gedroht , allerdings unter einem gutmütigen Schmunzeln - Heinz konnte nicht böse werden - bei seiner letzten unleugbar weisen und schlagenden Bemerkung aber kniff er wichtig die Lippen zusammen , zog die borstigen Augenbrauen bis unter den Hut und fuhr sich in die Haarbüschel , die strohgelb und dürr von den Schläfen starrten - sie knisterten förmlich in der heißen Abendsonne . Darauf blies er eine mächtige Rauchwolke vor sich hin , zum Entsetzen der spielenden Mückenschwärme , die sich eiligst aus dem Staube machten ; auch daheim die Ilse » mit den scharfen Augen « behauptete stets empört , das sei ein Kraut zum Umbringen - nur ich hielt stand , und wenn ich hundert Jahre erreichen sollte , der übelberufene Duft wird mich zu allen Zeiten sofort in die warme dunkle Ofenecke versetzen , mit dem ganzen Wonnegefühl des heimischen Geborgenseins neben Heinz auf der Holzbank kauernd , während draußen der heulende Schneesturm über die weite Heidefläche braust und ganze Batterien Eissplitter gegen die Fensterläden tosen . Ich sprang zu ihm an das Ufer , und da kam auch gerade Mieke heran und rupfte zutraulich an einigen Quecken , die halbzertreten unter Heinzens Schuhen hervorguckten . » Je , - wie sieht denn die aus ? « lachte er auf . » O , ich bitte mir ' s aus , da wird nicht gelacht ! « schalt ich . Mieke hatte sich prächtig herausstaffiert . Zwischen den weitabstehenden Hörnern hing ihr eine Guirlande von strahlendgelben Ringelrosen und Birkenlaub - ich fand , sie trüge diesen Schmuck so majestätisch und ungezwungen , als sei er mit ihr auf die Welt gekommen - eine Kette aus den dicken Stengelröhren der Hundeblume umschloß ihren Hals , und selbst an der Schwanzspitze baumelte ein Heidesträußchen ; es kollerte lustig über den tonnenförmigen Leib herab , sobald Mieke den Wedel hob und nach den Stechmücken auf ihrem Rücken schlug . » Sie sieht sehr feierlich aus - aber das verstehst du nicht , « sagte ich . » Nun paß auf und rate , Heinz : Mieke hat sich geputzt , und auf dem Dierkhofe ist heute Kuchen gebacken worden - also was ist los ? « Aber da hatte ich an seine allerschwächste Seite appelliert ; raten war nicht Freund Heinzens Sache . In solchen Momenten stand er hilfsbedürftig und bänglich vor mir , wie ein zweijähriges Kind - auch in diese Situation brachte ich ihn um alles gern . » Schlaukopf , du willst mir nur nicht gratulieren ! « lachte ich . » Aber das wird dir nicht geschenkt ! ... Lieber , allerbester Heinz , heute ist mein Geburtstag ! « Da flog es wie Freude und Rührung über das gute , dicke Gesicht ; er hielt mir die ungeschlachte Hand hin , in die ich herzlich einschlug . » Und wie alt ist denn meine Prinzessin geworden ? « fragte er mit konsequenter Umgehung jedweder Glückwunschrede . Ich lachte ihn aus . » Weißt du das wieder nicht ? ... Merk auf : Was folgt auf sechzehn ? « » Siebzehn - was ? Siebzehn Jahre ? ... Ist nicht wahr - solch ein kleines Kind ! - Ist ja nicht wahr ! « - Er hob protestierend beide Hände . Dieser tiefe Unglaube empörte mich . Allein mein alter Freund , der es sich bis zu seinem zwanzigsten Jahre hatte angelegen sein lassen , mit der himmelstürmenden Tanne um die Wette zu wachsen , er war nicht so ganz im Unrecht ... Seit bereits drei Jahren reichte mein Ohr genau so hoch , daß es Heinzens starkes Herz pulsieren hören konnte - nicht um eine Linie höher war es in dieser langen Zeit gerückt . Ich war und blieb ein kleines Wesen , das sich gezwungen sah , auf Kinderfüßen durch das Leben zu huschen ; und das nahm mir , nach Heinzens Begriffen von einem normalen Menschenkind , offenbar auch die Berechtigung , mit jedem Jahre älter zu werden . Trotz allem dem zankte ich ihn tüchtig aus ; aber diesmal half er sich als Politikus - er wechselte das Thema . Statt aller Antwort zeigte er mit dem Daumen über die Schulter zurück und sagte schmunzelnd : » Da drüben gibt ' s einen Extra-Geburtstagsspaß , Prinzeßchen - sie graben den alten König aus ! « Mit einem Sprunge stand ich außerhalb des Gebüsches . Ich mußte beide Hände schützend über die Augen halten , so überwältigend flimmerten und brannten die roten Abendgluten . Drüben hinter der fernen Waldlinie schossen sie spießartig durch dünne Dunst- und Wolkenschichten - dort umritten die alten Recken der Vorzeit die weite Heide und rührten mit den funkelnden Speeren an den Himmel . Noch blühte die Erika nicht - glatt , wie über einen Tisch , breitete sich die grünlichbraune Pflanzendecke hin ; nur fünfmal hob und senkte sie sich in jäher Anschwellung über fünf Hünenbetten , über ein großes und vier kleinere . Sie deckten Riesenleiber , wie der Volksmund sagte , ein verschollenes Geschlecht , unter dessen Schritt einst die Erde seufzte , und das mit mächtiger Faust Felsblöcke wie Kiesel umwarf . Auf dem Rücken des großen Hügels hatte sich Wacholdergebüsch eingenistet , und an den Flanken herab stand gelbblühender Ginster . Ob ein Vogel das Samenkorn hierhergetragen , oder ob Menschenhand die einsame alte Föhre gepflanzt hatte , genug , sie stand da , seitwärts auf dem Grat des Hügels , dünn benadelt und windzerzaust , und im Wachstum unterdrückt durch die Schneelasten des Winters ; aber doch stolz als einziger , unbeschützter Baum inmitten der weiten Ebene , der mit jedem Sturm um sein Leben ringen mußte . » Da liegt der alte König begraben ; denn der Baum steht da , und es blühen gelbe Blumen - das haben die anderen nicht , « sagte ich als Kind zu Heinz , wenn wir auf dem Hügel saßen . Und ich wußte , da , wo der Baum stand , lag das gewaltige Königshaupt