Vergnügen wie kein anderes . Den Kahn des Holzhändlers darf ich benutzen , weil ich den Leuten manchmal einen Gefallen tue , und dann fahre ich oft nach Feierabend quer über den Teich . Der Vater darf es aber nicht wissen . « Georg kaute noch an dem mitgebrachten Schinken . » Der platte , schwerfällige Kahn « , sagte er verächtlich , » der Klotz , an dem man sich die Arme lahm rudern muß . Nein , mein Junge , was erst große Anstrengung kostet , das ist kein Vergnügen mehr . Ein Segelboot fliegt wie eine Möwe über das Wasser , aber dein Kahn ist ja wie ein Schubkarren . Versuch erst einmal den Unterschied . « Robert war bereits halb besiegt . » Meinst du , daß es ginge ? « fragte er . » Ich glaube , das Boot ist angeschlossen . « » Nun , dafür hat man krumme Nägel . Wir wollen ja nicht stehlen . « » Wie komme ich nur aus dem Hause , daß es die Eltern nicht merken ? « murmelte Robert . » Den Schlüssel darf ich auf keinen Fall nehmen . « » Ist ja auch gar nicht nötig . Die Hoftür hat doch einen Riegel , und den zieht man leise zurück , das ist das Ganze . Die Alten schnarchen ruhig weiter . « » Ja « , rief Robert , » aber dann stände das Haus offen ! « » Nun , und was schadet das weiter ? Schätze werden in dem alten Kasten nicht verborgen sein , denke ich . « Robert lächelte . » Schätze wohl nicht , aber ein paar hundert Taler hat der Alte doch im Schrank . Er bringt es immer erst zur Sparkasse , wenn das Tausend voll ist , so alle zwei oder drei Jahre . « Georg hatte aufmerksam zugehört . » Sieh an , « rief er , » also ein Krösus im kleinen . Ja , die Schneider sind kluge Leute