im verlassenen Fischbacher Walde und im sogenannten » Jackelland « in mehr als 60 Häusern gearbeitet , und diese Zeit und Gelegenheit war meine Hochschule , in der ich das Bauernvolk so recht kennen lernen konnte . Nicht unerwähnt mag ich das Verhältnis lassen , in welchem ich damals zur Familie Haselgraber in Kathrein am Hauenstein stand . Der alte Haselgraber betrieb nebst einer kleinen Bauernwirtschaft und verschiedenen Gewerben auch eine Krämerei und stand also im Verkehr mit der Welt . In seinem Hause , in welchem ich wie daheim war , fand ich Bücher und Zeitungen , vor allem aber an Haselgrabers Söhnen und Töchtern gute Freunde , die wie ich ein Interesse an Büchern und geistiger Anregung hatten , denen ich auch meine Dichtungen zu lesen gab , teilweise sie ihnen widmete , und mit denen ich in langjährigem freundschaftlichsten Verkehr stand . Die Erinnerung an diese Menschen , die heute größtenteils begraben , teils in der weiten Welt zerstreut sind , weckt jetzt noch das Gefühl der Dankbarkeit und Wehmut in mir . Ich hatte in meiner Jugend das Glück , meist mit guten Menschen zusammenzusein ; darunter vor allen zu nennen meine Mutter , meinen Vater und meinen Lehrmeister . Meine Mutter war die Güte , die Aufrichtigkeit , die Wohltätigkeit , Arbeitsamkeit selbst . Mein Vater voll herzlicher Einfalt , Redlichkeit , Duldung und echter Religiosität . Mein Lehrmeister war ein fleißiger Handwerker , der auf sein Gewerbe was hielt und mich mit milder Hand zur Arbeitsamkeit leitete . Für sein Leben gern wollte er einen tüchtigen Schneidermeister aus mir machen , aber er mag wohl früh geahnt haben , daß seiner Liebe Müh ' umsonst sein werde . Trotzdem hat er mit herzlicher Neigung zu mir gehalten , bis ich ihm davonging . Ich hatte nie das Bestreben , meinem Handwerke fortzugehen , obwohl ich mit meinen Leistungen nicht recht zufrieden sein konnte . Mich hat nämlich schon seit meiner Kindheit her eine wunderliche Idee geleitet , oder mißleitet . Sie entsprang aus meiner Kränklichkeit und war geeignet , einerseits mich zu verkümmern , anderseits mich zu erhalten . Mir war nämlich in allen meinen Zeiten zumute , daß mein Leben nur noch ein kurzes sein werde , und daher das Streben nach einer besseren Stellung zwecklos . So habe ich stets in einer gewissen , traumhaften Leichtsinnigkeit hingelebt , mit jedem nächsten Jahre den Tod , ja , mit jedem sich anmeldenden Unwohlsein resigniert das Ende erwartend . Der Weg , den ich machte , war demnach weniger ein Werk der Absicht , als des Zufalls - ich sage lieber der Vorsehung . Auch während meiner Schneiderzeit hatte ich allerlei gedichtet und geschrieben , und durch Lobsprüche und Ratschläge veranlaßt , schickte ich eines Tages eine Auswahl von Gedichten nach Graz an das Journal : » Die Tagespost « . Ich war lüstern , einmal zu sehen , wie sich meine Poesien gedruckt ausnähmen . Der mir ganz fremde Redakteur des Blattes , Dr. Svoboda , veröffentlichte richtig einiges , war übrigens aber der Ansicht , daß mir das Lernen wohltätiger wäre , als das Gedrucktwerden . Er suchte mir durch einen warm und klug geschriebenen Aufsatz Gönner , welche mich vom Gebirge ziehen und mir Gelegenheit zur weiteren Ausbildung bieten möchten . Da war es vor allem der Großindustrielle Peter Reininghaus in Graz , der mir allsogleich Bücher schickte und mich materiell unterstützte , dann der Buchhändler Giontini in Laibach , welcher sich bereit erklärte , mich in sein Geschäft zu nehmen . Nun verließ ich völlig planlos , nur vom Drange beseelt , die Welt zu sehen , mein Handwerk und meine Heimat , fuhr nach Laibach , wo ich einige Tage deutsche , slowenische und italienische Bücher hin und her schob , dann aber , von Heimweh erfaßt , fast fluchtartig nach Steiermark zurückkehrte . Ich habe mir den Vorwurf zu machen , Wohltätern gegenüber meine Dankbarkeit - trotzdem ich sie tief empfand - nicht immer genügend zum Ausdruck gebracht zu haben ; so war ' s auch bei Giontini ; das plötzliche Verlassen meiner neuen Stellung sah nichts weniger als dankbar aus . Trotzdem hat Herr Giontini mir das Ding nicht übelgenommen , sondern seine Wohlgesinnung mir in manchem Schreiben bewiesen und bis zu seinem Tode erhalten . Meine Absicht war , nun nach Alpel zurückzukehren , dort wieder Bücher zu lesen und zu schreiben und die weite Welt - Welt sein zu lassen . Allein in Graz , das ich auf der Rückfahrt berührte , ließ mich Dr. Svoboda nicht mehr fort . Nun begann dieser Mann , dem ich meine Lebenswende verdanke , neuerdings tatkräftig in mein Leben einzugreifen . Er suchte mir Freunde , Lehrer und eine Anstalt , an der ich mich ausbilden sollte . Die Landesinstitute - aus denen später mancher Tadel laut wurde , daß es mir an klassischer , an akademischer Bildung fehle - diese Institute blieben vornehm verschlossen ! Eine Privatanstalt war es , und zwar die Akademie für Handel und Industrie in Graz , die mich aufnahm , deren tüchtige Leiter und Lehrer den zweiundzwanzigjährigen Bauernburschen in Arbeit und geistige Pflege nahmen . Schon in den ersten Tagen meines Grazer Lebens bot mir der pensionierte Finanzrat Frühauf in seiner Wohnung Unterstand und Pflege gegen ein lächerlich billiges Entgeld . Reininghaus ist nicht müde geworden , mit Rat und Tat mir beizustehen . In seinem Hause erlebte ich manche Freude , und an seiner Familie sah ich ein Vorbild deutscher Häuslichkeit . Später nahm mich der Direktor der Akademie für Handel und Industrie , Herr Franz Dawidowsky , in sein Erziehungsinstitut für Studierende der Handelsakademie , wo ich unter dem Deckmantel eines Haussekretärs ein frohes Heim genoß . Drei Jahre war ich im Hause dieses vortrefflichen Mannes , den ich wie einen Vater liebte und dessen nobler Charakter günstig auf meine etwas bäuerliche Engherzigkeit wirkte . Gleichzeitig lernte ich an den Institutszöglingen , es waren Deutsche , Italiener , Engländer ,